Und noch ein Fantasy-Boom

Eigentlich hatte ich ja versucht herauszufinden, wie erfolgreich die Verfilmung der Unendlichen Geschichte war. Doch es scheint, als wäre dieser Film in der Fachpresse totgeschwiegen worden damals, was ich durchaus nachvollziehen kann. Dafür bin ich auf etwas anderes gestoßen: Es ist 1984 schon mal ein Fantasy-Boom diagnostiziert worden!
Zumindest schreibt BuchMarkt von einem „Boom phantastischer Literatur“ und bringt den mit Michael Ende in Verbindung. Ich wusste ja, dass Michael Ende ziemlich erfolgreich war, und dieser wunderbare Artikel auf Phantastik-Couch.de sagt auch: „Der Fantasy-Erfolg im deutschsprachigen Raum steigerte sich in drei Wellen: Tolkien, Ende und Rowling sorgten dafür, dass heute mehr Fantasy gelesen wird als je zuvor.“ Aber, dass das damals tatsächlich als Boom bezeichnet wurde, hätte ich nicht gedacht.
Interessant ist auch, dass es in diesem BuchMarkt-Artikel heißt:

Nun ist die Phantasie trotz der zahlreichen Beschwörungen noch immer nicht an die Macht gelangt, aber sie fristet in der Literatur-Szene wenigstens kein kümmerliches Schattendasein mehr, ist aus den Kinderbuchecken befreit und wird kaum mehr als bloße Flucht aus der Realität geächtet.

OK, wo genau nach 1984 sind wir da falsch abgebogen?

7 Gedanken zu „Und noch ein Fantasy-Boom

  1. Hey ja, Du bist zu jung, um Dich daran zu erinnern, aber ich weiß das noch sehr genau – immerhin war „Der dunkle Kristall“ der erste Film, den ich allein im Kino gesehen habe.
    Zu dieser Zeit waren die Zeitschriften vollgestopft mit Artikeln über die damalige Fantasywelle, es war nicht die erste und sollte nicht die letzte sein.

    Die Durststrecke begann, als die Generation vor uns erwachsen wurde und wir, die wir gerade damit beschäftigt waren, AD&D und Ultima IV zu spielen, noch nicht an den Hebeln der Macht saßen. Es wird eine Zeit kommen, wenn die Kids dieser Jahre zu entscheiden haben, dann gibt es wieder weniger Fantasy. Eigentlich ist es ein ganz einfaches Jäger-Beute-Schema. 🙂

    • Da ich 1985 geboren wurde, bin ich theoretisch ein Kind dieser Jahre … irgendwie. Zumindest fand meine Kindheit während der Durststrecke statt.
      Und, hat es mir geschadet? *g*

  2. Die Fantasy-Welle begann im Kino bereits 1980: „Conan der Barbar“ zog ein Dutzend Nachfolge-Streifen nach, die erste Verfilmung des „Herrn der Ringe“, damals im Zeichentrick, fanden nicht alle Leute schlecht … Es gab MYTHOR im Heftroman, bei Bastei, Heyne und anderen Verlagen erschienen haufenweise Fantasy-Taschenbücher, ebenfalls bei Pabel-Moewig, und die ganzen Rollenspiele starteten.

    Nur: Das war damals alles im „Ghetto“, also eine reine Genre-Geschichte für Jugendliche und junge Erwachsene. Die alberne „All-Age“-Diskussion von heute gab es nicht. Bei den „seriösen“ Verlagen kam außer Michael Ende nicht viel durch, im Hardcover erschien nicht viel, und von daher wurde die Sache meist kritisch beäugt: eben „Schund“.

    Als die Welle zusammenbrach, blieb Fantasy im Buchhandel aber erhalten. Von daher ging es nach der Welle auf höherem Niveau weiter als vorher … Wenn die jetzige Welle zusammenbricht (anfangs der 90er Jahre hätte ich ja auch noch mal eine kleine konstatiert), wird der Hype vielleicht rum sein, die Fantasy auf einem hohen „Marktwert“ aber stehenbleiben.

    • Eben, das hatte ich auch gedacht. Dass das damals alles mehr oder weniger „im Ghetto“ stattgefunden hat. Der besagte BuchMarkt Artikel liest sich halt so, als wäre damals Fantasy schon im Mainstream angekommen.

  3. Nun ja, man darf nicht vergessen das gerade zu dieser Zeit Fantasy einen sehr starken Konkurrenten hatte: SI-FI.
    1980 erschien der zweite Teil von Starwars, 1983 der dritte. Sehr erfolgreiche Filme, nicht nur damals. Diese Aspekte sollte man nicht so einfach unter den Tisch fallen lassen, betrachtet man die Erfolge der neueren Filme in den letzten Jahren und die Fangemeinde in der heutigen Zeit.

  4. „Unendliche Geschichte“ ging damals rauf und runter in den Medien wie bekloppt. Event-Kino, sagt man heute. Der Film war die direkte Folge eines länger anhaltenden internationalen Fantasy-Booms, und die aufstrebende deutsche Filmindustrie wollte mal zeigen, dass sie auch was drauf hatte. Na ja … In Fantasy-Filmfragen sei das Buch des jung verstorbenen Norbert Stresau empfohlen sowie seine spätere Kooperation mit Hahn/Jansen, in die seine Erkenntnisse einflossen. Hahn/Jansens Film-Lexika waren stets, gelinde gesagt, umstritten, aber als Übersichten taugen sie durchaus.

    • Danke. Das Buch von Stresau hatte ich schon gefunden. Ich hoffe, das andere gibt es in einer BIbliothek irgendwo in der Nähe.

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