Wie genrefremde Leute Fantasy sehen

Ich bin krank, deshalb habe ich Zeit zu bloggen. Manch einer könnte nun sagen, ich sollte die Zeit besser mit schlafen oder ähnlichen möglich wenig anstrengenden Dingen verbringen, aber das mit dem Schlafen habe ich die Nacht über versucht und nun beschlossen, es mit etwas weniger Frustrierendem zu versuchen.

Ich finde es immer wieder interessant zu sehen, was Leute, die keine Fantasy lesen, über Fantasy denken. Der Klassiker ist da: „Ist das nicht was für Kinder?“
Auf der Buchmesse habe ich in der Hinsicht etwas gehört, das ich bisher noch nicht kannte. Wie ja im Buchmessepost erwähnt, haben wir Eva (Studienkollegin und Organisatorin der Schreibgruppe, in der ich in Mainz war) am Stand des Verlags besucht, bei dem sie nun arbeitet. Dieser Verlag macht vor allem Bücher über Künstler und ihre Werke.
Eva meinte dann irgendwann so zum Spaß, während eine weitere Verlagsmitarbeiterin dabei stand: „Wir könnten mit Andrea doch eigentlich eine Heftromanreihe machen.“
Die Verlagsmitarbeiterin grinst und nickt.
„Mit einem Künstler als Protagonisten.“
Mehr Grinsen und Nicken.
„Und ein paar phantastischen Elementen.“ (Der Einwurf kam von mir.)
„Und ein paar Fantasyelementen.“ (Evas Übersetzung.)
Die Verlagsmitarbeiterin verzieht das Gesicht. „Nee, jetzt habt ihr mich abgehängt. Fantasy, das sind Einhörner und so, damit kann ich gar nichts anfangen.“
Das mit den Einhörnern konnte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen. Ich mag Einhörner nicht mal sonderlich. „Ich dachte mehr an etwas in der Richtung von …“ Hm, was könnte sie kennen? „… Edgar Allan Poe?“
Sofort hellte sich die Miene wieder auf.

Manchmal sind Genrebezeichnungen irgendwie hinderlich.

6 Gedanken zu „Wie genrefremde Leute Fantasy sehen

  1. Als bekennender Einhornfreund und momentan krankender Leidensgenosse möchte ich anmerken, dass die eigentlichen Schwierigkeiten da beginnen, wo die Leute auch Poe nicht mehr kennen. Ist mir in einem ähnlichen Gespräche zumindest mal schon passiert …

    • Der Buchmessevirus hat sich offensichtlich sehr effektiv verbreitet dieses Jahr.

      Mit so Leuten kommt man dann wohl echt auf keinen gemeinsamen Nenner mehr.

  2. Meine Mutter hält Fantasy wahlweise für Kinderkram oder Schund. Am Liebsten beides. Was soll man da sagen? Sie „mag halt nichts wo Tiere sprechen“, das „ist ihr zu unrealistisch“. Aber CSI gucken und dann behaupten, ein Vaterschaftstest dauere nur 5 Minuten…

  3. Ja, die Reaktion kenne ich.
    Wenn es auch in der Breiten Masse besser geworden ist dank Peter Jacksons nichtliterarischem Schaffen gibt es bei Menschen mit einem lietrarisch gehobenen Selbstverständnis oft Vorbehalte.
    Da kann man wirklich nur mit Name Dropping arbeiten: Poe, Shakespeare; ja selbst Goethe lässt sich da ganz gut einspannen.
    Dan funktionierts auch mir dem Möchtergernintellektuellen.;-)

  4. Da ich diesen Blogeintrag in einem ICQ-Gespräch verlinkt hatte und nach Goethes Fantastikgehalt befragt wurde hier mal grob aus dem Gedächnis:

    Ein gescheiterter Alchimist versinkt in manisch depresiven Selbstzweifeln aufgrund seiner versehentlichen Massenvergiftung bei dem Versuch der Entwicklung eines Heilmittels für eine nicht näher benannte Seuche.

    Daraufhin wird er, labil wie er ist, zum Opfer einer bibelinspirierten Verführerfigur die über die Kräfte der Selbstverwandlung, des Fliegens und der Telekinese und evtl. anderer täuschender Fähigkeiten verügt.

    Verführt wird er konkret mit den Versprechen von für ihn übernatürlichem Wissen, einer magischen Verjüngung und ausschweifendem Sex mit übernatürlichen Wesenheiten.

    Seine angehende Beziehung mit einer normalen Frau geht dabei in die Brüche, genau wie seine anderen knappen sozialen Bindungen.

    Am Ende erliegt er der Verfühung entgültig, was seine Exgeliebte in eine Verzweiflungstat stürzt aus der er sie trotz Fähigkeit seines übernatürlichen Mezens nicht befreit.

    Er wendet sich der Versprechungen der Verfürung durch die übernatürliche Macht zu und lässt sein natürliches Leben hinter sich.

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