Bücher und das Internet

Es wird mal wieder über die Zukunft des Buchs im Internet diskutiert. Dabei gibt es eine sehr positive Meinung und eine sehr negative.
Ich finde, beide sind ziemlich übertrieben. Zwar hat Bob Stein (der mit der positiven Meinung) ein paar coole Ideen. Zum Beispiel die Sache mit der Kommentarfunktion für Bücher. Das hat was, und vor allem bei Sach- und Fachbüchern hat man dadurch sicher einen Gewinn. Was er aber zu fiktionalen Texten sagt, halte ich für weniger sinnvoll:

Damit niemand denkt, diese Veränderung würde nur den nonfiktionalen Bereich betreffen: Man kann sich große Multiplayer-Spiele wie „World of Warcraft“ als einen Strang von Zukunftsfiktion vorstellen, in dem der Autor eine Welt beschreibt und die Spieler/Leser die Geschichte schreiben, während sie das Spiel spielen.

Klingt für mich wie ein Forenrollenspiel, in dem der Autor die Rolle des Spielleiters übternimmt. Ich habe schon bei einigen Forenrollenspielen mitgemacht, aber noch nie eines beendet. Das hatte meistens folgende Gründe:
1. Die Spieler haben sich zerstritten.
2. Mehrere Spieler haben das Interesse verloren.
3. Ein Spieler wurde vom RL eingeholt, man musste auf ihn warten, und danach lief es nie wieder richtig an.

Ich glaube nicht, dass das ein sonderlich erfolgsversprechendes Konzept ist, wenn man damit Geld verdienen will. Natürlich kann man interaktiv Romane schreiben. Das haben Tom, Stephan und Carsten mit Steamtown bewiesen, und auch Christoph Hardebusch versucht sich darin gerade mit seiner Geschichte über Tom Rabe. Aber wenn man das Projekt je beenden will, dann sollte man seinen Lesern nur eine relativ kleine Rolle darin geben. Sobald genug andere Leute, die die Sache nur zum Spaß betreiben, für so etwas wichtig genug werden, dass man auf sie warten muss, wenn sie mal nichts tun, hat man verloren.

Außerdem finde ich, dass ein Spiel (in welcher Form auch immer) und ein Medium, von dem man sich einfach passiv eine Geschichte erzählen lassen kann (also Bücher und Filme), schlicht zwei grundlegend unterschiedliche Dinge sind. Manchmal will man selbst etwas tun, manchmal will man nur verfolgen, was passiert. Zu behaupten, Spiele würden Romane irgendwann ablösen, ist, als würde man sagen, dass die Leute bald keine Äpfel mehr kaufen, weil es ja Birnen gibt.

Text zwei, der die negative Meinung vertritt, verknüpft den Buchdruck irgendwie mit der Fähigkeit des Denkens allgemein. Denn dort heißt es:

Bob Steins Ideen zum sozialen Lesen torpedieren unsere Fähigkeiten zu ungestörtem, konzentriertem Lesen und damit die Grundlagen des Denkens selbst.

Warum genau das so sein soll, wird mir zumindest nicht wirklich klar. Was bleibt, ist eine Botschaft vom Buch als Heilsbringer, allerdings nur, wie es scheint, weil die „intellektuelle Oberschicht“ dabei ihre Finger im Spiel hat:

Nach wie vor aber verteidigte das Buch seine unabhängige Position des geordneten „Selberdenkens“ und sein Selbsterfahrungspotential. Nicht zuletzt deshalb, weil eine intellektuelle Oberschicht die philosophischen Traditionen von „begreifen“ und „Begriff“ entwickelte und verteidigte.

Was soll man dazu sagen? Wie gut, dass im Internet „alles […] gleichgültig nebeneinander“ steht und damit komplett irrelevant ist, ansonsten müsste man diesen Artikel womöglich noch ernst nehmen.

Ich für meinen Teil fände es gut, wenn die Leute endlich aufhören würden, entweder mit absoluter Begeisterung oder mit absoluter Ablehnung auf eBooks und das Internet im Allgemeinen zu reagieren. Zumindest das Internet sollte es doch inzwischen lange genug gegeben haben, dass es möglich ist, ein realistisches Statement zu seinen Möglichkeiten abzugeben.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s