Genrebetrachtung Teil 2

Ich hatte hier ja schon angekündigt, einige Romantic-Fantasy-Romane zu lesen, um herauszufinden, wie das Genre funktioniert.
Nach einigen Engel-Romanen habe ich nun einen Vampir-Roman durch und einen Werwolf-Roman, den ich gerade höre. Hier meine Meinung:

Karen Chance: „Untot mit Biss“
Die Autorin wurde mit von Soleil empfohlen. Möglicherweise hat sie auch noch irgendwelche besseren Romane geschrieben und ich habe gerade den schlechtesten erwischt, aber diesen hier fand ich wirklich grausig. Und das liegt nicht am Titel.
Es liegt auch nicht an den Vampiren. Immerhin habe ich früher mit Begeisterung Anne Rice gelesen, und abgesehen von Edward scheinen Romantik-Vampire im Allgemeinen sogar eher fieser zu sein als Louis (was zugegebenermaßen nicht sehr schwer ist).
Es liegt daran, dass der Roman einfach nur schlecht geschrieben ist. Es gibt so viele Hintergrundinfos, die einem in Form von Infodump-Blöcken präsentiert werden, dass ich irgendwann nachgesehen habe, ob ich tatsächlich den ersten Band der Reihe erwischt hatte. Oft erklärt einem die Protagonistin über mehrere Seiten etwas, das überhaupt nicht die Bohne zum Fortgang der Handlung beiträgt. Irgendwo zwischen dieser Erklärerei und vielen wirren Diskussionen gibt es irgendwo eine Handlung, aber man muss aufpassen, damit man sie nicht aus den Augen verliert. Außerdem gehen versteckte Hinweis auf spätere Enthüllungen in dem ganzen Infodump-Zeug komplett verloren, so dass man sich nicht mehr an sie erinnert, wenn die Enthüllung dann stattfindet (oder vllt waren sie nie da). Deshalb erscheint einiges in dem Roman ziemlich willkürlich. An einer Stelle driftet er sogar komplett ins Surreale ab, als die Protagonistin eine Fee-Spezialagentin aus einem Käfig im Keller eines Nachtclubs befreit, wobei sie ein Gespräch mit einem Plastik-Schrumpfkopf führt, der eine magische Alarmanlage ist, obwohl sie doch eigentlich nur einen Werrattensatyr befreien wollte, um sich an ihm zu rächen, weil er ihre Eltern getötet hat.
Vielleicht hätte das ganze Ding als Parodie besser funktioniert …

Patricia Briggs: „Moon Called“
Diese Autorin ist ebenfalls eine Empfehlung von Soleil und sehr viel besser. Ich höre das Hörbuch gerade immer dann, wenn ich Tabletop-Miniaturen anmale. Es gibt zwar auch einige Anfälle von Erklärwut, aber längst nicht so viele und so ausführliche wie bei Karen Chance. Die Art, wie Werwölfe in der modernen Gesellschaft orgainisiert sind, finde ich nett. Außerdem gibt es einen schwulen Werwolf, was ich gleich doppelt gut finde. Einmal aus Prinzip und dann noch mal, weil ziemlich interessant dargestellt wird, was für Probleme er mit seinen Mitwölfen hat.
Die Protagonistin ist ganz in Ordnung, und eine Liebesgeschichte deutet sich bisher nur an.
Zuletzt mag ich das Hörbuch. Die Vorleserin kann ziemlich gut Akzente nachmachen. Es gibt eine Hexe mit einem russischen Akzent und einen Vampir mit einem deutschen Akzent, was ich recht lustig finde.

Eine bisherige Beobachtung ist, dass die Protagonistin oft etwas Besonderes ist. Ich hätte gedacht, es sei genau andersrum, zumindest am Anfang, um das Identifikationspotential zu erhöhen. Stattdessen haben wir in der Sammlung der in diesem und dem letzten Eintrag aufgelisteten Romane nur genau drei normale Menschen. Zwei davon bleiben auch tatsächlich Menschen, die letzte wird eine Vampir-Werwolfe-Hexe-Göttin, ungefähr in der Reihenfolge.
Weitere Protagonistinnen sind:

  • Eine Vampirjägerin. Sie kann Vampire riechen. Am Ende des Romans ist sie ein Engel
  • Eine Fee
  • Eine Seherin, die außerdem Geister sehen kann im Gegensatz zu wirklich allen anderen Leute, die dort herumlaufen. Am Ende des Romans ist sie die oberste Seherin überhaupt und kann auch noch durch die Zeit reisen
  • Eine Coyote-Gestaltwandlerin, die bei Werwölfen aufgewachsen ist

Man merkt also schon, dass es bei einigen der Protagonistinnen einen erheblichen Machtanstieg gibt. Da es sich hier so gut wie immer um die ersten Teile von Reihen handelt, frage ich mich, wie das in den Fortsetzungen gehandhabt wird. Denn eine recht wichtige Regel des Genres scheint zu sein, dass es die Protagonistin mit irgendwelchen übernatürlichen männlichen Wesen zu tun bekommt, die mächtiger sind als sie.

12 Gedanken zu „Genrebetrachtung Teil 2

  1. die mercy thompson-reihe von patricia briggs, die du da angefangen hast, finde ich ziemlich gut. du hast völlig recht, die protagonistin gerät auch hier an männliche übernatürliche wesen, die stärker sind als sie. stärker hier aber (es sei denn, es geht um die fae, die sind wirklich *mächtig*) mehr im körperlichen sinne. coyoten sind klein, werwölfe sind groß und stark und schwer. und vampire sind einfach – bis auf stephan – gefährlich und arschlöcher.

    interessant ist auch, dass sie bisher nicht wirklich fähigkeiten dazugewonnen hat, die sie am anfang der reihe noch nicht besesen hat, nur etwas besser mit ihren fähigkeiten umzugehen lernt. (im aktuellsten band kamen jetzt auch mal andere gestaltwandler außer mercy vor, und es wurde aufgeklärt, was genau es mit ihren indianischen fähigkeiten auf sich hat. sehr interessant, wenn auch mit leicht mary sue-igem touch, diesmal…)

    aber ich bin nicht sicher, dass die mercy reihe wirklich ins paranatural *romance* genre fällt. sie hat zwar zwei kerle im hintergrund, und entscheidet sich dann in band 3 recht undramatisch für einen, aber die reihe ist mehr action- als romance-orientiert. für richtige romance bücher von briggs solltest du eher die alpha und omega-reihe (im gleichen universum) lesen. da ist die romanze zentral und im vordergrund. ber mercy ist sie echt eher nebenplot, und das ist ja eigentlich (so habe ich es jedenfalls herausgelesen) nicht das, was du für diese untersuchung willst.

    • Danke für den Hinweis. Da habe ich wohl echt nach den falschen Büchern der Autorin geschaut. Habe da noch nicht so ganz den Überblick. Dann werde ich mal nach den Alpha und Omega-Büchern suchen. Briggs scheint ja auf jeden Fall nicht so schlecht zu sein.

      Ich habe das Gefühl, dass eben das, was du zu Mercys Fähigkeiten sagst, die guten Reihen auszeichnet. Die Bücher, die ich bisher gelesen habe, in denen die Protagonistin ständig neue Fähigkeiten bekommt, waren auf jeden Fall ohne Ausnahme schlecht.

      • http://en.wikipedia.org/wiki/Patricia_Briggs#Alpha_and_Omega_Series

        der erste teil ist eine novelle in einer sammlung – vielleicht ist das für dich ganz passend, 4 oder so kurze geschichten, alle glaube ich romanceig. aber ‚cry wolf‘ funktioniert meine ich auch ohne die novelle, da wird recht viel nochmal kurz wiederholt.

        brauchbar geschrieben ist die reihe jedenfalls auch, mir ist nur die protagonistin weniger sympathisch, eben weil mercy so eine selbstständige person ist, und anna mehr die hälfte von charles-und-anna…

  2. Ich schreibe Dir doch immer, -warum- ich etwas empfehle 😉 Band 1 von Karen Chance ist bei mir ehrlich gesagt auch nicht so gut weggekommen. Da ist vieles noch unausgegoren und es scheint, als schreibt sich die Autorin noch ein. Aber ich habe trotzdem weiter gelesen und eines muss man ja, das Genre betreffend, mal sagen: Es ist unheimlich schwer, aus der breiten Masse mit irgendwas herauszustechen. Ist ja doch immer das gleiche. Wie in der Fantasy der Bauernbursche, der zum Auserwählten mutiert und dann … Karen Chance sticht für mich aus der breiten Masse, weil sie neben den Ereignissen, die durchaus noch ziemlich actionlastig werden, unheimlich viele kleinere liebevolle Details (sprechende Schrumpfköpfe, Pixies etc.) drin hat und einen unverwechselbaren Humor. Außerdem mögen ihre Zeitreisen oft irritierend sein, sie sind aber auch relativ einzigartig im Genre.
    Und Du -willst- ja einzigartig sein. -Ich- will, dass Du einzigartig wirst 😉
    Also fürchte ich, wirst Du weiterlesen müssen. Sind ja nur noch drei; danach ist die Serie übrigens nicht beendet, wie der Verlag schreibt. Im Original gibts noch paar mehr.

    Briggs habe ich (noch) nicht gelesen, aber sie wird eigentlich von vielen sehr gemocht. Wahrscheinlich gerade weil sie da nicht so eine Liebesschmonzette reinpackt.

    Ich lese übrigens gerade einen Roman, da ist die Heldin zwar eine Werwölfin, aber unterstes Mitglied im Rudel, nicht besonders schön, nicht reich … irgendwie fällt das gleich mal auf, weil es das so selten gibt. 😉

    Bin gespannt, ob und was Du noch so aus dem Empfehlungen gezogen hast.

  3. Für mich hört sich das so an, als ob sich niemand mit den Protagonistinnen direkt identifizieren können soll, sondern als ob die jungen Mädels einen Grund haben sollen, die anzuhimmeln. Ist doch das selbe bei Twilight: Bella ist hübsch und kann alles und weiß alles und die jungen Leserinnen wünschen sich, genauso sein zu können wie sie. Und dann bekommt sie auch noch diesen coolen Typen ab, der auch noch doppelt cool ist, weil er ein Vampier ist, und die Mädels schmelzen dahin und denken: „Wenn ich nur so toll sein könnte wie Bella und nur einen so coolen Freund haben könnte wie Bella…“

    Ganz ehrlich: War bei mir in dem Alter genauso. Da hab ich Dinge gelesen wie „Die Nächte der Königin“ und die Ayla-Bücher und da habe ich mir auch immer gedacht, wenn ich nur so hübsch sein könnte wie Ayla und so gescheit sein könnte wie Ayla und einen so tollen Freund haben könnte…

    Scheint das zu sein, worauf 13-jährige Mädels so richtig abfahren ;o) (wobei ich jetzt niemandem zu nahe treten will, der sowas auch noch in fortgeschrittenerem Alter liest… da stehen dann wahrscheinlich andere Aspekte im Vordergrund)

    Liebe Grüße,
    Lila

    • Aber Bella ist ja eben nicht hübsch und kann alles und weiß alles. Die Frau wird in den Büchern als komplett unfähig hingestellt, hält sich für total hässlich und hat so allgemein die üblichen Teenagerprobleme. eben bei ihr funktioniert das mit dem Identifizieren richtig gut. Sie ist so eine Art Pappaufsteller an deren Platz sich jede Leserein denken kann.

      • Oh, ich hab die Bücher nicht gelesen, ich kenn das nur vom Twilight-Wahn meiner kleinen Schwester und den Filmen, die tagtäglich bei ihr im Zimmer rauf und runter laufen *schäm*

        Ok, dann vergiss es ;o)

      • Dann ist Stewart ja doch perfekt besetzt, mit ihrem anhaltenden grenzdebilen Gesichtsausdruck.
        Mh … Mädchen, seid blöd wie ein Meter Feldweg, guckt dabei dauernd wie die Kuh wenn die Artilleriegranate einschlägt und die tollen Typen werden schon kommen und euch aus eurem tristen dummen Dasein erretten.
        Ist das die Message, die solche Romane vermitteln sollen?
        Wenn ja, frage ich mich wieso sich ein paar Jahre vorher alle über diese Schrulla aufgeregt haben als die mit ihrem Buch propagierte, Frauen gehören an den Herd.

  4. He Böser Onkel *grins*

    Warum sich damals alle so aufgeregt haben, und heute (bei „Biss … „) nicht mehr?

    „Biss …“ ist Prosa.
    Billige Unterhaltung für die Massen, die auch zu DSDS-Autogrammstunden laufen um sich erdrücken zu lassen, jede Folge „G“ute „Z“ähne, „S“chlechte „Z“ähne gucken, immer auf dem Laufenden über die jeweiligen Aktivitäten ihrer „Freunde“ sind, weil sie sogar auf dem Pöttchen „Zwitschern“ oder ihre Verdauung ins „Gesichtsbuch“ eintragen …
    Kurz:
    Diese Bücher sind vollkommen unter aller Würde, für das Fölletong *kicher*

    Das Andere war … Schwachsinn im Deckmantel eines Sachbuches. Also genau das Richtige für M.M.R. & Co. *wieherndes Gelächter*

    (mit einem zwinkernden Auge 😉 ) Aufklärende Grüße

    Dirk (der sich morgen mal bei der Chefin von dem Blog hier melden tut, wenn sein geprelltes Handgelenk etwas weniger weh tut *zwinker*)

    • Genau genommen haben sich die Leute über die Frau erst aufgeregt, als sie posiive Dinge über die Nazi-Familienpolitik gesagt hat.

  5. Hi Andrea *wink*

    Sicher, da haben die Wellen hoch geschlagen. Aber dieses „Frauen an den Herd“ hat schon vorher für Wellen gesorgt. Das ist bei den Nazi-Polikklamotten nur untergegangen.

    Aber der eigentliche Punkt ist doch:
    Es soll unterhalten *zwinker*
    Es geht nciht um Atomphysik oder Politik.

    In dem Sinne haben alle diese Romae ihre Existenzberechtigung, selbst wenn sie ein verqueres Weltbild transportieren.
    Spätestens dann, wenn die Wirklichkeit zuschlägt (LEhre, Studium, Job) ist eh Schluß damit.
    Wir waren früher teilweise schlimmer, oder? *zwinker*

    LG

    Dirk 🙂

  6. Wenn du Patricia Briggs/Mercy Tompson als Randgebiet der Romantasy liest, dann kannst du dir auch mal Kim Harrison und ihre Rachel Morgan-Serie antun. Zumindest die ersten drei Bände fand ich nicht schlecht, auch wenn die ebenfalls eher deutlich Action-Urban-Fantasy mit weiblicher Hauptfigur als waschechte Tiefwasser-Romantasy sind. Ansonsten leite ich dir mal eine Hinweis-Mail weiter. 😉

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