Wie man sich einen historischen Roman bastelt

Meistens habe ich wirklich wunderbare Eltern, mit denen man ebenso wunderbare Gespräche führen kann. So begab es sich z.B., dass ich vor nicht allzu langer Zeit mit besagten Eltern in einem Restaurant saß und wir thementechnisch von Patenten auf Spekulationen, ob gewisse Elektronik-Märkte meinen Vater inzwischen anpeilen können und ihm SMS schicken, wenn er in ihre Nähe kommt, und von dort aufs Schreiben kamen.

„Eigentlich sollte man historische Romane schreiben“, sagte ich, während sich meine Mutter gerade für einen Moment vom Tisch entfernte. „Da scheinen sich die Verlage im Moment drum zu reißen. Zumindest um die, die im Mittelalter spielen.“
„Dann sollten wir das tun.“ Mein Vater schaute eine Weile nachdenklich. „Nur worüber? Wie wär’s mit den Fuggern? Mit vielen Intrigen und Ähnlichem.“
Ich: „Wir brauchen aber eine weibliche Hauptperson. Und sie muss entgegen gesellschaftlicher Regel ihren eigenen Weg suchen.“
Vater: „Dann nehmen wir eine Fuggerin, die ihr eigenes Vermögen verwaltet und es gegen fiese Machenschaften verteidigen muss.“
Ich: „Und sie muss sich verlieben.“
Vater: „Natürlich.“
In dem Moment kam meine Mutter zurück und ich begrüßte sie mit: „Wir planen gerade einen Bestseller.“
Mutter: „Oh, schön. Dann sind wir ja bald reich.“
Ich: „Naja, wir werden ihn nie schreiben.“

Doch die Idee ließ meinen Vater erstmal nicht los. Vor dem Restaurant fing er erneut damit an: „Wir brauchen einen Titel.“
Ich: „‚Die Fuggerin‘ ist doch gut. Wahlweise können wir noch ‚von Irgendwo‘ dranhängen.“
Vater: „Die Fuggerin von Mainz.“
Ich: „Warum nicht…“

Damit haben wir nun wohl den im L-Raum herumschwebenden potentiellen Büchern ein weiteres hinzugefügt. Wahrscheinlich ist es kein großer Verlust, dass wir es nie schreiben. Aber es wäre ganz sicher ein Bestseller geworden 😉

11 Gedanken zu „Wie man sich einen historischen Roman bastelt

  1. Stimmt, Augsburg wäre deutlich sinnvoller bei den Fuggern.

    Die Kreuzfahrerin gibt es, wie’s scheint *g* Die Pfaffenköchin dagegen dürfte nur schwer verkäuflich sein

    • Es gibt einen Roman mit dem Titel „die Henkerin“. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das ein historischer Roman ist.

      Die Inquisitorin klingt cool. Ob ein Roman mit einer absolut kaltherzigen, fiesen Hauptperson wohl funktioniert?

  2. Feiert der Mainzer Dom nicht dieses Jahr sein 1000-jähriges? Dann sollte das Buch natürlich unbedingt mit dem Dombau zu tun haben. Vielleicht eine Steinmetzin oder die heilkundige Frau eines Steinmetzes 😉

  3. Kommt mir das jetzt nur so vor, oder erinnert mich das an was? *gg* Also, die angefangenen Kapitel hab ich noch, wenn du weiterschreiben willst, bitte!

    • Ich weiß nicht, wie mein Vater gerade auf die Fugger kam, ich hatte damit nichts zu tun! *g*
      Und ich dachte, du wolltest weiterschreiben.

      • Och, wahrscheinlich eher nicht. Aber wir werden sehen, vielleicht eines Tags, wenn mir langweilig ist (und bei den derzeitigen Jobaussichten kann das eher kommen, als mir lieb ist). Und DANN wird es aber ein Bestseller, aber sowas von! 😉

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