Deutschsprachige Fantasy

Der Advi a.k.a. Thomas meckert hier über deutsche Fantasy, und es freut mich ungemein, dass er, seit ich ihn davon überzeugen konnte „Lycidas“ zu lesen, immer „mit Ausnahme von Christoph Marzi“ schreiben muss.

Die Einstellung, orginal deutschsprachige Fantasy schlecht zu finden, gibt es ja anscheinend häufiger. Ich finde es allerdings immer noch seltsam, die Qualität (wie auch immer die aussehen mag) eine Buches, vom Herkunftsland des Autors abhängig zu machen.
Das Geburtsland sagt ja heutzutage kaum etwas darüber aus, was für Bücher man liest, von welchen Büchern man sich also beeinflussen lässt, wenn man schreibt. Vor allem im Bereich Fantasy gab es bis vor ungefähr 10 Jahres kaum etwas von deutschsprachigen Autoren (wirklich so gut wie nichts, wenn man den Bereich Jugendbuch außen vor lässt), und all die Leute, die heute in Deutschland Fantasy schreiben, sind, was die verschiedenen phantastischen Genres angeht, mit Romanen aus England oder Amerika aufgewachsen. Das Herkunftsland dürfte also kaum einen Einfluss darauf haben, was man schreibt.

Nun scheinen die Leute, die sagen, sie fänden deutsche Fantasy schlecht, öfter mal einfach Völkerfantasy zu meinen. Dagegen, Völkerfantasy schlecht zu finden, kann ich nun nicht wirklich etwas sagen, das ist Geschmackssache, und immerhin habe ich inzwischen den ein oder anderen Vökerfantasyroman gelesen bzw. angelesen und war nur in selteneren Fällen begeistert. Tatsache ist aber, dass es auch innerhalb der Völkerfantasy ziemlich große Unterschiede gibt, und dass Stan Nicholls, der ja bekanntermaßen nicht deutsch ist, nicht in irgendeiner Weise mit sonderlich großer Originalität aus dem Rest der Menge heraussticht.
Tatsache ist auch, dass Völkerfantasy nicht gleich deutsche Fantasy ist. Ob man es nun glaubt oder nicht, es gibt mehr.

Nun könnte ich noch eine Menge Zeug schreiben, aber da diverse Skeptiker mir meine oben gerade niedergeschriebene Behauptung nie glauben wollen, fange ich vielleicht einfach mal mit einer Liste an. Hier also deutschsprachige Autoren oder deren Werke, die in irgendeiner Weise originell oder interessant sind und nur sehr wenig mit Tolkien oder DSA zu tun haben, also nicht den Kriterien entsprechen, die Thomas als schlecht ansieht.
Ich liste übrigens nur Leute auf, die noch leben und schreiben.

Cornelia Funke – dazu muss ich wohl nichts sagen.

Christoph Hardebusch – hat sich mit seinen Sturmwelten-Romanen schon ziemlich weit von Tolkien entfernt. Mit „Die Werwölfe“ ist ihm ein Rückbezug auf die schwarze Romantik gelungen, dem man wirklich weder Tolkien-Nähe noch DSA-Nähe vorwerfen kann.

Jo Honisch – schreibt Fantasy vor historischem Hintergrund, was an sich zumindest hierzulande noch eine recht neue Erscheinung ist. Ihre Romane sind definitiv nicht Steampunk, egal was auf dem Cover steht. Sie haben lediglich ein paar entsprechende Elemente.

Boris Koch – schreibt sehr unterschiedliche Dinge, und ich habe bisher noch „Der Drachenflüsterer“ von ihm gelesen. Würde aber vermuten, dass der Rest auch einen Blick wert ist. „Der Drachenflüsterer“ auf jeden Fall hat mich an „Kim“ von Kipling erinnert, aber wahrscheinlich erinnert er allgemein an Romane, die einen sehr frechen Jungen als Hauptcharakter haben. Es gibt darin einige neue Ideen in Bezug auf Drachen, was fast schon an ein Wunder grenzt, wenn man die Menge der Fantasyromane mit Drachen bedenkt.

Falko Löffler – hat meist eine interessante neue Idee als Grundlage seiner Romane. „Drachenwächter“ enthält beispielsweise eine Prophezeiung und Drachen und kommt trotzdem zu einem Ende, mit dem man unter keinen Umständen rechnet.

Christoph Marzi – schreibt Urban Fantasy. Der Anfang seines ersten Romans „Lycidas“ liest sich wie Neverwhere-Fanfiction, danach wird er aber besser, weil eigenständiger. Ich finde den Schreibstil sehr genial, andere Leute sind schon daran gescheitert.

Walter Moers – dazu muss ich wahrscheinlich auch nichts sagen.

Oliver Plaschka – hat mit „Fairwater“ ein Buch vorgelegt, das so seltsam ist, dass man es nicht in ein Subgenre einordnen kann, außer man möchte es als Literarische Fantasy bezeichnen.

Victoria Schlederer – schreibt wie Ju Fantasy vor historischem Hintergrund. Ich habe erst vor einiger Zeit hier etwas zu ihrem ersten und bisher einzigen Roman geschrieben.

Karl-Heinz Witzko – hat in dem kurzen Roman „Dämon wider Willen“ ein paar sehr lustige Idee. Was wäre wenn die Menschen ein Stück der Hölle erobern würden?

Möglicherweise habe ich den ein oder anderen vergessen. Und natürlich sind das nur die Autoren, von denen ich mindestens ein Buch gelesen habe. Wenn man bedenkt, wie langsam ich lese und wieviel ich nicht kenne, dürfte es dort draußen noch eine ganze Menge mehr geben.

12 Gedanken zu „Deutschsprachige Fantasy

  1. Oh, da sind ein paar interessante Sachen dabei — bei Funke und Moers kann ich nur zustimmen, bin aber sonst nicht so der Fantasy-Kenner, v.a. im deutschen Raum. Auf jeden Fall danke für die Liste, auf die werd ich sicher noch ein paar Mal zurückgreifen *g* Vor allem Marzi wurde mir schon wiederholt empfohlen, von dem sollte ich wirklich mal was lesen.

    • Jetzt mach mir kein schlechtes Gewissen! Ich bin langsam! Kannst du mir noch mal verzeihen? 😉
      Ich hab die Zombies immerhin sozusagen vorbestellt. Ist das nichts?

  2. Pingback: Verschiedenes « Katastrophengebiet

  3. Also ich weiß ja nicht – ob dir der Herr Heitz das nicht übel nehmen wird, dass du ihn nicht aufführst? *g* Immerhin erreicht er wohl als einer der wenigen die Verkaufszahlen von Frau Funke.

    Vom Herrn Hennen ganz zu schweigen. Der ist zwar sicherlich nicht übelnehmerisch, aber er fehlt ebenfalls.
    Komm, da kriegst du sicherlich noch ein paar mehr zusammen. 😉

  4. Spontan würde mir noch Jörg Kastner einfallen. Ich habe von ihm die „Engelstrilogie“-Reihe gelesen und fand seinen Schreibstil angenehm zu lesen.

    Von Walter Moers habe ich bisher nur den Schrecksenmeister gelesen, wollte mir aber die anderen Bücher noch besorgen.

        • Noch mehr Bücher? Waaaah! Ahem… leih sie mir lieber nicht, es könnte sein, dass mein Stapel ungelesener Bücher sie frisst.

          Ich weiß auch nicht, ob Vatikan-Verschwörungsgeschichten so ganz mein Ding sind, aber diese kurze Leseprobe, die da unten steht, ist ziemlich eindrucksvoll.
          Ich schau mal, dass ich’s mir vllt irgendwann mal kaufe.

          • Teilweise sind die Bücher etwas seltsam, wenn nicht vorhersehbar. Ein Kritikpunkt ist auch, dass man sich mit den Strukturen des Vatikans zumindest ein bisschen auskennen sollte, um nicht den Überblick zu verlieren. Aber, wie gesagt, sie sind nicht schlecht (auch, wenn ich -wie immer- nur am Meckern bin).

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