Amanda Hocking

Ich weiß nicht, wer hier schon von Amanda Hocking gehört hat. Das ist die Frau, die ihre Bücher in Eigenregie über den Amazon Kindle-Shop als eBooks verkauft und damit reich geworden ist. Und zwar so richtig reich. Hier beschreibt sie, wie das passiert ist.
Ich finde diese Frau erstaunlich. Zwar habe ich keine Ahnung, ob ihre Bücher irgendwas taugen, weil ich keines davon gelesen habe, aber ich finde die Leistung an sich beeindruckend. Genau wie die Tatsache, dass Amanda Hocking offensichtlich einen Roman in zwei bis drei Wochen schreiben kann. Ich zitiere:

So I wrote the vampire novel in 15 days. Then for good measure, I wrote another.

Einige Autoren, die unzufrieden mit ihren Verlagen sind, wünschen sich wohl, etwas Ähnliches auf die Beine stellen zu können. Zumindest habe ich auf der Buchmesse und im Internet schon entsprechende Kommentare gehört und gelesen.
Allerdings … ganz abgesehen davon, dass die Chancen auch mit Verlag einfach nicht umwerfend groß sind, einen Bestseller zu landen, ist es ohne Verlag sehr viel mehr Arbeit. Wie man hier nachlesen kann:

I don’t think people really grasp how much work I do. I think there is this very big misconception that I was like, „Hey, paranormal is pretty hot right now,“ and then I spent a weekend smashing out some words, threw it up online, and woke up the next day with a million dollars in my bank account.

This is literally years of work you’re seeing. And hours and hours of work each day. The amount of time and energy I put into marketing is exhausting. I am continuously overwhelmed by the amount of work I have to do that isn’t writing a book. I hardly have time to write anymore, which sucks and terrifies me.

Mich stört es ein bisschen, dass sich jetzt Leute hinstellen vonwegen: „Hey, wenn die das kann, kann ich das vielleicht auch. Mein Verlag macht doch eh nichts für mich.“ (So ungefähr auf der Buchmesse gehört.)
Zum einen macht das diesen unglaublichen Erfolg klein. Zigtausende hoffnungsvolle unveröffentliche Autoren versuchen im Moment genau dasselbe, und bei den meisten funktioniert es eben nicht. Außerdem wird da nicht bedacht, dass große Verlagshäuser ja nicht einmal irgendetwas Herausragendes tun müssen, damit ein bei ihnen erschienenes Buch eine bessere Chance hat als ein im Internet vom Autor selbst veröffentlichtes eBook.
Zum einen gibt es Verlgasprogramme und Verlagswebsites, die Leser sich freiwillig anschauen. Zum anderen ist es auch extrem hilfreich, wenn das eigene Buch im Buchhandel steht, wenn man es verkaufen will.
Wie Amanda Hocking selbst feststellt, die vor kurzem einen Verlagsvertrag unterzeichnet hat.

10 Gedanken zu „Amanda Hocking

  1. Diese Haltung „Ach man, das mache ich jetzt auch“, geht mir, ehrlich gesagt, auf die Nerven. Das ist ein Lottogewinn unter vielen und absolut kein Paradebeispiel für Selfpublishing. Bücher selbst herauszugeben hat einige Vorteile, aber es hat Gründe, warum die meisten Autoren bei Verlagen sind (ich weiss genau, warum ich lieber im Verlag publiziere als in Eigenproduktion).

    Ein Buch in knapp 2 Wochen zu schreiben ist übrigens möglich 😉 Danach weiss man zwar nicht mehr, wo oben oder unten ist, aber man kriegt ein Manuskript hin. Wie gut oder schlecht das ist, ist eine andere Frage. Frau Hocking hat auch verschieden starke Bücher in ihrer Reihe, nicht alle haben die klassischen 350 Seiten.

  2. Also, ich denke das ist dasselbe, was auch mit den Podcastnovels in Amerika passiert ist. Das ist eine Methode Marketing zu machen, aber es gab dann Leute, die sich gewundert haben, warum jemand dann eben NICHT ihre dreibändigen Monsterthriller verlegen wollte, obwohl tausende sich das vorlesen lassen haben. Scott Sigler hatte großen Erfolg, etliche andere mittleren, viele hängen immer noch auf podiobooks und arbeiten woanders.

    Was diese selbst-publishing Sache für mich auch tut ist, daß sie nach VanityPress stinkt. Derselbe Antrieb, der Leute dazu bringt zu diesen Säcken zu gehen ist derselbe warum sie self-publishen. Da geht es auch um Darstellung.

    Was Autoren angeht, deren Qualität Verlage überzeugt hat, ich denke nicht, daß diese sich ein Gefallen tun das selbst zu machen. Verlage sind sicherlich keine Heilsbringer, aber ich denke die Arbeit, die da getan wird, wird auch gern unterschätzt. Vor allem, weil die Sichtweisen auf das Produkt „Buch“ von Autor zu Verlag zu Leser sehr unterschiedlich sind.

    • Ich denke, der Grund etwas zu veröffentlichen ist immer derselbe, egal wo. Geld verdienen könnte man anderswo leichter.

  3. Lest euch doch bitte auch mal diesen Blog-Beitrag von Partick Rothfuss zu genau diesem Thema: „Das kann doch jeder“ und die Mythen, die sich um’s Autorendasein ranken.

    EINE hat es geschafft. Prima für sie. Sie fällt nun auf. (Ich habe von Amanda Hocking noch nie etwas gehört).

    MILLIONEN schaffen es nicht. Schade für sie. Sie fallen nicht auf.

    Man nennt so etwas Wahrnehmungsverzerrung.
    Es ist das gleiche Prinzip wie diese „Wunderheilungen“, von denen man hört, wenn jemand Kraft seiner positiven Gedanken sich von Krebs heilen konnte. Einer von Millionen Krebskranken. Alle anderen haben das nicht geschafft. Eine „vollkommen unmögliche Schwangerschaft“ eines ungewollt kinderlosen Paares unter Millionen, die kinderlos bleiben. Ein Fall unter Millionen, bei denen ein Horoskop „wirklich und wahrhaftig“ eingetreten ist. Etc., etc., etc.

    Ein Ausreißer in der Statistik. Mehr nicht. Aber es sind eben die ungewöhnlichen Fälle, von denen man hört. Millionen, die scheitern, sind doch langweilig.

    Einer, der schon seit Jahren scheitert, ist doch dieser Elfenmond-Kläger, der es nicht mal mit der Publicity, die er sich von seinen Klagen gegen Heyne wegen angeblicher Titelverstöße erhoffte, geschafft hat. Sein Buch dümpelt, wo es IMHO hingehört.

  4. Noch eine Randbemerkung (möglich, dass sie schon in einem der Links steht, die ich mir jetzt nicht komplett angetan habe):

    Wichtig für all die, die jetzt bei uns glauben, dass dieser (ohnehin Ausnahme-) Erfolg so einfach bei uns reproduzierbar ist: Man sollte sich mal vor Augen halten, wie groß der Markt im deutschsprachigen Bereich ist – und wie groß im englischsprachigen.

    20.000 verkaufte e-Books in den USA mit halbwegs gut gemachter Genre-Fiction und ein wenig Marketinggrundlagen dürften ohne größeren Aufwand zu machen sein (das sind auch keine Millionen, aber ein ordentliches Handgeld).

    20.000 E-Books bei uns sind für den Nicht-Internationaler-Besteller-Autoren nahezu illusorisch. Da kann man vermutlich schon auf 3-4.000 Stück (im Jahr!) mehr als stolz sein. Sofern es nicht kostenlose sind – und davon wird man bekanntermaßen nicht gerade reich…

    Vielleicht gelingt es dem einen oder anderen Autoren (und die dürfte man im Wortsinn an einer Hand abzählen können) auch bei uns gelingen, einen Lebensunterhalt damit zu verdienen. Mit viel, viel Arbeit. Aber Millionär? Ich fürchte nicht.

  5. Sehr richtg, @Tom.
    Eine Auflage von 20.000 egal in welchem Format ist generell schon eine Hausnummer.

    Und was immer wieder lustig ist: Die Zeit, die der Autor bei Selbstvermarktung reinsteckt, die wird komischerweise nicht gezählt. Das sind dann in der Argumentation „Einfach-so-da-Kosten“, bzw. „keine richtigen Kosten“. Wenn man das aber auf einen Stundenlohn runterrechnet, sieht es meistens gar nicht mehr so rosig aus.

  6. @Dina
    Und wenn du dann rechnest, was das eigentlich vom Profi gemacht kostet, dann weißt du erst richtig, welches Geld du gerade „investiert“ hast, also eigentlich vom Gewinn abziehen musst. Sicher hat man vieles davon nicht in Scheinen ausgegeben. Aber in Lebenszeit. Und irgendwann kommt jeder an den Punkt, wo das eine nicht unbeträchtliche Rolle spielt.

    Wenn ich dann die zu investierende Lebenszeit gegen den Gewinn aufrechne, dann bin ich schnell bei der Erkenntnis, dass eine Agenturvertretung, ein Verlag und ein professionelles Marketing vermutlich doch nicht so doof sind. Vor allem, weil man die knappe Zeit dann wenigstens weitgehend ins Schreiben investieren kann.

    Wie Andrea in ihrem Artikel ja auch andeutet.

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