Verschwörungstheorien

Nach dem Prüfungsfreitag habe ich einfach meine Datumswahrnehmung augeschaltet, weshalb mir auch erst wieder klar wurde, welcher Tag der Samstag eigentlich war, als die ganzen Dokus kamen. Weil man kommt ja um keinen 11. September herum, ohne dass die ganzen 9/11-Dokus gesendet werden. Immerhin bin ich diesmal fast darum herum gekommen, eine zu sehen, obwohl René und ich sehr gerne Dokus schauen und deshalb immer mal wieder in die entsprechenden Kanäle reinzappen, um zu sehen, ob da gerade etwas kommt, das weder mit Kriegsgerät noch mit Hitler zu tun hat und das wir außerdem noch nicht mindestens dreimal gesehen haben (gar nicht so einfach).

Ich sage fast, weil wir dann doch an einer Doku hängen geblieben sind, in der es um Verschwörungstheorien ging, bzw. darum, wie unglaublich abwegig die sind und wie dumm die Leute, die so etwas glauben. Was irgendwie lustig ist, weil wir letztes Jahr eine Doku gesehen haben, in der verschiedene Verschwörungstheorien so dargestellt wurden, dass man fast hätte meinen können, da wäre was dran. Was ja erschreckend einfach ist, wenn man von dem Thema, um das es geht, nur ansatzweise Ahnung hat. Infsofern sind Leute, die an Verschwörungstheorien glauben, nicht dumm, sondern einfach schlecht informiert …
Auf jeden Fall hat mir das noch mal bewusst gemacht, dass man niemals unhinterfragt glauben sollte, was die Medien einem erzählen, weil sie halt meistens doch nur Meinungen darstellen und dabei oft genug den Eindruck erwecken, als wäre die dargestellte Meinung auch die einzig wahre.

7 Gedanken zu „Verschwörungstheorien

  1. Dazu kann ich nur (wieder mal) R.A. Wilsons „Lexikon der Verschwörungstheorien“ empfehlen, in dem neben den schönsten, populärsten und hartnäckigsten Vertretern auch aufgeführt wird, wie man sich eine wasserdichte Theorie selbst basteln kann.

    Und der Mann hat ja bekanntlich Ahnung. Immerhin stammt die Illuminati-Trilogie von ihm.

    Es ist erstaunlich, wie viele davon sogar immer wieder als Meldungen in den Medien auftauchen. Und zwar nicht als Verschwörungstheorien sondern angebliche Tatsachen. Oft mehrmals im Laufe einiger Jahre.
    Aber Schlampigkeit in der Recherche (ich will gar keine Böswiligkeit unterstellen) ist unter Journalisten mindestens so häufig, wie unter Autoren von Romanen. Vielleicht häufiger.

    • Ich schätze mal, Journalisten werden ähnlich schlecht bezahlt wie Autoren und stecken gleichzeitig nicht ganz so viel Herzblut in jeden einzelnen Artikel.

      • Vor allem stehen sie noch unheimlich viel mehr unter Zeitdruck (die Deadline ist da nicht Ende des Monats, sondern gestern) und nehmen deshalb scheinbar vorbereitete Informationshäppchen nicht immer so genau unter die Lupe.

  2. »Infsofern sind Leute, die an Verschwörungstheorien glauben, nicht dumm, sondern einfach schlecht informiert …«

    Vielleicht, aber Verschwörungstheorien haben ja primär eine orientierende Funktion, weshalb Verschwörungsgläubige ihre Lieblingstheorien in der Regel nicht ablegen, nur weil sie mit besseren Informationen versorgt werden. Die triviale Information, dass die Welt in Wirklichkeit eben nicht von jüdischen Bankiers beherrscht wird, ist an sich ja leicht zugänglich. Verschwörungsgläubige beharren demgegenüber in der Regel aber lieber darauf, dass sie über ›bessere‹ Informationen verfügen. Sie empfinden sich schlicht als aufgeklärter und besser informiert als andere. Ein Zitat aus einer Amazon-Kundenrezension zu einem verschwörungstheoretischem Buch:

    »Wer […] etwas mehr als nur historisches Grundwissen hat wird feststellen, daß hier […] historische Fakten präsentiert werden, die der Allgemeinheit im Regelfalle zwar nicht bekannt sind, die für die etwas besser Informierten jedoch ein sicheres Zeichen sind, daß dieses Buch sauber recherchiert ist.«

    Das fragliche Buch verfügt über einen umfangreichen Anmerkungsapparat, der die Verschwörungstheorie des Autors durch Verweise auf andere verschwörungstheoretische Literatur ›belegen‹ soll. Verschwörungsgläubigen wird dadurch suggeriert, dass sie umfangreicher informiert sind als die breite Masse, die ihrer Meinung nach nichts von der Verschwörung ahnt. Da bräuchte es eher Aufklärung durch Ideologiekritik, wenn man mich fragt.

    • Das ist interessant.

      Ich hatte bisher immer den Eindruck, Verschwörungstheorien funktionieren, weil sich derjenige, der sie sich ausdenkt, bestimmten Fakten herauspickt, die seine Theorien belegen, und den Rest der Fakten ignorieren. Wie Z.B. Däniken, der behauptet, das ägyptische Schriftsystem wäre komplett fertig aus dem Nichts heraus plötzlich da gewesen, was schlicht nicht stimmt, wenn man sich die ägyptische Frühgeschichte mal anschaut.

      Aber du hast sicher recht mit dem, was du da sagst

  3. Ich denke auch, dass das mit der selektiven Rezeption von Fakten zutrifft. Aber die geht bei Verschwörungstheorien in der Regel mit der Vorannahme einher, dass wahr ist, was die Theorie bestätigt, und falsch oder zur bewussten Desinformation in die Welt gesetzt, was die Theorie widerlegen könnte. Oder potentiellen Falsifikatoren wird mit schwammigen Aussagen à la »Man weiß ja nicht, was in den Geheimarchiven des Vatikan noch alles verborgen liegt« (und die Theorie bestätigen würde) begegnet.

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