Frauen und Coverbilder

Durch die englischsprachige Autorenblogwelt geht gerade dieser Post von Jim Hines. Es geht darum, wie Frauen auf Fantasycovern dargestellt werden. Um zu zeigen, wie unmöglich die Posen teilweise sind, hat Jim Hines sie einfach kurzerhand nachgestellt. Das Ergebnis ist zum einen unglaublich lustig, zum anderen aber auch wenig erfreulich, zeigt es doch sehr deutlich, dass Frauen auf Fantasycovern offensichtlich einfach keine sinnvollen oder gar gemütlichen Posen einnehmen dürfen.

Hier gibt es zudem einen Post, der den Vergleich zu den Männern zieht. Das Ergebnis: Männer dürfen cool und bequem dastehen und so wirken, als könnten sie mit den Waffen, die sie in den Händen halten, tatsächlich jemandem wehtun. Frauen müssen vor allem den Hintern rausstrecken.

Das Seltsame ist, dass die Zielgruppe vieler dieser Bücher Frauen sind. Sollte der Aspekt sexy bei weiblichen Figuren da nicht in den Hintergrund rücken? Aber offensichtlich scheinen gerade Frauen anderen Frauen nicht zuzutrauen, mehr zu sein als das. In einem gewissen Autorenforum gab es vor Kurzem sogar eine von einer Frau gestartete Diskussion darüber, dass sie weibliche Charaktere langweilig findet. Männer seien ja viel interessanter zu schreiben. Sie habe halt nie ein Interesse an dem ganzen “Weiberkram” gehabt. Mehrere andere Autorinnen haben dem zugestimmt.
Dass man Frauen auch ohne Schwerpunkt auf Shoppen, Klamotten und Schwärmereien schreiben könnte, die Idee kam offensichtlich keiner von ihnen.

Ich finde das insgesamt recht beunruhigend.

4 Gedanken zu “Frauen und Coverbilder

  1. Immerhin sind Eisenbikinis out ;-) Wer braucht noch Rüstung, wenn die Waffen schmelzen, weil man so heiß ist …
    Oder so beweglich, dass man schlangengleich jeder Attacke ausweichen kann – sogar mit high heels.
    Nun ja, dass junge Frauen sich (wieder oder nach wie vor?) in erster Linie über sexy Aussehen anstatt über ihre Fähigkeiten definieren, sieht man Tag für Tag in den Medien. Ich weiß nicht, ob ich es tröstlich finden soll, dass auch immer mehr Männer auf diesen dämlichen ( ;-) ) Zug aufspringen …

  2. Die einzige Ausrede, die ich bisher für das veraltete Frauenbild kannte, war, dass viele Fantasy-Romane in einer mittelalterlichen Welt spielen und Frauen da “eben noch so” waren.

    In der “modernen” Fantasy spiegelt sich vor allem der Anspruch an Frauen wieder, alles unter einen Hut zu kriegen. Sie müssen nicht nur cool aussehen und toll kämpfen, wie die Männer, sondern dabei auch hübsch sein, ihre “Weiblichkeit” (für gewöhnlich definiert über Shoppingopfertum und High Heels…) behalten und sexy mit dem Hintern wackeln können. Dass Frauen, die nach diesen Aspekten geschrieben werden, eben fast alle gleich langweilig sind, ist jetzt nicht so überraschend.

    Abgesehen davon ist das kein Problem, was nur die Fantasy hat, so traurig es ist. So wird es von allen Medien propagiert: Frauen müssen in erster Linie einen gewissen Grundanspruch erfüllen (gut aussehen) und haben erst dann die Erlaubnis, sich zu “entfalten”, in jeglicher Hinsicht.

    Bloß wenn wir Frauen nicht von selbst darauf kommen, dass das totaler Schwachsinn ist – wer dann?

  3. Ich lese seit seit fast vierzig Jahren Fantasy und Science-Fiction. Ich habe mich zeitweise mordsmäßig über einige sexistischen Cover aufgeregt, die ja meistens wenig mit dem Inhalt zu tun hatten, aber das hat mich nie davon abgehalten, diese Bücher zu lesen. Inzwischen sind die Cover nicht mehr ganz so schlimm, und ich reg mich nicht mehr so leicht auf.
    Aber wenn ich solche Aussagen höre oder lese, dass Männerrollen viel interessanter zu schreiben seien, dann macht mich das wütend. Wie blöd sind solche Frauen, dass sie unreflektiert solchen Schwachsinn übernehmen, nur weil leider immer noch ein großer Teil der Werbung, Zeitschriften und Filme Frauen auf hohle Sexpuppen mit Kaufzwang reduzieren?
    Zum Glück hat sich in meinen Augen wenigstens inhaltlich im Bereich Fantasy und SF einiges zum Positiven entwickelt. Es gibt großartige Fantasy- und SF-Bücher, in denen Frauen eben nicht nur Dekofunktion haben.
    Trotzdem ist das Klischee der weiblichen Kriegerin mit aufgeblähten Kurven in spärlicher Bekleidung immer noch weit verbreitet. Egal ob auf Covern oder Computerspielen.
    Das Problem ist, dass Weiberkram negativ besetzt ist. Weibisch ist furchtbar, es gibt keine männliche Entsprechung für diese Eigenschaft.
    Leider gibt es einige Frauen, die meinen, sie müssen sich meilenweit von Weiberkram distanzieren, indem sie Chauvi-Sichtweisen übernehmen, anstatt Weiberkram mit positiven Dingen zu füllen.

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