Glaubenssache

Nachdem ich gestern die Sache mit dem Glauben an die Existenz von Vampiren zitiert haben, wies Tom auf folgendes hin:

Es neigen viele Leute dazu, an übermenschliche Wesen (entweder wohlwollend-beschützende oder aber strafend-zerstörende. Oft auch vereint in einem) zu glauben, die sie noch nie gesehen haben und deren Existenz bei näherer Betrachtung zumindest fragwürdig erscheint.

Auf solchen Prinzipien werden Religionen nun mal erbaut. Edwardianismus wäre da nichts bemerkenswert Neues.

Womit er natürlich absolut recht hat. Mir war auch schon immer bewusst, dass es Leute gibt, die an Vampire glauben. Nur, dass das gerade unter den befragten Twilight-Fans rein prozentual so viele (nach Zahlen höchstens 25, weil nur 50 befragt wurden. Ich weiß, dass das nicht repräsentativ ist.) sind, hat mich überrascht. Ich bin nämlich nach wie vor der Meinung, dass Fantasy einen nicht dazu bringt, an die darin vorkommenden Fantasy-Wesen zu glauben.
Wenn man aber länger darüber nachdenkt, ergibt es irgendwie Sinn, dass man an die Dinge glaubt, von denen man hofft, dass sie existieren. Vor allem, da es ja auch Vampir-Mythen gibt, man also, wie einige der besagten Befragten das auch tun, damit argumentieren kann, dass an diesen Mythen irgendwas dran sein muss.
Womit diverse Fantasy-Romane einen nur dazu bringen würden, sich mit passenden Mythen zu beschäftigen, damit die einen wiederum auf die Idee bringen, dass sie wahr sein könnten, weil „irgendwas ja dran sein muss“. Was natürlich logischerweise nur dann passiert, wenn man ohnehin ein Mensch ist, der dazu neigt an Dinge zu glauben, die er noch nie gesehen hat und deren Existenz bei näherer Betrachtung zumindest fragwürdig erscheinen.

Womit die Ehre der Fantasy gerettet wäre. Ist immerhin nicht ihre Schuld.

7 Gedanken zu „Glaubenssache

  1. Mythen und – damit zusammenhängend – Archetypen sind eine extrem starke Angelegenheit.
    Wenn man bedenkt, was sich alles über die Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende, gehalten hat … meistens etwas verändert, angepasst, aber immer da.

    Im Zusammenhang damit empfehle ich die Reihe „Mittelalter Mythen“ – SEHR spannend …

  2. Macalla hat völlig recht. Mythen sind stark. Meist ändern sie sich auch nicht allzu sehr. Die wenigsten Fantasy-Bücher haben irgendeinen Einfluss auf die überlieferten Definitionen. Marion Zimmer Bradley hat das immerhin geschafft mit den Nebeln von Avalon. Seither glauben genug Leute, dass die frühmittelalterliche Frau ein emanzipiertes Wesen mit Macht und Einfluss war. Absoluter Schwachsinn – rein historisch.
    So ein Hype wie der von den tageszeitlichen Bissen kann natürlich da mal was anstoßen, aber Hypes gehen vorüber, und ich denke, der Glaube an Vampire wird dann wieder verschwinden zugunsten von irgendetwas anderem, und die 50% Vampirgläubigen werden einen neuen Altar finden, auf dem sie opfern können: der örtliche Fußballverein oder irgendein edles Markenprodukt.

    Ich würde es ja toll finden, wenn genügend Leute „Salzträume“ läsen und sich daraus dann eine neue Frauenreligion um die Saligen bildet. Die waren ja immerhin schon mal Gottheiten, irgendwann, irgendwo. Ganz sicher fänden sich auch ganz schnell Leute, deren Familien seit Generationen die Saligen angebetet haben und das nur im Geheimen gemacht haben, aber selbstverständlich alles darüber wissen.

    • Die Bezeichnung der tageszeitlichen Bisse muss ich mir merken …

      Vielleicht solltest du es mal andersrum versuchen. Gründe eine Religion zu den Saligen und verkaufe darüber deine Bücher 😉
      Wobei ich irgendwas Arpad-bezügliches für erfolgsversprechender halte.

      • Dass das funktioniert sieht man ja.
        An Scientology zum Beispiel. Dazu muss man als Autor ja offensichtlich nicht mal gut sein. nur geschäftstüchtig und ein wenig skrupelloser als üblich.

        Mich reizt der Gedanke ja immer wieder.
        Wer erfindet mit eine neue Verschwörungstheorie, zu der wir dann, wenn sie sitzt, passende Bücher veröffentlichen, die die reine Phantasie in der „Realität“ verankern?
        Stell ich mir spaßig vor.
        Wenn auch gefährlich.

        • Wie wär’s mit radioaktivem Brokoloi, der seit Jahrhundterten versucht, die Welt zu erobern, und dessen Existenz man bereits in ägyptischen Hieroglyphen beweisen kann?

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