Genrebetrachtungen

Ich finde es toll herauszufinden, wie ein Genre funktioniert, was die Regeln sind und wie sie angewandt oder gebrochen werden. Deshalb habe ich in letzter Zeit ziemlich viel CSI und sonstige Ermittler-Serien geschaut, um herauszufinden, wie das bei Krimis so läuft. Und es ist interessant, wie gut man mit der Zeit darin wird, zu erraten, wer der Mörder ist. Nicht anhand der Hinweise, die einem geliefert werden, sondern nur anhand der Art, wie die Geschichte erzählt wird. Inzwischen ist mein meistgesagter Satz beim Gucken von CSI: „Der war’s nicht, der ist zu offensichtlich verdächtig.“

Aus aktuellem Anlass habe ich vor, dasselbe nun mit dem Romantik-Genre zu machen. Genauer gesagt mit Romantic Fantasy bzw. Paranormal Romance. Und weil es so lustiger ist, werde ich darüber bloggen.
Um das einzugrenzen: Wir reden hier über Romantik für Erwachsene, nicht über so Jugendbuch-Zeug wie Twilight. Außerdem werde ich nicht versuchen, irgendeine sinnvolle Genre-Definition zu finden, nach der ich dann meinen Lesestoff auswähle. Die einzigen drei Merkmale, die ich hiermit festlege, sind folgende:
1. Der Schwerpunkt liegt auf der Liebesgeschichte
2. Es passiert irgendwas Übernatürliches
3. Der Roman spielt in der Realität oder einer alternativen Version davon

Ich werde hier die Bücher auflisten, die ich lese oder auch höre (habe vor kurzem die Vorteile von Hörbüchern entdeckt) und kurz meine Meinung dazu schreiben. Da ich vor allem für den Engel-Artikel, den ich für die Nautilus geschrieben habe, schon ein paar Romane in der Richtung gelesen habe, fange ich damit gleich mal an.

Andrea Gunschera: „Engelsbrut“
Den Roman fand ich nicht schlecht. Er ist so eine Art Thriller, nur mit Sex und Engeln (und Viechern, die fast Vampire zu sein scheinen, aber keine sind). Es gibt einige interessante Erkenntnisse zur Bibel und coole Charaktere. Die Protagonistin ist intelligent und selbstständig.

Nalini Singh: „Engelskuss“
Die Protagonistin ist eine dumme Kuh, die ganz offensichtlich einen Todeswunsch hat. Sie bekommt es mit dem supermächtigen und ziemlich fiesen Erzengel Rapheal zu tun und scheint es sich zum Ziel gesetzt zu haben, ihn so lange zu reizen, bis er sie umbringt – was er leider nie tut. Außerdem reagiert sie in den meisten Situationen erstmal zickig-aggressiv, bevor sie nachdenkt. Es gibt ziemlich viel Fast-Sex. Der einzige coole Charakter ist Raphael, weil er ein großes Arschloch ist, und das ziemlich überzeugend. Leider verliebt er sich dann in das Flusenhirn von Protagonistin und wird nett.

Sarah Lukas: „Der Kuss des Engels“
Diser Roman hat mir wiederum gut gefallen. Er fängt zwar recht langsam an, wird dann aber immer interessanter. Die Liebesgeschichte fand ich sehr schön. Es geht darum, dass die Protagonistin ihren verstorbenen Verlobten wiedergefunden zu haben glaubt und trotz aller Widrigkeiten darum kämpft, ihn zurückzubekommen. Dadurch wird zum einen klar, wie sehr sie ihn liebt, ohne dass viel herumgeschmachtet werden muss. Zum anderen finde ich ihre Entschlossenheit beeindruckend.
Außerdem gibt es einige Diskussionen über Gut und Böse und Religion und eine Art freischaffenden Exorzisten als Nebencharakter.

Erica Hayes: „Shadowglass“
Hier findet man in jedem zweiten Kapitel eine Sexszene, oft ziemlich schlecht entschuldigt. Ganz lustig sind dafür die Vampir-Mafiosi. Die Protagonistin ist zwar hohlköpfig, aber irgendwie niedlich.

Fast vergessen hätte ich außerdem
Olga Krouk: „Schattenseelen“
Dazu habe ich für den Ringboten eine Rezension geschrieben.

3 Gedanken zu „Genrebetrachtungen

  1. Das erinnert mich, wie ich den Mörder bei einem „Fall für Zwei“ nur an der Tatsache erkannt habe, daß er in den Anfangszenen offensichtlich geschubst wurde nicht wirklich in diese Szenen paßte.

    Ansonsten bin ich irgendwie froh, daß ich viele dieser Bücher nicht gelesen habe. Was auffällt sind die weiblichen Protagonisten, die oft nix im Hirn haben. Ist das nur in der Stichprobe so? Und zeigt das, daß diese Art von Roman versteckt konservativ und misogyn ist?

    • Ich habe ansonsten nicht so viel in der Richtung gelesen, also kann ich dir die Frage nicht beantworten. Meine Vermutung ist: Es ist schwer eine Liebesgeschichte zu schreiben, in der die Protagonistin intelligent wirkt, denn so gesehen ist es nur realistisch, dass Leute sich dämlich anstellen, wenn sie verliebt sind.
      Außerdem kommt der Eindruck von Dämlichkeit wahrscheinlich auch daher, dass die Protagonistinnen oft recht emotional reagieren, ohne nachzudenken. Mit so einer Protagonistin ist es wahrscheinlich einfacher eine Liebesgeschichte zu schreiben. Das illustriert der Roman von Sarah Lukas ganz gut. Deren Protagonistin ist nämlich sehr nachdenklich und handelt recht überlegt, was prompt zu weniger Romantik und mehr Diskussionen über Gut und Böse und Zeug führt. Was ich wiederum ziemlich gut finde, was den Leuten, die den Roman wirklich nur wegen der Liebesgeschichte lesen, aber nicht gefallen dürfte.

      Wobei Ju das mit der Romantik ohne dämlich zu wirken immer gut hinkriegt, und bei ihr sieht’s einfach aus.

  2. > Und zeigt das, daß diese Art von Roman versteckt konservativ und misogyn ist?

    Was wiederum amüsant wäre, da dieser stoff ja mehrheitlich von Frauen geschrieben wird – und fast ausschließlich von ihnen gelesen.

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