Das Haus – House of Leaves

Ich lese immer noch an diesem Buch, denn es ist sehr dick und anstrengend zu lesen. Und im Moment bin ich mir nicht so sicher, was ich davon halten soll. Der Haupttext ist ziemlich cool. Dort wird in Form einer wissenschaftlichen Arbeit über einen Film die Geschichte einer Familie erzählt, die in ihrem Haus plötzlich einen zusätzlichen Raum findet. Aus dem Raum wird ein Flur, der in eine Halle führt, von der eine Wendeltreppe in die Tiefe führt, wo man weitere Gänge und Räume findet … Das alles, ohne dass das Haus von außen betrachtet größer wird.
Manchmal schweift diese Arbeit ziemlich ab. Z.B. gibt es ein ganzes Kapitel über Echos. Aber an sich ist das Ganze ziemlich interessant.

Dann gibt es da eine weitere Erzählung in den Fußnoten. Das ist die Geschichte desjenigen, der besagte wissenschaftliche Arbeit auf einem Haufen Zettel in einer Truhe im Zimmer eines verstorbenen Mannes findet und diese Zettel ordnet und kommentiert. In eben diesen Kommentaren erzählt dieser Mensch auch, wie er immer stärker unter Haluzinationen, irrationalen Ängsten und Ähnlichem leidet, was offensichtlich irgendwie damit zu tun hat, dass er die Arbeit liest.
Diese Fußnotenerzählung mag ich persönlich nicht wirklich. Dort kann es schon mal passieren, dass der Erzähler sich über drei Seiten in der Beschreibung seiner Angebeteten verliert oder mehrere Seiten lange Sätze fabriziert, die eigentlich nur noch aus zusammengestückelten Satzfetzen bestehen, bis sie irgendwann komplett in Sinnlosigkeit zerfallen. Das ist sicherlich alles sehr künstlerisch, aber nicht wirklich mein Ding, vor allem nicht in den Mengen, in denen es hier eingesetzt wird.

Zuletzt gibt es neben dieser Fußnotengeschichte und den normalen Fußnoten (Literaturangaben und so) auch noch die seltsamen Fußnoten. Ein Beispiel dafür ist die Aufzählung, was es in den Gängen, die in dem Haus plötzlich entstehen, alles nicht gibt. Dort wird von verschiedenen Architekturelementen, bis hin zu Steckdosen alles aufgezählt, was dem Autor wohl gerade eingefallen ist. Diese Fußnoten werden teilweise auf dem Kopf geschrieben, sind in Spiegelschrift gesetzt, in blauen Kästen über mehrere Seiten verteilt und sehen allgemein typografisch interessant aus. Möglicherweise stellt sich später heraus, dass sie irgendeine Bedeutung haben, aber für den Moment ignoriere ich sie beim Lesen. Aufzählungen sind zwar ganz sicher ein Stilelement, aber eines, das man meiner Meinung nach am besten würdigt, indem man die bloße Menge aneinandergereihter Buchstaben bewundert.

Also … auf Seite 189 von 600irgendwas kann ich sagen, dass das Buch zwar auf jeden Fall interessant ist, aber auch extrem anstrengend zu lesen. Außerdem habe ich noch nicht rausgefunden, ob die seltsame Typografie irgendeine Bedeutung hat oder einfach nur irgendwie … künstlerisch wirken soll.
Letztere Bemerkung sagt übrigens ziemlich viel über das Buch aus. Es ist einfach mehr ein intellektuelles Puzzlespiel als eine Geschichte. Man versucht, alle Hinweise mitzubekommen und hofft, dass am Ende alles irgendwie einen Sinn ergibt.

5 Gedanken zu „Das Haus – House of Leaves

  1. Hmm, das klingt definitiv anstrengend, aber irgendwie hat es was. Ich setz es mal auf meine wishlist, danke für den Hinweis 🙂

  2. Ich verbeuge mich vor jeder Leserin (jedem Leser), die die Kondition und den Mut aufbringt, sich durch diesen unverschämt komplexen, sicherlich auch eitlen, selbstverliebten Wälzer zu arbeiten. Mich persönlich hat das Buch sehr angesprochen und geradezu wuschig gemacht. Zum Beispiel die Ehe-Beziehung rührte mich bis hin zu feuchten Augen und das Kapitel mit dem Bruder, der sich allein im Dunkeln Witze erzählt hat mich Tränen lachen lassen. — Die typographischen Spielchen hängen sich wohl an der Wortspiel-Idee des Originaltitels auf: das Buch ist ein Haus aus Seiten, die Textblöcke, Zeilen sind selbst Kammern und Gänge, das ganze freilich ein Irrgarten, ein Ausweg (zumindest dorthin, wo mans anpeilt) eher unwahrscheinlich. Warte mal ab, denn es sollte in der zweiten Hälfte klar werden, wie diese Zeilengänge und Absatzkammern eins zu eins das Erkunden und Kriechen des Protags durch das unheimliche Hauslabyrinth widerspiegeln. — Und ich verrate nichts vom Inhalt, wenn ich (wenigstens für meine Lektüre) feststellen kann, dass man am Ende als Leser selbst (also innerlich) aktiv werden muss (aktiver als bei den allermeisten sonstigen Büchern) , wenn man auf das gelesene Buch zurückblickt, sich am Versuch einer Gesamtschau versucht, entscheiden muss, was man nun mit diesem Erlebnis anfängt. — Ich habe den Trip genossen und hoffe, Du wirst am Ende auch zufriedenstellend für Deine Lesemühe belohnt.

    Spielst Du eigentlich mit dem Buch, also gönnst Dir, darin vorwärts und zurückblickend herumzublättern? Oder gehst Du brav von A nach Z linear vor, Seite um Seite. — Ich selbst hab zu etwa 2/3 brav linear gelesen, habe aber zu 1/3 meinen spontanen Launen nachgegeben und z.B. in den Anhängen geblättert, oder mir stressig dünkende Fussnoten übersprungen … z.B. eben die mit der Aufzählung, was es alles nicht im Haus gibt (und die Fussnote habe ich dann später beim Spazierengehen laut gelesen, so in Rainald Goetz-Manier; die Leute dachten sicher, ich bin verrückt). — Ich denke, das ist vielleicht das Geheimnis für eine wonnigliche Lektüre von »Das Haus«: man muss sich spielerisch ein bisschen dem Wahn ausliefern und mitmachen.

    (Sorry, ich schwätze wie ein Äffchen.)

    • Ich blätter immer mal wieder in den Anhang, wenn darauf hingewiesen wird. Die Briefe der Mutter aus dem Irrenhaus fand ich toll.
      Toms Witze dagegen hab ich nach einer Weile nur noch überflogen. Die ganze Sequenz hat mich nicht so begeistert.

      Ich denk mal, jeder findet so seine Sequenzen in dem Buch, die er mag. Dazwischen ist halt immer einiges, das einen langweilt oder das einen nicht so anspricht. Ich werde wohl auch wenn ich es zu Ende gelesen habe nicht hellauf begeistert von dem Buch sein, auch wenn ich auf einer reinen Vernunftebene sagen muss, dass es ein gute Idee ist und eine große Leistung, das alles zusammenzustellen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s