Thor

Was soll man zu Thor sagen? Der Film hat ein paar vielversprechende Elemente. Die Eisriesen zum Beispiel. Und Sleipnir, zumindest für vielleicht fünf Sekunden. Außerdem gibt es da Loki, der für eine Weile ein richtig cooler Charakter ist – bis das wahre Ausmaß seiner Komplexe zum Vorschein kommt.

Und der Rest … tja … wir haben uns irgendwann einen Spaß daraus gemacht, die einzelnen Abschnitte von Thors Charakterentwicklung und die damit einhergehenden Ereignisse vorherzusagen. Wir haben in jedem Punkt aufs Wort genau recht behalten.

Und den asgardischen Terminator-Roboter fand ich ziemlich unnötig. Außerdem hat er verdächtig an GORT aus „Der Tag als die Erde still stand“ erinnert.*

Nicht mal die Spezialeffekte waren sonderlich toll. Die Waffen und Rüstungen haben allesamt ausgesehen, als wären sie aus Plastik.

Um den Kinobesuch zusätzlich auch noch wirklich seltsam zu machen, kam vor dem Film christliche Werbung. So in der Richtung von: „Gott liebt dich.“ Ich weiß nicht, ob es irgendeinen tieferen Sinn hat, dass die ausgerechnet vor „Thor“ gezeigt wurde, aber ich finde es auch allgemein seltsam, dass sie Werbung für Religion im Kino bringen. An die Plakate am Bahnhof, die allen Ungläubigen Schreckliches androhen, habe ich mich ja inzwischen gewöhnt, auch wenn ich sie als selbst Ungläubige immer noch ein bisschen unheimlich finde. Aber Kinowerbung? Wie entsteht so was und wer macht das? Findet der Papst im Keller des Vatikans unerwarteterweise einen Goldschatz und überlegt sich, wofür man den so ausgeben könnte? Oder wächst das eher auf dem Mist irgendeiner evangelischen Gemeinde, die dafür Unmengen von Kirchensteuer ausgibt?
Und was genau versprechen die sich davon? Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass nach so einem Werbespott im Kinosaal plötzlich jemand aufspringt und ruft: „Gott liebt mich! Warum hat mir das vorher nie jemand gesagt? Dann glaube ich natürlich sofort!“

Ich schätze übrigens, es sagt noch einiges über „Thor“ aus, dass ich mehr über die Werbung schreibe als über den Film selbst …

————–

* Am Anfang wusste ich nur, dass er mir aus irgendeinem anderen Film bekannt vorkam. Zum Glück ist René ziemlich gut darin, zu erraten, von welchen Filmen ich spreche, auch wenn ich nur so vage Angaben mache wie: „Da waren Außerirdische, die die Erde vernichten wollten, und ein Roboter, der Laser aus seinen Augen geschossen hat.“

9 Gedanken zu „Thor

  1. Hast Du mal „American Gods“ von Gaiman gelesen? *Der* Loki kommt richtig gut rüber.

    Zum Thema Werbung: Ich denke auch nicht, dass jemand Coka Cola kauft, weil er ein mal die Coka Cola-Werbung gesehen hat. Aber wenn er hundert mal Coke und nur ein mal Pepsi gesehen hat, und sich vielleicht mit dem Typ da identifiziert, dann greif er im Supermarkt eher zu Coke. Meint der Werbefachmann.

    Vielleicht ist das bei Religion ähnlich. Ich weiß ja nicht, was da für ein Image vermittelt wurde. Wenn ich es so lese, denke ich an „die jungen Christen“ aus Switch, in grauen Pullundern und festgefrorenen Lächeln. Vielleicht soll die Werbung das Image der Kirche verändern. Dass man nach 100mal Christentum gegen einmal Schnapswerbung lieber zum Pfarrer geht, als zur Flasche zu greifen glaube ich eher auch nicht…

    • Hat sie, haben wir beide.
      Ich habe zwar jahrelang Marvel gelesen, aber für Thor konnte ich mich schon damals nicht sehr erwärmen.
      Die Drehbuchschreiber dachten sich wohl, bauen wir diesen Twist ein, um den Zuschauer zu überraschen. Aber IMO war das eher ein WTF Moment. Na mal sehen, was Avengers bringt. Während in den Comics Hulk für die Formierung verantwortlich war, glaube ich da mitlerweile fast weniger dran. Diese komische Energiequelle am Ende des Filmes (nach dem Abspann) sagt mir wenig, so dass mir höchstens Ultron einfallen würde.

      Die Werbung war die ganze Zeit „ich kenne dich hier ich sah dich da, ich hab dich so unglaublich lieb, dass ich mir ein Straßenlaterne in den Arsch schieben will, so sehr freut es mich, dass es dich gibt!“

    • Der Loki aus „American Gods“ ist wirklich ziemlich cool.

      Eben, bei Dinge, die man kauft, funktioniert Werbung. Es ist ja auch nicht so unglaublich wichtig, ob man nun Cola oder Pepsi trinkt. Aber welcher Religion man angehört bzw., ob man einer Religion angehört, bestimmt ja das ganze Weltbild eines Menschen. Das ist etwas ganz anderes.

      Wenn die Werbung das Image der Kirche verbessern sollte, hätten sie ja vllt mal irgendeine Kirche erwähnt. Aber ich weiß wie gesagt nicht mal, ob die Evangelen oder Katholiken dafür verantwortlich waren.

  2. Gut das die radikalreligiösen Plakate hier in Berlin einer Schrift geschrieben sind, die ich nicht lesen kann. sonst würde ich mich auch drüber aufregen;-)

  3. Per Zufall weiß ich, dass das Geld für diesen Werbespot ausschließlich von (einem ganzen Haufen) Privatpersonen kommt. Nix Steuer. Nix Papst. Nix Evangelen ODER Katholen. Und auch die Produzenten sind daran nicht reich geworden.

      • Also ich kann nicht für die sprechen, die die Aktion erfunden / angestoßen / finanziert haben, dazu gehöre ich nicht. Koordiniert hat das vor allem eine gewisse Frau Jung (die ich nicht persönlich kenne und auch kein Geld von ihr bekomme). Wenns Dich wirklich interessiert: https://www.facebook.com/eva.jung
        Aber meine persönliche Sicht wäre etwa so:
        Du sagst, Werbung funktioniert (beeinflusst) nur bei „nicht so wichtigen Entscheidungen“, so verstehe ich Deine Antwort weiter oben. (Korrigier mich.) Also ich würde dem entgegen setzen: Werbung hinterlässt vor allem erst mal eine Botschaft, manchmal ganz subtil und fast rein emotional. Zum Beispiel: die alten Marlboro Spots. Kein Text, nur Cowboys. Die subtile Botschaft: „Wahrhaft männliche, abenteuerlustige Menschen sind cool – und rauchen.“ Oder so. Und das prägt sich ein, weniger übers Verstehen, mehr übers Herz sozusagen.
        Und letztlich macht der Spot hier nix anderes. Er hinterlässt eine Botschaft, die in dem Fall sogar noch in Worte gefasst wird. Die Bilder vorher sind aber nicht sehr rational und kopflastig, sondern eher eben wie ein bescheuertes „ich liebe dich“-Video bei youtube. Und ich glaube es ging den Initiatoren einfach nur darum, die enthaltene Botschaft (Gott sagt: Ich liebe Dich.) bei Kinobesuchern zu hinterlassen. (Was, wenn man ehrlich ist, auf eine bestimmte Art bei Dir auch direkt geklappt hat, oder?) Und ich denke die machen das, weil sie selber glauben, dass diese Botschaft wahr ist und Auswirkungen hat, auf Menschen wirkt, sie berührt. Ganz unabhängig von der Institution Kirche, von dem Konstrukt Religion. Und das sie es wert ist, gesagt zu werden. (Verständlich ausgedrückt?)

        • Was du sagst, ist, dass die Macher des Spots ein paar Leute berühren und glücklich machen wollten? So in der Richtung? Ich schätze, die Intention ist nett. Muss aber sagen, bei mir hat die Sache eher einen faden Nachgeschmack hinterlassen.
          Ich glaube nicht an Gott. Für mich gibt es vom Prinzip her keinen Unterschied zwischen Leuten, die an Gott glauben, und Leuten, die davon überzeugt sind, dass Außerirdische die Menschen in irgendwelchen Genlaboren gezüchtet haben und irgendwann zurückkehren werden, um uns Frieden zu bringen. Aus meiner Sicht sind beide Vorstellungen gleich weit hergeholt, wenn auch nicht unbedingt widerlegbar, solange man nicht zu sehr ins Detail geht.
          Generell ist mir egal, was meine Mitmenschen glauben. Ich erfahre auch gerne mehr über welche Glaubensvorstellung auch immer, weil mich Religionen allgemein interessieren. Aber für mich hört es auf, wenn jemand versucht, mir seinen Glauben aufzudrängen. Und meiner Meinung nach macht dieser Kinowerbespot das, wenn auch zugegebenermaßen auf recht nette Art und Weise. Er stellt eine Verbindung zwischen mir und einer Figur her, deren Existenz ich stark anzweifel, und versucht damit, mich in ein Glaubenskonzept hineinzuziehen, das ich aber nur von außen betrachten möchte.

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