Schreiben im Zug

Da ich im Moment wenig Zeit habe, zu Hause zu schreiben, dafür aber jeden Tag lange Zug fahre, versuche ich mich am Schreiben im Zug. Das ist gar nicht so einfach, weil ich schlicht nicht schreiben kann, wenn jemand in der Nähe lautstark telefoniert. Oder wenn kleine Kinder schreien. Oder alte Leute. (Bei den kleinen Kindern und den alten Leuten besteht kaum ein Unterschied, nur dass die alten Leute das Unterhaltung nennen.)
Inzwischen habe ich aber rausgefunden, dass man wunderbar seine Ruhe hat, wenn man sich im ICE einfach nahe der Tür auf den Boden setzt. Der einzige Nachteil ist, dass einige Leute meinen, es würde ihnen helfen, ihren Anschlusszug noch zu bekommen, wenn sie 5 bis 10 Minuten vor der Ankunft schon bei der Tür stehen. Die Unruhe dieser Leute kann man förmlich spüren, wenn sie da stehen, einen missbilligend beäugen, während man noch die letzten Sätze tippt, und wahrscheinlich fürchten, dass man ihnen auch dann noch im Weg sitzt, wenn es ans Aussteigen geht. Da ist es mit der Ruhe dann natürlich vorbei.

Und letztens hatte ich einen Nachahmer.
Morgens vor 8 Uhr sind im ICE nach Mannheim wirklich immer noch Plätze frei, aber da war tatsächlich jemand, der erst ein wenig ratlos herumstand, dann in meine Richtung guckte, mit den Schultern zuckte und sich an die Tür mir gegenüber setzte. Mit dem Ergebnis, dass die Szene, die ich schreiben wollte, nach Fahrtende mehr einem Trümmerhaufen glich, weil die reine Anwesenheit dieses seltsamen Menschen mich vollständig aus dem Konzept gebracht hat.

5 Gedanken zu „Schreiben im Zug

  1. Ich finde es ja völlig faszinierend, dass du überhaupt im Zug schreiben kannst. Stört es dich nicht, wenn jemand dabei auf deinen Text guckt? Oder machen das die Leute nicht?
    Ich schreibe da nur ganz ungern, und wenn, dann von Hand und extra krakelig, damit das auch niemand lesen kann. 😀

    • Mich stören eher die Geräusche rundrum. Wer auf meinen Text gucken möchte, darf das gerne tun. Ich glaube, der durchschnittliche Zugfahrer dürfte recht schnell recht irritiert bzw. entsetzt wieder weggucken. Aber Leute im Zug tendieren meist eh dazu, ihre Mitfahrer so gut wie es geht zu ignorieren. ich glaub nicht, dass viele neugierig genug sind, um überhaupt zu lesen, was ich schreiben.
      Außerdem such ich mir ja wie gesagt meist einen Platz, an dem sonst niemand drumrum ist.

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