Fantasy und Realismus

Diese Folge von Writing Excuses sollte man sich unbedingt anhören. Ihr Inhalt wird folgendermaßen beschrieben:

Our topic for this episode is “practicality,” which is another way of saying “fantasy and science fiction may be unrealistic, but they should still be plausible within your definition of reality.” In other words, if you have an army of 1000 armored knights, you’d better have an economy and political system capable of producing and supporting them.

Das ist ein ziemlich wichtiges Thema, finde ich. Es gibt nichts Nervigeres als eine Fantasy-Welt, die einfach nicht richtig zusammenpasst. Oder irgendwelchen Gesetzen der Logik widerspricht, ohne dass erklärt wird warum. Wobei es da, wie im Film, auch Sachen gibt, die akzeptiert werden, obwohl sie nicht funktionieren dürften. Einfach weil sie überall so gemacht werden. Das würde ich zumindest so sehen.
Z.B. die Sache, dass Leute in Romanen wir Filmen meistens auch mit recht schweren Wunden noch stehen, laufen und kämpfen können. Zumindest dann, wenn dramatisch notwendig.

In diesem Zusammenhang gibt es eine Sache, die ich mich schon immer gefragt habe. Ich finde es schon lange erstaunlich, wie viel Leute in Roman aus den Gesichtsausdrücken und Blicken anderer Leute herauslesen können. Nicht nur ziemlich komplexe Emotionen, sondern auch Meinungen, wichtige Hinweise usw.
Ich habe es nie für vollkommen unmöglich gehalte, dass es Leute gibt, die so etwas tatsächlich können. Und da ich neugierig bin, würde ich nun gerne mal wissen, wie gut ihr generell in den Gesichtern anderer Leute lesen könnt.

11 Gedanken zu „Fantasy und Realismus

  1. *g* Mich ärgert es immer, wenn „und dann erkannte er an ihrem/seinen Blick, dass …“ kommt, ohne dass die Charaktere sich wirklich gut kennen. Irgendwie gut zu lesen, dass es nicht nur mir auffällt.

    Und um auf deine Frage zu antworten: wenn ich die Leute zumindest ein bisschen kenne, kann ich generell einiges an Gefühlen rauslesen. Bei ein paar Leuten, die mir nahe stehen, sogar sehr viel. Aber auf keinen Fall so was wie „Während ich die Wachen ablenke, läufst du durch den Korridor, nimmst die zweite Tür links und holst von da den Drachenschatz“ 😉

    • Vielen Dank für die Antwort 🙂

      Ich habe mal einen SF-Roman gelesen, in dem Leute vorkamen, die Körpersprache als zweite Sprache erlernt hatten … sozusagen. Die Theorie dahinter war irgendwie, dass man wirklich verdammt viele Details ablesen kann, wenn man genau hinguckt. Ich habe nicht so ganz verstanden, wie das funktionieren soll. Vor allem, als zum ersten Mal in so einer „stummen“ Unterhaltung Ortsnamen genannt wurden.

      • Ah, das erinnert mich gerade daran, dass es im Batman-Universum Cassandra Cain gibt, deren erste Sprache Körpersprache ist. Aber wie du oben schon sagtest, so was muss man verdammt gut begründen und logisch in die Welt, die man da beschreibt, einbinden. Bei normalen Figuren isses immer noch komisch.

  2. Ha! Gutes Thema. Und eines, über das ich mich auch ewig auslassen kann.
    Als Reenacter hat man da ja nochmal so ein bisschen Realitätsbedarf mehr.
    Die Sache mit den ewig schwer verwundeten Helden, die immer nochmal aufspringen konnten, war eines der ersten Dinge, die mich an Hohlbein gestört haben. Da ist mir der Rest noch gar nicht aufgefallen. Ich meine … ich hab mir schon sehr oft den Knöchel verstaucht. Ich WEISS, dass man nicht einmal damit einfach aufspringt und irgendwelche Treppen runtersprintet (so geschehen in ‚Der Greif‘), auch wenn die Verletzung als Solche nicht sonderlich tragisch ist.

    Und ja … das ‚Lesen‘ aus Blicken etc. Ich hab mir in einem Chat-RPG da mal eine Zeitlang den Spaß gemacht, alles falsch zu verstehen. Ich erinnere mich an Folgendes:

    Char X: In X‘ Augen spiegelt sich pure Verzweiflung …
    Ich (Char Y): Y fragt sich, ob X wohl was falsches gegessen hat. Er sieht aus, als hätte er Magenschmerzen.

    Ich verwende das Thema Körpersprache bei meinen Drow ausgesprochen bewusst. Die lernen sowas auch von ganz klein auf.
    Deshalb steht bei mir ein Drow beim Sprechen auch ganz, ganz still, macht niemals unnötige Bewegungen und behält sich jederzeit eine möglichst neutrale Maske, außer er möchte irgendeine Message damit rüberbringen. Es ist einfach ein zusätzliches Kommunikationsmittel.

    Ich hab da mal beschrieben, dass die Sprache der Drow zu lernen für Aussenstehende nur sehr bedingt bzw. nur in direkter Umgebung der Drow selbst möglich ist, weil alles von winzigen Bewegungen begleitet sein kann und dann gleich eine völlig andere Bedeutung hat. Auch abhängig von den Gesprächsumständen kann sich das nochmal sehr ändern.

    • Die Sache mit dem verstauchten Knöchel in „Der Greif“ muss ich verdrängt haben, daran erinner ich mich gar nicht mehr. Aber bei Hohlbein können ja auch allgemein alle Leute mit einem Schwert umgehen, sobald sie mal aus purer Verzweiflung eines in die Hand nehmen. (Zumindest hab ich das so in Erinnerung.)

      Zu Körpersprache kann man sich sicher einige interessante Dinge ausdenken.
      Aber absichtlich Dinge falsch verstehen, lässt einen Charakter dann auch schnel beriffsstutzig wirken.

  3. Schönes Thema! Und im Großen und Ganzen kann ich mich meinen Vorschreibern anschließen: je besser man jemanden kennt, desto mehr kann man sicherlich von demjenigen aufschnappen, indem man Mimik und Gestik beobachtet. Es kommt auch darauf an, wie sehr man es gewohnt ist, auf so etwas zu achten.
    Ich merke meistens ziemlich schnell, wenn jemand lügt / etwas verschweigt / ein Thema unangenehm ist. Warum? 9 Jahre Sozialamt bzw. Arge in der Leistungsabteilung und fast 4 Jahre in selbigem Verein in der Kollegenbetreuung. Da braucht man – sowohl im Umgang mit den Kunden als auch mit den Kollegen – manchmal ein sehr feines Gespür um zu merken, dass da noch mehr ist. Dummerweise endet es auch an dem Punkt. Aber es wäre echt cool, wenn irgendwann mal jemand einen Roman über mich schreiben würde… ich hätte den Satz dann gerne so formuliert: „Unsere Heldin merkte am Gesichtsausdruck ihres Kollegen, dass er die Nebenkostenabrechnung des Kunden schon dreimal (am 04. März, 18. April und 12. Juni) erhalten und weggeworfen hatte, anstatt sie zu bearbeiten…“

    (Nein, das passiert NICHT dauernd! Aber ich mag auch nicht ausschließen, dass es schon passiert ist.)

  4. Ich bin ja schon froh, wenn ich mein Gegenüber überhaupt wiedererkenne; ich habe teils massive Probleme, mir Gesichter zu merken. Ansonsten erkenne ich den Basissatz an Emotionen: Freude, Trauer, Schmerz, Erstaunen. Darüber hinaus: nix.

  5. Wie viel aus meinem Gesichtsausdruck, meiner Körpersprache und meinen Handlungen schon abgelesen wurde ist Legende. Und da mir schon soviel negatives passiert ist mit Menschen die sicher waren, meine Gedanken lesen zu können, frage ich oft nach ob ich mit meinen Vermutungen recht habe oder nicht.
    Interessant aber, dass es Menschen gibt die sich Gesichter schlecht merken können.
    Ich merke sie mir meistens so gut dass ich beleidigt bin, wenn meines schon wieder vergessen wurde.

  6. Besonders liebe ich das Argument „aber das ist doch alles Fantasie, das muss nicht realistisch sein …“

    Doch. Muss es. Eben drum.

    Im Gesichterlesen bin ich ziemlich schlecht. Ich bin eher ein Blickkontaktvermeider, und ziemlich leicht belügbar.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s