Umfrage

In der Guardian haben einige Autoren verschiedene Tips gegeben, worauf man beim Schreiben achten soll. Einige davon widersprechen sich, glaube ich, was aber nicht verwunderlich ist, weil Schreiben halt zu großen Teilen Ansichtssache ist. Interessant fand ich diesen hier: „Avoid detailed descriptions of characters“.
Besonders deshalb, weil kurz nachdem ich den gelesen hatte, einer meiner Testleser zu mir meinte, ich müsste meine Charaktere mehr beschreiben.

Da wohl auch das Ansichtssache ist, wollte ich mal eine kleine Umfrage starten, um herauszufinden wer von euch welcher Ansicht ist. Wollt ihr im Detail wissen, wie die Hauptcharaktere der Bücher aussehen, die ihr lest, oder ist es euch lieber, wenn das eurer Phantasie überlassen bleibt?

19 Gedanken zu „Umfrage

  1. Ich bin Fan des gepflegten Mittelmaßes. Statur, Haarfarbe, Augenfarbe, Gesichtszüge und Stimme, das ist etwas, was ich bei einem menschlichen Charakter unbedingt wissen möchte, aber mehr Details müssen da nicht sein (ja, die Stimme ist mir wichtig). Ist der Charakter kein Mensch und gehört er auch keiner altbekannten Fantasyrasse an (Elf, Zwerg, Drow, Ork und ähnliches Gesocks), dann darf eine Beschreibung des Aussehens auch gern detaillierter sein. ich hasse es, wenn ich nicht weiß, wie ich mir eine neue, mir vollkommen fremde Rasse vorzustellen habe.

    • Stimmt, das mit den fremden Rassen kann ich auch nicht leiden. Das hat mich bei Stan Nicholls Orks unglaublich genervt.

      • Oh Überraschung -ich kann mich Aryana da voll anschließen. Ich möchte auch die wichtigen Grundzüge wissen. Ich möchte das Alter noch dazu setzen.
        Vor allem habe ich festgestellt, dass Autoren, die sich da in der Beschreibung nicht festlegen, im Lauf der Geschichte dazu tendieren, widersprüchliche Aussagen zu machen. Vor allem, was das Alter angeht. Da bekommt man durch eine Aussage zu dem „jungen Mann“ den Eindruck, dass er Mitte zwanzig sein muss (weil irgendeine vage Beschreibung darauf hindeutet, oder er vor ca. 9 Jahren noch eher ein Teenie gewesen zu sein scheint), und später hat man dann nach den beschriebenen Taten und den historischen Ereignissen, bei denen er mitgewirkt hat, den Eindruck, dass er mindestens 45 sein muss.
        Das passt nicht – es sei denn, diese Verwirrung wäre Absicht und wird später erklärt (wie zum Beispiel mit Seregil in den Nightrunners).

  2. Also bis auf wahrlich markante Sachen: Harry Potters Narbe oder Edwards Glitzern ist das alles vom Kopfkino bestimmt und ich vergesse die Beschreibung auch sehr schnell.

  3. Also ich bin ein Freund detaillierter Charakterbeschreibungen. Ich will wissen, warum der Charakter so agiert, wie er agiert, damit ich auch raten kann, wie er weiter handelt oder wie viel es ihn kostet, nicht nch seinem üblichen Strickmuster vorzugehen. Und das erfährt man nicht durch Haar- und Augenfarbe.
    Mir ist es beim Lesen wichtig, dass ich mich identifizieren kann. Und dafür reicht mir „ist groß, schlank und hat einen hübschen Hintern“ einfach nicht aus.
    Ich glaube, ich liebe die Bücher am meisten, deren Charaktere mir „persönliche Freunde“ werden – auch wenn es nicht alles Lichtgestalten sein müssen. Aber ich will verstehen, wie sie ticken. Das will ich ja bei meinen Freunden auch.

    • Ich glaub, bei diesem Tip ging es nur um äußerliche Beschreibungen. Dass man die Persönlichkeit eines Charakters ordentlich beleuchten sollte, ist klar, finde ich.

  4. Soweit es für die Story wichtig ist – ja gerne. Aber selbst dann ist es mir egal, ob jemand genau 1,70 oder 1,72 groß ist (außer eben Sonderfälle, wenn das das entscheidende für den Text ist). Ich vergesse so Sachen meistens eh, vor allem, wenn es sich nicht um Hauptfiguren handelt. Und alles, was nicht zum Text beiträgt, sondern einfach nur da ist, gehört für mich einfach gestrichen.

    Und ich denke, wir nehmen die Leute um uns rum auch sehr schemenhaft war, wenn ich jemanden beschreiben soll, fallen mir zu aller erst ein paar Merkmale ein, selbst bei Leuten die ich länger kenne. Diese, entsprechend eingestreut, reichen absolut aus. Wenn bei einer personalen Erzählperspektive mehr ins Details gegangen wird, finde ich es mehr als seltsam.

    Was man allerdings vermeiden sollte, ist das beim Leser der falsche Eindruck entsteht: ich hatte gerade ein Buch, bei dem ich die Figuren durchgehend um so 20 Jahre zu jung eingeschätzt hätte. Da hätte ein zeitiger Hinweis auf die grauen Haare geholfen.

  5. Ich mag optisch weichgezeichnete Charaktere 🙂
    Als Beispiel: Dunkle Haare, anstatt einer genauer Definition von braun oder schwarz, eine schlanke Gestalt, ohne die Konfektionsgröße anzugeben (gibt es) und die optischen Aspekte sonst mit in den Text einfließen lassen.
    Besondere Eigenheiten, Makel oder Attribute, die noch von Wichtigkeit sind natürlich betonen. Wie Tom bei HP als Beispiel nannte: die grünen Augen, die Narbe und die abstehenden Haare.

    Wie Pax auch schrieb, ist es merkwürdig, wenn aus der personalen Erzählperspektive ins Detail gegangen wird. Natürlich ist es kein Problem, wenn bspweise der Charakter in den Spiegel sieht und dabei in „müde, grüne/braune/blaue Augen blickt“, etwas problematisch finde ich es aber, wenn sich ein Charakter schon am Anfang der Geschichte als höchst attraktiv (Aufzählung der Attribute) bezeichnet.

    Jack Ryan ist hier vielleicht ein gutes Beispiel: Er hat dunkle Haare und blaue Augen. Und sieht sicherlich für jeden Leser anders aus 🙂
    [Abgesehen von Ben Affleck in „Der Anschlag“, Harrison Ford in „Das Kartell“ / „Die Stunde der Patrioten“ oder Alec Baldwin (m.E noch am Besten getroffen) in „Jagd auf roter Oktober“ – Verfilmungen sind in dieser Hinsicht natürlich eine Ausnahme.]

  6. Ich denke, dass hängt auch ein bisschen davon ab, /wie/ man schreibt. Es gibt Stile, da passt es wundervoll hinein

    … weil Herr Rüdiger so klein war. Also ausgesprochen klein. Man könnte sagen, sein herausragenste Eigenschaft war es nicht besonders herrausragend zu sein. Auch hatten seine Ohren so einen sonderbaren Knick, dass man, wenn man Herrn Rüdiger von der Seite ansah, dachte, in seiner Genealogie den Osterhasen finden zu können.
    Doch trotz seiner ausgesprochen geringen Größe – wenn Herr Rüdiger jemanden mit seinen hellgrauen Augen examinierte, ja fast sezierte wirkte er wie ein Riese…

    Und ich denke, das kann man auch noch weiter ausbauen, weil Herr Rüdigers Aussehen wohl für den Verlauf der Geschichte eine Rolle spielt. Aber gewisse Dinge, werden wohl auch hier dem Leser überlassen.
    Wenn es jedoch nicht in den Schreibstil passt, es sich beim Schreiben immer holprig anhört und auch so liest, würde ich eine Beschreibung aber immer streichen.

    Ich denke alles in allem: wenn es zu den Merkmalen eines Charakters gehört, ist es etwas, das ihn ausmacht oder für den Verlauf der Geschichte relevant, dann sollte man es auch beschreiben (Diese Regel hilft auch bei der Bestimmung, wie Tief man ins Detail gehen kann/sollte). Der Leser erwartet dann aber, dass man dann auch später darauf zurück kommt. Ein Versprechen, dass man am Anfang einer Geschichte macht (zB das Aussehen eine Wirkung hat oder so) muss auch erfüllt werden. Nur dann ist man für einen Leser glaubwürdig.

    Ich hoffe ich habe mich verständlich ausgedrückt. ^^
    Wenn nicht – nachfragen. XD

  7. Ich bin kein großer Fan von Beschreibungen. Ein paar grundlegende Dinge wie Haar- und Augenfarbe, Statur, etc. können nicht schaden, aber wenn die rein äußerliche Beschreibung einen Absatz oder noch mehr einnimmt, dann muss das schon sehr gut geschrieben sein, oder ich überlese das.

    So richtig ist mir das aufgefallen, als ich Kunderas „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ gelesen hab (und sehr begeistert davon war), da ist mir erst bei einer Diskussion im Seminar aufgefallen, dass da durchweg null Charakterbeschreibung drin ist — und das macht überhaupt nichts.

  8. Ich finde es besonders wichtig, dass die Beschreibung in der Geschichte „passt“. Also in den Textfluss eingebaut ist, und nicht einfach als plumper „Steckbrief“ da steht. Es gibt Autoren, die bringen eine Beschreibung so hin, dass man gar nicht merkt, dass man gerade eine Beschreibung gelesen hat, aber man hat anschließend ein Bild im Kopf.

    Sobald man denkt: „Aha, eine Charakterbeschreibung“, wars unpassend.

  9. bei hauptcharakteren bin ich da auch für die ’so viel wie nötig, so wenig wie möglich‘ schule.
    was mich aber ganz besonders nervt ist, wenn nebencharaktere oder sogar statisten erstmal ausführlich beschrieben werden.
    ich hab mal ne geschichte beta gelesen, wo mir ein typ in rotem strickpullover und mit braunen haaren vorgestellt wurde und ich dachte aha, der ist wichtig. und dann war es allen ernstes der taxifahrer. sowas also wirklich wirklich nicht.

    oh, und augenfarben brauch ich nicht wirklich, die sind echt so ziemlich das letzte, was ich an jemandem bewusst wahrnehme.

  10. Das ist eine ziemlich verzwickte Sache und hängt, wie ich finde, immer vom Text ab… letztens hatte ich ein Buch, in dem ich überhaupt nicht wusste, wie manche der Hauptpersonen aussahen, also.. eindeutig zu wenig Beschreibung. Ansonsten schließe ich mich den obigen Kommentatoren an: In groben Zügen das Aussehen beschreiben und markante Sachen hervorheben.

  11. Sofern nicht für Handlung oder Charakterisierung wichtig, sind mir die Äußerlichkeiten relativ gleichgültig.
    Geschickt verwendet, können sie aber große Wirkung haben.

  12. Pingback: Katastrophen-Umfrage « Newsblog: Autor Philipp Bobrowski

  13. Hm.
    Die Charakterbeschreibung darf für mich sogar recht detailliert sein – aber bitte nicht en bloc.

    Wenn ich im Laufe des „Kennenlernens“ eine ungefähre Vorstellung von der Größe einer Figur in Relation zu ihrer Umwelt („einen halben Kopf kleiner“, „stellte sich auf die Zehenspitzen, um…“) ist mir das lieber, als eine Größenangabe, im Block mit Haarfarbe, augenfarbe, statur, Anzahl der Nasen, Schimmern des Hauttones, etc.

    Ist etwas für eine Beschreibung wichtig und taucht immer wieder als Erkennungsmerkmal auf (z.B. der Blonde), dann ist das prima – ansonsten lieber die 3 (bis 5)-Merkmale-Regel.
    Wobei ich ja auch meine eigenen Figuren danach aufbaue.
    Weißt schon. Schwarze Rattenaugen, extrem dünn, vorstehende Zähne und immer im Mantel – Mr. Ferret.
    Alles andere sind Beschreibungen, die keine sind (Sprechweise beschreibe ich halt nicht gesondert, sondern durch Sprechen-lassen)
    Mehr Einzelheiten kann ich mir nicht merken – will ich auch gar nicht.

    Ein Negativbeispiel, wo mir das aufgefallen ist: Kryson von Bernd Rümmelein (hab ich ihm aber auch gesagt). Eine Seite Charakterbeschreibung für eine Person ist definitiv zu viel. Viel zu viel. Anstrengend und nutzlos.

    • Vllt hat er deshalb den Hohlbein-Preis gewonnen 😉 Hohlbein macht diese einseitigen Beschreibungsblöcke immer für Räume und solche Dinge.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s