Religion

Es gibt so Tage, da erfasst mich das unheimlich Gefühl, dass es viel zu viele religiöse Wahnsinnige auf der Welt gibt. So schreibt Tom heute über Kreationisten und bringt dabei ein paar mir bisher nicht bekannte und beunruhigende Zahlen.
Und ich habe vor kurzem festgestellt, dass eines der Bücher über Fantasy, das ich für meine Magisterarbeit verwenden wollte, eigentlich nur der Beruhigung von Christen bezüglich des Genres dient. Frei nach dem Motto, warum es nicht das Seelenheil gefährdet, Romane zu lesen, in denen Magie vorkommt.*

Irgendwie wäre es schön, wenn man in Bezug auf Religionen einfach nur die Mythologie behalten und die Leute wieder zurückschicken könnte, die das ganze allzu ernst nehmen.

* Das Fazit des Buches war, dass Magie in Romanen so lange in Ordnung ist, wie sie zur Verteidigung mehr oder weniger christlicher Werte eingesetzt wird. Dabei wurde dann auch dargelegt, wieso das in Harry Potter der Fall ist. Obwohl Dumbledore an einer Stelle lügt. Wobei der Begründung, warum Dumbledores Lüge (Als er sagt, er hätte DA gegründet, um Harry zu schützen) gerade so noch verzeihlich ist, über eine Seite gewidmet wird. Denn immerhin lügen eigentlich eine Sünde … und allgemein werden mehr Bibelstellen zitiert als welche aus Harry Potter selbst.

8 Gedanken zu „Religion

  1. (Hallo, ein Wiener Bekannter von Asmodea07 und Rieger hier. Als ich zufällig auf dein Journal gestoßen bin und einen Eintrag über die Definition von Fantasy gelesen hab, war mir klar, dass ich mir die Freiheit nehmen muss, dich als Freund zu adden. 🙂 )

    Frei nach dem Motto, warum es nicht das Seelenheil gefährdet, Romane zu lesen, in denen Magie vorkommt.*

    Wo man doch eigentlich glauben sollte, dass eigentlich niemals eine Gefahr bestehen könnte, schließlich, Romane = nicht real, Bibel = real, zumindest in den Augen der meisten gläubigen Christen.

    Irgendwie wäre es schön, wenn man in Bezug auf Religionen einfach nur die Mythologie behalten und die Leute wieder zurückschicken könnte, die das ganze allzu ernst nehmen.

    Zumindest die gefährlichen (falschen) Teile, ja.

    Das Fazit des Buches war, dass Magie in Romanen so lange in Ordnung ist, wie sie zur Verteidigung mehr oder weniger christlicher Werte eingesetzt wird.

    A Jedi uses his power only for knowledge and defense!

    Der Begriff „Christliche Werte“ macht mich zynisch, da sich die in den letzten 2000 Jahren doch sehr stark verändert haben und in unterschliedlichen Interpretationen des Christentums doch sehr unterschiedlich und öfters auch mutually exclusive sind …

    • Dann bist du nun gleich mal zurückgeaddet 🙂

      Wo man doch eigentlich glauben sollte, dass eigentlich niemals eine Gefahr bestehen könnte, schließlich, Romane = nicht real, Bibel = real, zumindest in den Augen der meisten gläubigen Christen.

      Da diese Leute es gewohnt sind, für wahr zu halten, was in Büchern steht, gehen sie vllt davon aus, dass Fantasy-Romane auch irgendeine Art von Wahrheitsanspruch haben. Also, auch wenn sie ständig betonen, dass alles, was da drin steht, nicht wahr ist, haben sie vllt Angst, irgendjemand würde das behaupten wollen. Oder irgendjemand, der einen Fantasy-Roman liest, könnte beginnen, das zu glauben.
      Und die ganze Sache hat ja auch was von der „Killerspiele“-Diskussion. Die gehen davon aus, wenn man Bücher list, in denen Magie vorkommt, läuft man Gefahr, sich dann realerweise mit Magie zu beschäftigen.

      Der Begriff „Christliche Werte“ macht mich zynisch, da sich die in den letzten 2000 Jahren doch sehr stark verändert haben und in unterschliedlichen Interpretationen des Christentums doch sehr unterschiedlich und öfters auch mutually exclusive sind …

      Ich hab das Gefühl, heutzutage versuchen einige Christen alles Nette zu einem christlichen Wert zu erklären. In dem Buch ging es z.B. viel darum, dass es Magie in Ordnung ist, wenn sie in den Romanen eingesetzt wird, um Leuten zu helfen. Als ob außer den Christen nie jemand je auf die Idee gekommen wäre, dass es eine gute Sache ist, anderen Leuten zu helfen, wenn man kann …

  2. Da diese Leute es gewohnt sind, für wahr zu halten, was in Büchern steht, gehen sie vllt davon aus, dass Fantasy-Romane auch irgendeine Art von Wahrheitsanspruch haben.

    Eine Möglichkeit, ja. Natürlich sollte man meinen, dass die Menschen in heutigen Zeiten enlightened genug sind, um mit dem Konzept von Fiktion und von Büchern die keinen Wahrheitsanspruch stellen umzugehen, aber .. naja, anscheinend ist das halt nicht so. Hmm.

    Und die ganze Sache hat ja auch was von der „Killerspiele“-Diskussion. Die gehen davon aus, wenn man Bücher list, in denen Magie vorkommt, läuft man Gefahr, sich dann realerweise mit Magie zu beschäftigen.

    Hmm. Und wenn ich mich mit christlicher Geschichte beschäftigt, werd ich dann ein Inquisitor? 🙂

    Ich hab das Gefühl, heutzutage versuchen einige Christen alles Nette zu einem christlichen Wert zu erklären.

    Auweh. Ich hab als selbst praktizierender Christ (nach mancher Definition zumindest. Ist ein kompliziertes Thema. 🙂 ) kein Problem mit dem Konzept von christlichen Werten, aber es wär irgendwie arrogant und, naja, grundfalsch, zu behaupten, dass vor oder nach dem Christentum niemand die Idee gehabt, sich richtig zu benehmen.

    Trotzdem. „Christliche Werte“ –> schwieriges Thema. Vor ein paar hundert Jahren hat es zu den guten christlichen Werten gehört, Mooren zu Köpfen und Juden zu verbrennen. In manchen Teilen der Welt gehört es auch heutzutage noch zu den christlichen Werten, andere Kulturen der eigenen unterzuordnen. In den letzten 2000 Jahren ist sehr viel unter den Begriff „christliche Werte“ subsumiert worden.

    • Irgendwie scheint jeder Christ, mit dem man vernünftig über seinen Glauben diskutieren kann, ein etwas komplizierteres Verhältnis zu seiner Religion zu haben.

      Klingt auf jeden Fall sinnvoll, was du da sagst. Immerhin gibt es ja auch zig Bibelinterpretationen und eben von denen hängt es wohl mit ab, was man unter christlichen Werten versteht und was nicht.

      Der Frage mit dem Inquisitor sollte man übrigens mal nachgehen. In dem Zusammenhang kann man dann gleich noch untersuchen, ob man das Bedürfnis verspürt, durch Labyrinthe zu laufen und Punkte zu fressen, wenn man zuviel Pacman spielt 😉

  3. Irgendwie scheint jeder Christ, mit dem man vernünftig über seinen Glauben diskutieren kann, ein etwas komplizierteres Verhältnis zu seiner Religion zu haben.

    Naja, das hat einen ganz einfachen Grund. Sobald ich jemandem sag „ich bin ein Christ“ (Wahrheit), fangt, berechtigterweise, das Schablonendenken an. Jeder kennt Christen. Jeder hat gute (vielleicht) und schlechte (ziemlich sicher) Erfahrungen mit Christen gemacht. Also wenn ich mich jetzt vor einer mir unbekannten Person als Christ identifizier, wird mich diese wahrscheinlich mit allen möglichen Sachen assoziieren, und vielleicht auch mit Sachen, die mit meiner persönlichen Interpretation des Christentums nix zu tun haben.

    Deshalb relativier ich mein Credo sofort, und sag also sowas wie „ich bin ein Christ, nur ist mein Verhältnis zum Christentum kompliziert“ (Wahrheit) oder „ich bin eine Art von Christ“ (Wahrheit) oder „ich folge den Lehren Jesu“ (Wahrheit) oder sowas.

    Klingt auf jeden Fall sinnvoll, was du da sagst. Immerhin gibt es ja auch zig Bibelinterpretationen und eben von denen hängt es wohl mit ab, was man unter christlichen Werten versteht und was nicht.

    Ich halt das für eine der Wirklich Wichtigen Dingen im Umgang mit, naja, jeder Religion. In jeder Religion stecken verdammt viele Philosophien und Gedanken und Praktiken drin, und viele davon sind absolut widersprüchlich und nicht miteinander vereinbar. Nächstenliebe ist und war christlich, aber Juden zu verbrennen und Hexen zu ertränken und Moslems zu erschießen, naja, das ist und war auch christlich, weil Leute ihre Religion als Vorwand dafür verwendet haben und das heute noch tun. Christen glauben sehr viele verschiedene Dinge, und du wirst nicht viele Christen finden, die das selbe glauben, und du wirst zweifellos Christen finden, die hassenswerte Biester sind, und auch solche, die decent guys/girls sind.

    Und das trifft natürlich auch auf alle anderen Religionen zu. Die Weltreligionen sind, naja, riesig.

    Bis auf Hindus. Die mag ich nicht. Die sind ALLE ausnahmslos böse.
    🙂

    Der Frage mit dem Inquisitor sollte man übrigens mal nachgehen. In dem Zusammenhang kann man dann gleich noch untersuchen, ob man das Bedürfnis verspürt, durch Labyrinthe zu laufen und Punkte zu fressen, wenn man zuviel Pacman spielt 😉

    Hmm.

    Ok. Ich wär der ideale Inquisitor!

  4. Lustig. Ich hatte mal einen Artikel gefunden, in dem genau das Gegenteil behauptet wurde — dass Magie bei Tolkien & Lewis o.k. sei, und bei HP nicht. Werd einer aus diesen fundamentalistischen Christen schlau …

  5. Was sogar so weit geht, als dass es einem peinlich ist, sich selbst als Christ zu bezeichnen, weil man in der Mehrheit (mal positiv, mal negativ gemeint) mit den eher kreationistischen Zeitgenossen gleichgesetzt wird.

    Da finde ich die inzwischen sehr harte und entschiedene Gegenposition der katholischen Kirche (und der evangelischen Landeskirchen) sogar recht amüsant. Die katholische Kirche stelt sich mit der klaren Ansage, dass die Evolutionstheorie von ihr in vollem Umfang anerkannt wird (ebenso wie die Urknalltheorie) in den USA derzeit sogar ins religionspolitische Abseits und verliert (absurd wie es ist!) genau dadurch an Anhängern. Übrigens in schleichendem Maße auch bei uns.

    Das heißt, wir haben hier eine Kirche und Religion, die sich endlich davon abgewandt hat, daran zu glauben, dass die Erde eine Scheibe ist und sich bei Galileo, Bruno, Keppler, da Vinci und Co entschuldigt hat – und deshalb verliert sie auf der einen Seite viele Mitglieder, weil sie der modernen „Häresie Evolution“ anhängt – und auf der anderen, weil sie zu altmodisch ist (siehe Thema Abtreibung und gleichgeschlechtliche Partnerschaften). Schon brutal.

    Wobei ja jemand für diese Kreise ohnehin kein Christ ist, der nicht an jedes Wort der bibel als ultimative Wahrheit glaubt. Und wie mir mitgeteilt wurde: Pseudochristen sind schlimmer als Heiden. (Deckt sich mit dem Inquisitorischen Denken. Ketzer und Häretiker sind zu verfolgen – Hexen und andere Anhänger völlig anderer Religionen sind nicht unser Problem. Weshalb von den geschätzt 4 Millionen Hexenprozessen des Mittelalters gerade mal ein bis zwei Dutzend (!) auf das Konto der Inquisition gehen.)

  6. Pingback: Yay! – Vernünftige Sekundärliteratur « Katastrophengebiet

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