Die Hobbyschreiber-Paranoia

Ich finde es ja immer noch erstaunlich, wie viele Leute auf Facebook meine Freunde werden wollen, die ich gar nicht kenne. Und die dann wollen, dass ich ihr Fan werde (obwohl das nun ja nicht mehr Fan werden heißt). Irgendwie liegt eine gewisse Verzweiflung in der Art, wie manche Leute versuchen, über Soziale Netzwerke Werbung für sich selbst zu machen.
Aber ich schweife ab … Da ich nicht jedermanns Freund werden möchte, gucke ich mir immer an, was das eigentlich für Leute sind, die mich da anschreiben. DKZ-Verlage werden z. B. prinzipiell ignoriert. Bei der Durchsicht meiner Freundesanfragen bin ich gestern auf das hier gestoßen. Der Text dort auf der Startseite sagt unter anderem:

Bei uns erhalten Sie die Möglichkeit ihre Texte kostenlos zu veröffentlichen und im Internet zu verbreiten.

Ich nehme an, das ist nett gemeint, und das Wort „kostenlos“ ist hier einfach nur in den Satz geraten, weil der Schreiber deutlich machen wollte, dass es sich bei der ganzen Sache nicht um eine Abzocke handelt, was ja oft genug passiert. Dennoch ist die Wortwahl unglücklich. „Kostenlos veröffentlichen“ meint bei dieser Website nämlich einfach nur „online stellen“, und damit hat der Websitebetreiber große Worte für etwas gefunden, das man genau so in jedem Schreibforum tun könnte. Und wenn man eine Weile als Hobbyschreiber unterwegs gewesen ist, bei Kurzgeschichtenausschreibungen mitgemacht hat usw. weckt eine solche Übertreibung automatisch die große Hobbyschreiber-Paranoia. Man hat schon genug Ausschreibungstexte gelesen, in denen ein Ein-Mann-Verlage versucht haben, einem eine Veröffentlichung in einer unterirdischen schlechten, in Heimarbeit mit Word gesetzten Anthologien (samt Titelbild gezeichnet von einem Bekannten, der ja soooo gut malen kann) schmackhaft zu machen, von der man nicht einmal ein Belegexemplar bekommen wird. Man ist möglicherweise schon mal an einen DKZ-Verlag geraten. Und hat ansonsten erlebt, was man halt so erleben kann, wenn man eigentlich einfach nur seine Texte zwischen zwei hübsche Buchdeckel gedruckt sehen möchte. Irgendwann fängt man an, Websites, die einem eine wie auch immer geartete Veröffentlichung versprechen, sehr genau unter die Lupe zu nehmen. Und man hat bestimmte Formulierungen, bei denen die Alarmglocken schrillen. „Kostenlose Veröffentlichung“ gehört dazu, weil damit meisten versucht wird, irgendeinen anderen Haken zu überspielen oder schönzureden.

Irgendwie traurig, dass man so Schutzmechanismen lernen muss.

3 Gedanken zu „Die Hobbyschreiber-Paranoia

  1. Hallo Andrea,

    ich will nicht das das jetzt aus Rechtfertigung rüberkommt aber ich möchte mich doch dazu äussern.

    Erstmal vielen Dank für den Beitrag ich hab nicht gewusst das es das wort kostenlos so rüberkommt das ist und war nicht meine Absicht.
    Ich möchte mit meiner Plattform jedem Schreiber die Möglichkeit geben seine Texte zu Veröffentlichen, ich hab ja nie gesagt das ich ein Verlag bin und das möchte ich auch nicht. In den 3,5 Jahren in denen ich die-gedichteschreiber Programmiert und Betreut habe, konnten einige Hobbyschreiber Ihr Hobby zum Beruf machen ohne mein zutun. Das ist auch mein Ziel für die neue Seite, sozusagen Talente fördern.

    Was sagst du dazu wenn du es von der Seite betrachtest?

    Gruss Sven

    • Hallo Sven,

      wie gesagt bin ich davon ausgegangen, dass du keine bösen Absichten verfolgst. Ansonsten hätte ich gar nicht auf deine Wbesite verlinkt.
      Was du anbietest, kann man halt in jedem Schreibforum auch tun, aber es ist sicher eine nette Idee und bestimmt kann es nicht schaden, wenn es noch eine Website in der Richtung gibt.

      • Hallo Andrea,

        danke, ich bin ja noch lange nicht fertig mit Programmieren hab noch einiges vor aber das es jetzt so gut anläuft ist ja auch nicht schlecht.

        Ich will versuchen von Anfang an mehr für den Schreiber zu tun, aber lass dich Überraschen was ich noch alles machen werde.

        Gruss Sven

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