Joe Abercrombie und was man von ihm lernen kann

Da ich schon viel Gutes von Joe Abercrombie gehört habe, hatte ich mir vor einiger Zeit schone in Buch von ihm gekauft. Da ich nicht gleich eine Trilogie anfangen wollte, fiel meine Wahl auf „Best Served Cold“. Die Story an sich ist nichts herausragend Neues. Eine Frau will den Tod ihres Bruders rächen und bringt nach und nach alle Leute um, die mit im Raum waren, als er gestorben ist. Fest steht aber, dass dieser Romane die realistischste und fieseste Darstellung von Gewalt und Krieg enthält, die ich im Fantaybereich je gelesen habe, was ihn schon zu etwas Besonderem macht.
Am meisten beeindruckt hat mich aber die Art, wie Joe Abercrombie schreibt.

Es gibt nicht viele Bücher, die mich gleich auf der ersten Seite packen. Und es gibt noch weniger Bücher, die bewirken, dass ich beim Lesen des zweiten Absatzes lache und mir denke: „Ok, das kann interessant werden.“ Dieses Buch es das geschafft. Der zweite Absatz lautet folgendermaßen:

„You look especially beautiful this morning, Monza.“
She sighed, as if that was an accident. As if she hadn’t spent an hour preening herself before the mirror. „Facts are facts. Stating them isn’t a gift. You only prove you’re not blind.“ She yawned, stretched in her saddle, made him wait a moment longer. „But I’ll hear more.“

Mit diesem Absatz zeigt der Roman gleich von Anfang an, dass er einen überraschen kann. Immerhin ist das nicht die Standardreaktion auf ein Kompliment. Außerdem ist der Austausch zwischen den beiden Charakteren, der darauf folgt, ein wunderbares Beispiel dafür, wie man mithilfe von Dialog etwas über seine Figuren aussagen kann.

OK, was ich damit sagen will: Das ist ein ziemlich cooler Anfang für ein Buch.

Und es geht mit solchen netten Tricks weiter. Einer, der mich besonders begeistert hat, war die Parallelisierung. Zwei gegensätzliche Dinge werden in ähnlicher Art und Weise geschrieben, so dass ihre Unterschiede umso mehr hervortreten. Da gibt es zum Beispiel zwei Schlachtreden hintereinander. Eine von einem König, einer von dem Anführer einer Söldnereinheit.

Der König hält sich an den typischen Stil. Er beginnt mit: „Free men of Ospira! Free man of the League of Eight! Great herats!“

Auch der Anführer der Söldner spricht seine Leute an, da sieht das aber so aus: „Brave Heroes of the Thousend Swords! Well, let us say brave men of the Thousand Swords, at least. Let us say men anyway!“

Nachdem ich das gelesen hatte, habe ich erst mal eine Weile vor mich hingegrinst. Ein gut geschriebener Text kann mich sehr glücklich machen.
Der Roman an sich ist zwar spannend, aber meiner Meinung nach etwas zu lang. Außerdem sicher nichts für Leute, die eine Vorliebe für nette Charaktere, heldenhafte Charaktere, heldenhafte Kämpfe und wirklich richtig glückliche Enden haben.
Aber man sollte ihn allein wegen des Schreibstils, der Charakterzeichnung und sonstigen handwerklichen Dingen lesen – und sich dabei Notizen machen.

6 Gedanken zu „Joe Abercrombie und was man von ihm lernen kann

  1. Oh, ich habe die Trilogie zu Weihnachten von J bekommen. Jetzt freu ich mich umso mehr drauf. vorerst ist aber mal Das Karussell von Ju dran 🙂

  2. Was man dazu sagen darf:

    „Best served cold“ ist deutlich sein schlechtester.
    Die Trilogie davor ist wesentlich besser – die Kritik, das er zu lang sei, teilst du mit so ziemlich alen Rezensenten. Dazu kommt, dass er es halt schafft, alle Identifikationsfiguren zu zerstören – es bleibt niemand sympathisches übrig. Ich denke, ich verstehe die Idee dahinter – aber bei seinen anderen funktioniert das deutlich besser.

    Was Stephan und mich ein wenig ärgert:
    Wir haben Abercromby entdeckt, als wir schon tief in unserem aktuellen Manuskript waren. Und der Kerl schreibt wie wir gerade. So schlimm, dass wir schon einiges an unseren Figuren ändern mussten, um nicht geklaut zu klingen, Vor allem, da das auch thematisch in der Nähe liegt. Die Phrase „soviel ist mal sicher“ für meine Hautfigur musste ich zum beispiel streichen. Herzlichen Dank auch, Herr Abercromby.

    Trotzdem: lies die Trilogie (ich bin grad in Band drei, den ich zu Weihnachten bekommen hatte). Macht Spaß – und treibt mich zum Schreiben an.

    • Also ich fand Nicomo Costa wurde immer sympathischer gegen Ende, insofern ging das noch

      Die Trilogie werd ich aber auf jeden Fall auch noch lesen. Wenn „Best Served Cold“ sein schlechtester war, kann die ja nur gut sein.

  3. Ich tendiere bekannter Maßen dazu, Empfehlungen und/oder Kritiken erst zu Lesen, nachdem ich den besprochenen Gegenstand verinnerLicht habe, aber hier hast Du mich ausnahmsweise gerade zum nächsten Leser gemacht; ich werde umgehend Losziehen und es mir zu besorgen versuchen.

    Luv,

    Luis

  4. Ich kenne nur die beiden ersten Bände seiner Triologie.

    Das ich mir den dritten Band bisher nicht geholt habe sagt schon das Meiste aus.

    Diese Bücher sind toll geschrieben, das Niveau der fantastischen Elemente ist überschaubar und kommt mir sehr entgegen. Die Charaktere sind toll gezeichnet und für Fantasyverhältnisse erstaunlich moralisch kontrovers. Wirklich gut gemacht.

    Nur. Nur ist mir für Fantasy die äußere Handlung zu langsam.
    Erst Ende des zweiten Buchs „kommt er in die Puschen“.

    Es ist mit Sicherheit meinem zeitlich reduzierten Leseverhalten geschuldet, aber ich möchte keine Triologie mehr kaufen um mich nur auf das letzte Buch freuen zu können.

    Nur. Nur in dem Fall werde ich es mir aber irgendwann zulegen; zuviele gute Cliffhanger. Ich will wissen wer alles abtreten muß.;-)

    • Trilogie. Mit nur einem O.

      Es ist zwar schon ne Woche her, und klingt unglaublich besserwisserisch, aber ich KANN das Wort nicht lesen, ohne das anzumerken! Is so’n pet peeve von mir.

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