Drachen

Meine Magisterarbeit ist fast fertig, und um noch ein paar letzte Probleme zu besprechen, war ich diese Woche beim betreuenden Prof. Weil man dort immer vorher ein wenig warten muss, hatte ich „His Majesty’s Dragon“ dabei. Mit dem Buch in der Hand spazierte ich dann auch in das Büro und wurde prompt mit: „Ah, Sie lesen immer noch Primärliteratur“ begrüßt. (Das ist sehr praktisch, so kann ich erfolgreich so tun, als würde ich arbeiten, wenn ich mich zu nichts aufraffen kann.)
Nach näherer Betrachtung des Buches folgte dann die Frage: „Können Sie das Wort ‚Drache‘ überhaupt noch sehen?“
Eine intelligent klingende Antwort wäre z.B. gewesen, dass die Drachenwelle längst vorbei ist und es momentan die Vampire sind, die einem nachgeworfen werden, bis man sie nicht mehr sehen kann. Aber da mir intelligent klingende Antworten nie zum richtigen Zeitpunkt einfallen, sagte ich stattdessen: „Ich mag Drachen ganz gern. Trotz Eragon.“
Was mir immerhin einen Lacher einbrachte.

Das hat mich nun dazu gebracht, über Drachen nachzudenken, und ich würde gerne wissen, ob irgendjemand von euch ungewöhnliche Drachengeschichten kennt. Also weder die von den jungfrauenfressenden Viechern, die auf ihrem Goldhort sitzen, noch die von dem Menschen, der ein Ei findet und ein Drachenreiter wird. Sondern halt irgendwas ungewöhnliches. Wie z. B. Drachenwächter oder Der Drachenflüsterer.

16 Gedanken zu „Drachen

  1. Das bringt mich darauf, dass ich eine wirklich gute Drachengeschichte einer Freundin hier immer noch auf Halde liegen habe. Die sollte mal in eine Antho, die nie fertig wurde.
    Titel: „Wie man einen Drachen tötet“
    Protagonistin: die Jungfrau

    War eine nette Variante.

    • Der Titel sagt mir was, aber „Dragonriders of Pern“ klang immer so nach… Drachenreitern halt. Aber ich seh grad, dass das anscheinend eine Mischung aus SF und Fantasy ist, was das ganze natürlich extremst cool macht

      Vielen Dank für den Tipp!

      Und bitte *g*

  2. Spontan fallen mir zwei Fantasy-Welten ein, in denen Drachen große Rollen spielen, beide sind aber nicht primär Drachen-Geschichten: „Erdsee“ von Ursula K. LeGuin und die Elric-Romane die Michael Moorcok mit den Ph’oorn, zumindest die späteren Romane, die mehr auf die Drachen eingehen. Ich mag beide Interpretationen, aus verschiedenen Gründen und beide entsprechen eindeutig nicht den zwei oben beschriebene Geschichtsmustern.

    • Ursula LeGuin hat mich irgendwie nie sonderlich begeistert. Ich glaube, ich hab 2 Romane von ihr gelesen, und ich habe nur noch sehr verschwommene Erinnerungen worum es darin ging, was immer ein schlechtes Zeichen ist. Und ich hatte nie das Bedürfnis, mehr zu lesen.

      Ich wette, irgendwelche Romane von Michael Moorcok hat mein Vater im Regal stehen. Ich schätze, den sollte man eh mal gelesen haben, oder so.

      • Ich mag von LeGuin hauptsächlich Science Fiction (wenn wundert es!) – da sind ihre Werke allerdings auch Klassiker, die das Feld geändert haben. Erdsee ist trotzdem toll.

        Und bei Moorcock würde ich aufpassen – er hat richtig viel richtig mieses Zeug geschrieben (mit dem er „New Worlds“ finanziert hat). Da muss man gut wählen oder treuer Fan, der alles lesen will, sein.

  3. Mein Opa hat so ein cooles Buch mit Drachengeschichten, aber eher in der Mythen/Sagen-Sparte. Das meiste davon ist das klassische Jungfrauenzeug, aber bei einer entführt ein Drache eine Frau, damit die sein Junges säugt, und kratzt ihr hinterher die Augen aus, was ich irgendwie originell finde… also alles beides. 😀

  4. Was ich auf jeden Fal einen interessanten Ansatz zum Drachenthema fand, war Heitz‘ „Die Mächte des Feuers“.

    20er Jahre, Drachen regieren heimlich aus dem Verborgenen unsere Welt und es gibt mehrere Orden von Drachenjägern (abstammend von Heiligen wie Georg und anderen Drachenjägern a la Siegfried).
    Luftkämpfe Drachen vs. Doppeldecker. Das hat was.
    Band zwei hab ich noch nicht gelesen, Band eins fand ich auf jeden Fall lohnend.

    Es kommt am nächsten an das, was ich gern als Buch gelesen hätte, weil die Grundidee des Films wirklich nicht schlecht war: „Die Herrschaft des Feuers“ (der Titel dürfte also kein Zufall sein…)

    Schöne Ansätze hat Andrzej Sapkowski in seinem Hexer-Zyklus. Drachen kommen zwar nur am Rande vor – aber nicht in der typisch westlichen Standardformel.

    Ebenflls (damals zumindest) ungewöhnlich war der Umgang mit Drachen in der Robert N. Charette-Trilogie, die Shadowrun quasi erfolgreich machte. Band 1: Never deal with a dragon (dummer deutscher Titel: Lass ab von Drachen).

    Und wenn ich schon zurückreise, dann muss natürlich auch Asprins Myth-Saga erwähnt werden, mit dem genialsten aller Jungdrachen, Skeeves Begleiter „Gleep!“

    Gemocht habe ich außerdem den AD&D-Forgotten Realms-Roman „Stormlight“ mit einem Drachen, der die gesammelte Echsenschar der „Drachenlanze“-Welt zum Frühstück verputzen könnte.

    Und last not least natürlich die verschiedenen Geschichten Pratchetts, die Sumpfdrachen Featuren. „Guards Guards!“ aber eben auch die späteren.

    Mehr? *g*

    • Ich hätte wissen müssen, dass ich erwähnen sollte, dass niemand Pratchett erwähnen muss, weil der natürlich etwas originelles gemacht hat und ich außerdem alle seine Bücher mindestens zweimal gelesen habe.

      An Asprin hab ich gar nicht mehr gedacht, aber die kenn ich natürlich auch. Und wahrscheinlich ist es bezeichnend, dass ich von allem genannten ansonsten nur „Lass ab von Drachen“ gelesen habe …

  5. Ich habe mir gerade vorgestellt, jemand schriebe seine Magisterarbeit über deutsche Nachkriegsliteratur 1945-1960. Er kommt ins Büro seines Professors, der ihn mit den Worten begrüßt: „Und? Können Sie die ganzen Menschen noch sehen?“

    • Stimmt, diese ganzen Menschen in der Literatur sind schon ziemlich langweilig auf Dauer. Da sollte sich mal jemand was neues überlegen *g*

      • Ja, so eine Art Crossover aus Günther Grass‘ Danziger Trilogie und „Die Tochter des stählernen Drachen“ (übrigens, wie mir jetzt gerade einfällt, für mich ein Referenzwerk zum Thema ungewöhnliche Drachen!)
        Wenn ich ein besserer Autor wäre, würde ich genau so was schreiben …

  6. bisschen verspätet, aber: vor kurzem ist ‚the dragon book‘ rausgekommen, das ich kaufte, weil eine geschichte von tamora pierce drin ist. ist eine kurzgeschichten-anthologie, in der viele bekannte autoren geschichten über mehr oder weniger klassische drachen schreiben. habe noch längst nicht alles gelesen, weil mich die erste geschichte erstmal gegen das buch eingenommen hat, aber es sind sicher ineterssante drachen drin.

    und generell, in tamora pierce’s ‚immortals/dhana‘-reihe gibts einen kleinen drachen, kätzchen, die nicht wirklich dafür ausgebildet wird, geritten zu werden oder so, sondern deren ziehmutter die hauptfigure zufällig geworden ist. drachen altern aber sehr langsam, und kätzchen ist noch zu jung für telepathie, also ist sie ziemlich lange zwar verdammt intelligent, aber auch mehr oder weniger stumm. in ‚the drgon book‘ ist dann eine geschichte aus ihrer perspektive drin, das fand ich echt faszinierend.

    • Achja, das Buch wollte ich mir auch noch kaufen. Da ist glaub auch eine Geschichte von Jonathan Stroud drin, den ich absolut genial finde.

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