Von Genrebetrachtungen und Happy Ends

Im Moment liegen hier drei Romane rum, zu denen ich Gutachten schreiben muss. Außerdem habe ich zu lektorieren, einen weiteren Heftroman zu schreiben (Dorian Hunter ist fertig, aber mir wurden kurzfristig ein Angebot gemacht, das ich nicht ablehnen konnte) und etwas sehr Cooles zu tun, das sich schlecht in aller Kürze zusammenfassen lässt und von dem ich zu einem späteren Zeitpunkt mehr erzählen werde.

Alles in allem heißt das, dass ich kaum dazu gekommen bin, mein Romantasy-Experiment fortzuführen, über das ich hier und hier schon geschrieben habe. Ein klein wenig gibt es trotzdem zu berichten. Ich habe ein neues Buch und ein Hörbuch angefangen.

Nancy Baker: „Die Nacht in mir“
Das wird als so was wie ein Genreklassiker beworben und beinhaltet zwei Bücher, von denen das jüngste von 1994 ist. Ich habe das Buch unbeendet zur Seite gelegt. Der Roman hat keinen funktionierenden Spannungsbogen. Irgendwo noch vor der Hälfte ist die Gefahr, die die Handlung bis dahin vorangetrieben hat, beseitigt. Es zeichnet sich zwar eine neue ab, aber bis die Charaktere sich der stellen, scheint es ein paar Kapitel zu dauern. In der Zwischenzeit hängen sie sinnlos in Toronto rum, verspielen jegliche Sympathie, die man jemals mit ihnen hatte, und es passiert einfach nichts. An der Stelle habe ich beschlossen, dass ich zu wenig Zeit haben, um das fertig zu lesen.

Patricia Briggs: „Cry Wolf“
Diesen Roman höre ich auf Englisch als Hörbuch. Patricia Briggs ist nach wie vor gut, finde ich. Ihre Ideen zu den Werwölfen sind ziemlich cool, und sie hat interessante Charaktere. Zwar mochte ich Mercy als Hauptcharakter lieber als Anna, aber dafür ist meiner Meinung nach die Story von „Cry Wolf“ besser als die von „Moon Called“. Es geht darum, dass ein sehr alter Werwolf von einer Hexe gejagt wird, die bereits seine Frau getötet hat und dadurch irgendwie Zugang zur Magie der Werwölfe gefunden hat, was sie zu einer Gefahr für alle macht.
Ok, ich schätze, theoretisch besteht die Hauptstory aus den Problemen, die Charles und Anna mit ihrer Beziehung haben, aber für mich ist die Sache mit der Hexe der interessante Teil der Handlung.

Was mich zu meiner Zusammenfassung bringt. Bisher habe ich ein paar Romane in dem Genre gefunden, die ich mochte. Besonders „Der Kuss des Jägers“ hat mich begeistert, allerdings lag das an dem extrem coolen Nebencharakter und dem ebenso extrem coolen Bösewicht sowie deren ganz persönlicher Auseinandersetzung.
Und so ist es bei so ziemlich allen dieser Romane, die ich mochte. Wenn das Drumrum interessant genug ist, kann ich die Liebesgeschichte irgendwie mitnehmen. So gesehen hat ja eh so ziemlich jeder Roman, den man heutzutage vorgesetzt bekommt, eine Liebesgeschichte, und manche davon sind sogar gut. Die Frage, ob und wie A und B zusammenkommen, ist aber nicht das, was mich am Lesen hält. Ob ist ohnehin hinfällig. Zusammenkommen tun sie ja immer.

Weitere Genreregeln habe ich bisher keine gefunden. Dass es immer ein Happy End gibt, war ja irgendwie klar und muss deshalb als Genreregel nicht extra erwähnt werden. Obwohl ich das besonders nervig finde. Warum kann nicht mal einer der beiden Hauptcharaktere sterben? In asiatischen Filmen machen die das die ganze Zeit, und irgendwer schaut sich das ja auch an, sonst würden die hier nicht ständig im Fernsehen kommen.
Ich kann ja verstehen, dass andere, etwas realistischere Möglichkeiten, wie Liebesgeschichten enden können, dramaturgisch gesehen nicht so viel hergeben. Aber ein ordentlicher tragischer Tod war auch hierzulande mal allgemein als sinnvolles Ende einer Liebesgeschichte akzeptiert. Wieso gibt es jetzt nur noch Happy Ends?

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