Die Zukunft – unendliche Weiten!

Zur Zukunft der Fantasy habe ich ein Essay geschrieben, das nun auf Phantastik-Couch.de erschienen ist. Derartige Essays gab es dort zwar schon divers, aber es war wohl mal wieder Zeit für ein Update, und ich freue mich, dass ich das schreiben durfte.
Ebenso wie ich mich freue, wenn jemand darüber diskutieren möchte.

18 Gedanken zu „Die Zukunft – unendliche Weiten!

  1. Hallo Andrea.

    Es tut mir leid, dass ich mich hier das erste Mal melde und damit Kontakt aufnehme, um zu *schimpfen*. Der Essay ist in meinen Augen misslungen.

    Außer der Behauptung einer frohen Botschaft bietet er wenig. „Ende des Booms … ach was. Fantasy wird bleiben, vielfältiger und integrierter in den Mainstream als ever.“

    Was mir persönlich am meisten Gram bereitet, ist die völlige Unkenntnis der Genre-Tradition. Ich kann nicht entscheiden, ob Du es nicht besser weißt, oder ob Du *nur* so tust — für den Zweck, einen Essay zu bieten, der sich *leicht lesen* läßt, also große Komplexität zu vermeiden trachtet.

    Die Vereinfachung der tatsächlichen literarischen Traditionen zur Formel …
    A ) gute alte „High Fantasy“-, sprich: Zweitweltschöpfungs-Zeit der Metal-Szene, Rollenspieler und Tolkien-Fanatiker;
    B ) andererseits moderne Strömungen eines Urban-Fantasy-Ineinander von Echtwelt und Fantasy-Welt; …
    … ist grad mal so *angemessen* für es (meist) nicht besser wissen und darlegen wollende Mainstream-Medien, aber nicht für eine Plattform, die sich ausdrücklich als Portal für Phantastik versteht und präsentiert.

    Ich empfehle z.B. „A Short History of Fantasy“ von Farah Mendlesohn und Edward James. Wenig Analyse, aber viel Material zur Geschichte. Da wird u.a. gezeigt, dass in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts Zweitweltschöpfungsfantasy noch in der Minderheit war im Gegensatz zu dem, was heute als Urban Fantasy bezeichnet wird (nebenbei: Genre-Begriffe sind mit großer Vorsicht zu genießen).

    Noch ein Korrekturhinweis. Der dritte Absatz Deines Essays beginnt mit folgendem Satz:

    >>>Auch momentan solcher großer Bestseller und den Top Ten. „Bis(s) zum letzten Sonnenstrahl“, der unerwartete fünfte Teil von Stephenie Meyers Vampir-Romanen.<<<

    Da ist irgendwie der Wurm drinn.

    Ich hoffe, ich kann mich mal beizeiten mit netterem melden.

    Beste Grüße
    Alex / molo

    • Hallo,

      ich freue mich immer, Leute kennenzulernen, die meinen Blog lesen, egal unter welchen Umständen.

      Natürlich gibt es viele unterschiedliche Definitionen zu Fantasy, und einige davon setzen auch schon bei den griechischen Sagen u.ä. an. Deshalb schrieb ich ja über die entsprechenden literaturwissenschaftlichen Texte: „dass das Genre dort meist als in einer Welt spielend definiert wird, die rein gar nichts mit der unsrigen zu tun hat.“
      Meist, nicht immer.
      Ich habe mich dabei z.B. auf „Fantasy – Theorie und Geschichte einer literarischen Gattung“ von Helmut Pesch bezogen und auf „Der Fantasy-Bildungsroman“ von Susanne Tschirner. Eine sehr gute Zusammenfassung verschiedener Fantasy-Definitionen gibt auch Thomas Scholz in „Weit entfernte Wunder“.

      Ich hielt es daher für legitim, die Behauptung aufzustellen, die ich aufgestellt habe, wobei natürlich klar sein dürfte, dass ich in einem Essay weder eine tatsächliche literarische Definition leisten noch die Geschichte der phantastischen Literatur von den Anfängen der Schrift bis heute aufrollen und bestimmen kann, was davon nun der Fantasy zuzuordnen ist, was der allgemein weiter gefassten Phantastik und was ganz anderen Gattungen wie Mythen, Sagen und Märchen. Ob man weite Teile der phantastischen Literatur aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts zur Fantasy zählen sollte, ist nämlich relativ umstritten.

      In dem Satz fehlt tatsächlich „steht ein“. Ich werde mal fragen, ob sich das noch ändern lässt.

  2. Moin Moin Andrea.

    Tschirners Text kenne ich nicht, aber so aus der Hüfte geschossen traue ich mich von Pesch und Scholz sagen, dass diese Sachbuchautoren womöglich mit einem zu ›High Fantasy‹-getrübten Auge auf das Genre gucken (eine nicht nur deutsche Krankheit, aber hier besonders hartnäckig verbreitet, wie mir scheint. Mann muss sich nur mal vergegenwärtigten, dass vor der großen Tolkien & C. S. Lewis-Wende solche Stoffe wie Marry Poppins, Winnie der Pooh, die Wombles, die Borrowers und viele andere derartige Bücher, das Bild vom Genre geprägt haben).

    Was die Beschäftigung mit Genre-Begriffen ja erschwert, ist, dass, desto kniffliger sie zu fassen sind, umso eher die eigene Geschmacklichkeit beim Definieren hineinpfuscht. Da nehme ich mich selbst nicht aus

    (Wenn das ›meist‹ in dem Satz »… dass das Genre dort meist als in einer Welt spielend definiert wird… « gefehlt hätte, hätte ich ›völlig misslungener Essay‹ geurteilt. 🙂

    Nein Du hast schon Recht. Dennoch ließe sich sauberer mit Begriffen arbeiten, auch (oder gerade) bei einem Essay für eine Plattform, die sich einzig und allein dem Thema Phantastik wirdmet.

    Warnen wollte ich Dich noch: Dein Essay hat im Bib-Phant Forum Aufmerksamkeit erregt und dient dort (u.a. auch mir) als Anlass, mal Dampf über die merklich gesunkene (zumindest in den letzten Monaten gewandelte) Qualität der Phant-Couch abzulassen. — Und es überlegt sogar schon ein berüchtigter Kolumnist eines weiteren Fantasyportals auf Deinen Text zu reagieren. Also: Helm aufsetzten und ducken 😉

    Ich dachte mir, ich begehe lieber auch den ›paternalistischen‹ Weg. Nicht zuletzt, weil Du für Feder und Schwert eine Autorin mitbetreust, die gleich bei mir ums Eck wohnt.

    Grüße
    Alex / molo

    • Den Forenthread habe ich schon entdeckt.

      Ich schätze, ich hätte die ganze Argumentation einfach ohne Literaturwissenschaft aufziehen sollen. Die Aussage, die ich machen wollte, wäre damit dieselbe geblieben.
      Wobei, wenn ich geschrieben hätte, dass vor 10 oder 15 Jahren hierzulande größtenteils Dinge als Fantasy verkauft wurden, die in einer Sekundärwelt spielen, hätte wahrscheinlich irgendwer auf Neil Gaiman verwiesen in der Überzeugung, dass das die ganze Argumentation umwerfen würde.

      Na ja… ich werde beim nächsten Mal einfach schauen, wie ich deutlicher rüberbringe, was ich meine, ohne meinem Essay eine mindestens dreiseitige Begriffsdefinition voranstellen zu müssen.

  3. Ach was!
    Ich hänge zwar ähnlich wie Molo einer eher maximalistischen Fantasy-Definition an (sprich: ich neige dazu eher mal einen Roman zu viel als Fantasy zu bezeichnen als umgekehrt) und werfe mich auch sonst gern in die geekige „I knew it before it was cool“-Pose, aber hier auf diesem Essay herumzuhacken, ist verfehlt.

    Die Grundaussage nämlich, dass viele Spielarten der Fantasy, die vorher bestenfalls als Einzelblüten neben irgendwelchen Trampelpfaden blühten, heute als Bestandteil des Gesamtbewuchses einer jeden Buchhandlung auftreten, ist richtig. Hier wird eine Aussage aus der Buchhändlerperspektive getroffen (was man vielleicht deutlicher hätte machen können). Dass es eine Zeit gab, in der in der Phantastik nicht einmal die SF von dem Rest der Ursuppe differenziert war, ist geschenkt, das sollte jeder wissen, den es interessiert.

    Und dass jetzt ein anderer Kolumnist die Messer wetzt – oh, oh, wie erschreckend. Wenn es derjenige ist, den ich mir gerade denke, dann sollte er sein Glashaus besser etwas ausbessern, bevor er noch mehr Stein durch die eh schon kaum noch vorhandenen Scheiben wirft.

    Ich bin dafür, die Kirche im Dorf zu lassen, bescheinige dem Essay einen klaren Blick für den jetzigen Trend, bei einem für den Zweck völlig nebensächlichen unvollständigen Darlegung des „Vorher“.

    • Danke.
      Dass ich die Perspektive, aus der ich den Essay geschrieben habe, deutlicher hätte machen sollen, ist mir inzwischen auch klar. Aber es ist gut, dass noch mal gesagt zu kriegen. Nun weiß ich’s ganz sicher fürs nächste Mal.

  4. Hallo,

    wenn ich kurz einen Abschnitt von oben zitieren darf:

    »Natürlich gibt es viele unterschiedliche Definitionen zu Fantasy, und einige davon setzen auch schon bei den griechischen Sagen u.ä. an. Deshalb schrieb ich ja über die entsprechenden literaturwissenschaftlichen Texte: ›dass das Genre dort meist als in einer Welt spielend definiert wird, die rein gar nichts mit der unsrigen zu tun hat.‹«

    Ich finde diese Aussage aus dem Couch-Artikel ziemlich missverständlich. Ich nehme an, dass mit »der unsrigen [Welt]« die Handlungsebene gemeint ist. Trotzdem könnte das so verstanden werden, dass Fantasy, die komplett in einer Sekundärwelt spielt, keine gültigen Aussagen über die Wirklichkeit treffen könne. Dem alten Eskapismusvorwurf Nahrung zu geben, ist ja sicherlich nicht Sinn und Zweck des Artikels. (Nebenbei bemerkt halte ich es auch für bedauerlichen Unfug, dass man in SFF-Definitionsversuchen so häufig die Fantasy mit Homer beginnen lässt oder Gilgamesch zum ersten Superhelden ernennt.)

    Eigentlich wollte ich aber nur höflich mitteilen, dass ich auch einen Blog-Eintrag über den Couch-Artikel geschrieben habe. Hoffentlich ohne allzuviel zu wiederholen, was bereits dazu gesagt wurde.

    • Ich finde diese Aussage aus dem Couch-Artikel ziemlich missverständlich. Ich nehme an, dass mit »der unsrigen [Welt]« die Handlungsebene gemeint ist. Trotzdem könnte das so verstanden werden, dass Fantasy, die komplett in einer Sekundärwelt spielt, keine gültigen Aussagen über die Wirklichkeit treffen könne.

      Hm… hätte nicht gedacht, dass man das so verstehen kann, aber ist wohl wahr. Ich wollte einfach nicht die Formulierung verwenden, die in dem Text, den ich da referiere verwendet wird. Die geht in die Richtung von „spielt in einer Sekundärwelt ohne Rückbezug auf die zeitgenössische Wirklichkeit“. Die ist wohl ähnlich missverständlich, soll aber indem Text nur den Unterschied zwischen Fantasy und SF deutlich machen, da SF ja oft einen Rückbezug auf die zeitgenössische Wirklichkeit hat, indem man eben von besagter zeitgenössischer Wirklichkeit aus ein paar Jahre oder Jarzehnte oder Jahrhunderte in die Zukunft geht.

      Übrigens enthält der letzte Absatz ab dem Zitat nicht mehr meine eigene Meinung. Ich erkläre nur, was Helmut Pesch in diesem Fall, geschrieben hat.

  5. Hallo Andrea,

    schon klar, wollte dir nicht voreilig ein Zitat oder eine Paraphrase als deine Meinung unterstellen. Eher allgemein darauf hinweisen, warum ich gewisse vage Fantasy-Definitionen, die leider immer noch gang und gäbe sind, problematisch finde.

  6. Oh je. So ein Satz wie »spielt in einer Sekundärwelt ohne Rückbezug auf die zeitgenössische Wirklichkeit« ist ja schrecklich. In welchem dummen Buch steht der denn.

    Ob und wozu Bezüge bestehen, bestimmen ja nicht Autor oder Text allein endgültig. Solange man keinen absoluten Stuss zusammeninterpretiert, kann man aus so ziemlich jedem Text Rückbezüge auf die aktuelle Wirklichkeit knüpfen, egal ob Homer, Cervantes, Goethe, Stifter, Tolkien oder R. E. Howard.

    • Die Art von Bezug, wie du sie hier beschreibst, ist wie gesagt nicht gemeint. Gemeint ist, dass nach Peschs Definition Fantasy nicht in der realen Welt spielt. Weder in deren Gegenwart noch in deren Zukunft oder Vergangenheit. Wohingegen SF in der Zukunft der realen Welt spielt, womit ein „Rückbezug zur zeitgenössischen Wirklichkeit“ besteht.

  7. Sorry, war die morgendliche Wachwerd-Hetze. Hab nun entdeckt, dass die Antwort auf meine Frage je gegeben wird. Oh ja, so gut Peschs Buch zur Fantasy im Großen und Ganzen ist, so dumm bleibt meiner Meinung nach das oben zitierte Definitions-Gedöns.

  8. Die Aussage, dass …
    >>>“SF in der Zukunft der realen Welt spielt, womit ein „Rückbezug zur zeitgenössischen Wirklichkeit“ besteht<<<
    … ist auch so eine weit verbreitete Irrung. Die meiste SF und Fantasy ist (was den Weltenbau angeht) inniger miteinander verwandt, als das von den glühenderen Fans der Genres gerne zugelassen wird.

    In der Tat ist der Werkskorpus an SF, die man als auf der Gegenwart fussende spekulative Fiktion auffassen kann, recht übersichtlich und nur selten von eindeutiger *Reinheit*.

    Ich gebe aber zu, dass meine Sicht eine ist, die gewonnen wird, wenn man sich die Texte selbst anschaut und untersucht, wie sie funktionieren. Mir ist schon klar, dass Genre-Zuordnungen des Buchhandels anders funktionieren.

  9. Ich möchte einen kleinen Schwenker in die Diskussion einbringen, der irgendwie bisher nicht vorkam.

    Harry Potter mag vom Erfolg her irgendwie als Beginn einer Welle erscheinen, aber es gab auch hier ein Umfeld. Selbst in Deutschland schrieben Funke und Meyer phantastische Geschichten für Kinder. Toll am Erfolg HPs ist, dass die Verlage viele aufwändig gestaltete Kinderbücher zu produzieren begannen, die es so vorher nich gab. Das führte über Spiderwick, Bartimäus bis hin zu Percy Jackson zu einer unglaublichen Erweiterung an Geschichten, die Kinder lesen.
    Als Vater weiß ich, wie schwer es ist, den Nachwuchs an die Bücher heranzuführen, die mich mal begeisterten. Das narrative Erleben, so will ich es mal bezeichnen, hat sich in den letzten Jahren deutlicher verändert, als noch vor 30 Jahren. Das lässt die Kinder heute die Nase rümpfen bei Crusoe, Tom Sawyer oder selbst Der Zauber der Smaragdenstadt, von Käuzchenkuhle ganz zu schweigen.

    Aber selbst Stephenie Meyer kam nicht aus dem Off. Man muss sich nur mal den Erfolg von Diana Gabaldon anschauen, um hier recht geradlinige Entwicklungen zu sehen.

    Neben dem in der Kettenbuchhandlung sichtbaren Zuwachs an Phantastik gibt es auch noch den beständigen Fluss an Romanen, die fernab großer Marketingattacken ihre Leser finden, sei es explizit Fantasy, SF, Horror oder Lyrik ( :)).

    • Natürlich haben auch vor Harry Potter schon Leute phantastische Geschichten für alle möglichen Zielgruppen geschrieben, und natürlich taucht kein Roman aus dem Nichts auf. Der Punkt ist, dass Harry Potter ein Phänomen war, das von einer wirklich breiten Masse wahrgenommen wurde. Wodurch (nicht nur dadurch natürlich) das Fantasy-Genre eine vorher nicht gekannte Aufmerksamkeit bekam (was nicht bedeutet, dass es vorher gar keine Aufmerksamkeit bekam) und plötzlich viele Verlage ein Fantasy-Programm haben wollten und man den Begriff der All-Age-Fantasy erfand.

      Ich sehe allerdings den Zusammenhang zwischen Stephenie Meyer und Diana Gabaldon nicht so ganz ….

  10. Andrea hat da recht. Die LOTR- und Potter-Wellen waren größer und weitreichender als ›gewöhnliche‹ literarische Erfolge. — Beispiel: Ich kann mich erinnern, dass in der Zeit um die LOTR-Filme alle möglichen Modemacher und Lifestyle-Industrien auf den Fantasy-Zug aufgesprungen sind.

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