Technik

Ich habe letztens ein paar Briefe von Tolkien gelesen, und neben vielen anderen Dingen erwähnt er dort eine Sache, die mir ins Auge gesprungen ist: Wie schwer es ist, den Überblick zu behalten, wenn man in einem Manuskript einen Namen ändert.
Mein erster Gedanke war: „Öhm … wieso?“
Und mein zweiter: „Achja, stimmt … Computer sind noch nicht so alt. Copy&Paste funktioniert auf Papier nicht.“
Für solche Gedanken ist wahrscheinlich derselbe Teil meines Gehirns zuständig, der auch dafür sorgt, dass ich manchmal nach der Suchfunktion Ausschau halte, wenn ich in einem Buch etwas suche …

Ich bin so an Computer gewöhnt, dass er mir schwer fällt, mir vorzustellen, sie nicht zum Arbeiten zur Verfügung zu haben. Man stelle sich vor, man müsste ein Manuskript beim Überarbeiten nochmal komplett neu schreiben, anstatt die Änderungen einfach zwischendrin einzufügen. Oder man müsste seine Quellen für wissenschaftliche Arbeiten aus Zettelkatalogen und Bibliographien zusammensuchen. Und dann ist da noch das Lektorieren und Korrekturlesen … wenn ich dabei über einen Begriff stolpere, den ich nicht kenne, wie z.B. der Name irgendeines Indianerstamms, oder sowas, dann gebe ich ihn bei Wikipedia ein, um zu sehen, ob er richtig geschrieben ist. Was haben die Leute früher gemacht?

Das ist lustig. Ich kann mir ohne Probleme vorstellen, wie die Urmenschen in Höhlen gelebt haben, aber wenn es darum geht, wie man vor ein paar Jahrzehnten publizistische Tätigkeiten ohne Internet oder gar komplett ohne elektronische Geräte bewältigen konnte, geht mein Hirn in den „Oh Scheiße, wie kann es sein, dass die nicht einfach genervt aufgegeben haben?“-Modus. Ich mein, Sätze aus kleinen Bleibuchstaben puzzlen… ehrlich… 😉

Aber wahrscheinlich wird in ein paar Jahrzehnten irgendwo irgendwer sitzen und sagen: „Wie konnten die an den alten Computern damals nur arbeiten?“

12 Gedanken zu „Technik

  1. 😀
    Ich suche ja mit Vorliebe verzweifelt die Funktion zum Zwischenspeichern, wenn ich mal ausnahmsweise analog male. Es dauert meist ein bis zwei Sekunden ehe mich die gruslige Erkenntnis „Da musst du durch, ohne Netz und doppelten Boden“ und dann ähnlich Gedanken wie dich überkommen.

  2. Ich vermisse auch eine Suchfunktion innerhalb der Wohnung. Wir hinken technisch doch noch sehr hinterher.

    Wenn ich mir überlege, dass ich meine Büroausbildung noch analog an der IBM-Kugelkopfmaschine machen „durfte“…

  3. Die Rückgängig-machen-Funktion (auf Mac das berühmte „Apfel-Z“) ist auch so ein Klassiker.

    Tasse fällt aus Schrank, das Gehirn zuckt gelangweilt mit den Schultern und sagt sich „Apfel-Z“.

    Dann mustert es sich seltam von der Seite und sagt zu sich: „Junge, du brauchst Urlaub. Ohne Rechner.“

    Aber ichschreibe vieles tatsächlich noch analog. Mit dem Nachteil dass ich alles nochmal abschreiben mus, wenn ich fertig bin.
    Allerdings auch mit dem Vorteil, dss ich nicht an Formulierungen herumbastele und Stunden mit einem Satz zubringe. Was nicht stimmt, wird großzügig und lässig gestrichen und nahtlos fortgesetzt. Erst das korrigieren mach ich am Rechner. Was natürlich das Namensproblem von Tolkien trotzdem beseitigt.

    • So schlimm steht’s bei mir zum Glück noch nicht *g*

      Ich schreibe aber auch viel analog, vor allem im Zug, wo der Stil eh grausig wird, und ich es dann beim Abtippen gleich noch großzügig überarbeiten kann.

  4. Wahrscheinlich ist das aber auch der Grund, warum, es so viel unglaublich schlechte „Bad Fic“ oder schlchte recherchierte (bööööses Wort) Trivialliteratur gibt. Viele „Autoren“ klicken auf Google und nehmen den ersten Eintrag für bare Münze. Daraus resultiert dann, dass das Cern plötzlich ein Stratosphärenflugzeug hat, und man Antimaterie in Koffern herumtragen kann… *seufz* (Illuminati/Angels and Demons). Nicht, dass ich die Bücher schlecht finde. Ich finde nur, amn kann da etwas sauberer recherchieren.

    Gleiches gilt noch schlimmer für Fantasy. Da drehen sich mir die Zehennägel hoch 🙂

    • Wobei das Zeug, das in Büchern steht, teilweise auch nicht wahrer ist als das, was im Internet zu finden ist. Es sieht nur glaubwürdiger aus, weil jemand Geld dafür ausgegeben hat, es auf Papier drucken zu lassen.

      Außerdem hab ich ja nie gesagt, dass man das Internet als alleinige Recherchequelle verwenden soll 😉 Ich bin nur sehr froh über die Existenz von Online-Katalogen von Bibliotheken, über Inhaltsangaben zu Büchern, über die ich schon grob bestimmen kann, ob was brauchbares drin steht, und über die Literaturangaben bei Wikipedia, die sowas wie nen ersten Anhaltspunkt darstellen.

      Und ich glaub, schlecht recherchierte Fantasy ist einfach deshalb schlecht recherchiert, weil einige Leute meinen, man müsste für Fantasy gar nicht recherchieren.

      • „…weil einige Leute meinen, man müsste für Fantasy gar nicht recherchieren.“

        Wie wahr, wie wahr.
        Dabei ist der Aufwand kein bisschen geringer, as bei einem historischen oder zeitgenössischen Roman.
        Gerade in den kleinen Dingen.

    • Daran hab ich ja noch gar nicht gedacht. Aber ich hab mal nen Index überprüft und das war schon mit Suchfunktion nervig genug.

  5. Also ich bin ja ein Relikt aus computerfreien Tagen. LangeRomane hätte ich damals nicht schreiben können. Ich habe die Tendenz, alles dauernd zu ändern.
    Ich habe schon meine Magisterarbeit auf einer Schreibmaschine ohne Fehlertaste für eine ziemliche Zumutung gehalten.

  6. Korrekturen mit Korrekturtaste – dafür gab’s doch Tipp-Ex-Streifen. Wagen einen Buchstaben zurücksetzen, Streifen vor den Kopf legen, falsche Taste noch einmal drücken. Dann Streifen raus und noch einmal zurück, und diesmal besser machen. Zum Glück kam es damals für mich auf absolut nichts an 😉

    Ich bin auch ganz schnell zu Works und später StarWriter umgestiegen, als die Rechner schneller wurden.

    Zumindest das Zusammenstellen des Index‘ mache ich allerdings immer noch per Hand. Zum Nachbelegen der Seitenzahlen dagegen ist ein entsprechendes Script unheimlich praktisch.

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