Schreibabläufe

Während ich darauf warte, dass das Lektorat für meinen Engel-Roman anfängt, schreibe ich schon am nächsten Projekt. Schreiben macht viel zu viel Spaß, um die Arbeit zwischendurch ruhen zu lassen, nur weil man auf Rückmeldungen wartet.
So langsam entwickel ich tatsächlich so etwas wie eine Routine bei meinen eigenen Romanen. Und sie unterscheidet sich wirklich von allen anderen Schreibroutinen, von denen ich bisher gehört oder gelesen habe, was wohl zeigt, dass man manche Dinge einfach selbst rausfinden muss. Allerdings beinhaltet sie viele gute Ratschläge, die ich über die Jahre bekommen habe.
Falls es irgendwen interessiert, so läuft das Schreiben eines Romans bei mir ab:

1. Ideenphase: Ich kritzel so lange Stichpunkte in ein Notizbuch, bis ich einen Hauptcharakter, einen Handlungsansatz und eine ungefähre Idee habe, wohin sich das entwickeln könnte.

2. Planungs-/Exposéphase: Das ist das, was am wenigsten Spaß macht. Ich versuche alle Ideen in eine ordentliche Reihenfolge zu bringen, überlege mir, was jeder Charakter will, brainstorme mit verschiedenen Leuten und schreibe schließlich rein zu Vorzeigezwecken ein Exposé, von dem ich weiß, dass es sich noch mal ändern wird. Das ist ein bisschen frustrierend, weil ich mir beim Exposéschreiben teilweise über Dinge den Kopf zerbreche, von denen ich mir ziemlich sicher bin, dass sie sich schon irgendwie ergeben würden, sobald ich mit dem Schreiben an dieser Stelle angekommen bin.

3. Anfang: Das ist der Teil, in dem ich noch versuche, den richtigen Stil zu finden und die Charaktere richtig hinzubekommen. Hier entstehen auch Nebencharaktere, zu denen ich mir dann überlegen muss, ob sie in die Story passen oder nicht und wenn ja, welche Rolle sie nicht nur in dieser einen Szene spielen, sondern im großen Ganzen.

4. Mitte: Das ist die Stelle, ab der das Exposé komplett nutzlos wird, weil ich inzwischen viel bessere Ideen habe. Es ist nicht so, dass ich die Story komplett umwerfen würde. Ich weiß, wo ich hin will, weil ich mir ja vorher überlegt habe, wo meine Charaktere hin wollen. Aber die Art, wie ich dorthin komme, verändert sich, weil ich ein besseres Gefühl für die Charaktere bekomme und inzwischen viel genauer sagen kann, was sie unter welchen Umständen wie tun würden.
Das ist außerdem die Phase, in der ich oft zurückgehe und Zeug umschreibe. Ich habe einmal versucht, alle Umschreiberei auf die Überarbeitungsphase zu verschieben und habe damit einen Roman an die Wand gefahren.

5. Ende: Das Ende beginnt, wenn ich nur noch damit beschäftigt bin, Handlungsstränge einzufangen und zusammenzuführen. Das sind die glücklichen Zeiten, in denen ich Seite um Seite um Seite schreibe, weil es nun nichts mehr umzuschreiben oder zu planen gibt und ich mich auf jede neue Szene freue, in der sich ein weiteres Stück des Puzzles einfügt.

6. Überarbeiten: Gucken, ob alles passt, und Formulierungen verbessern. Aber sobald das letzte Wort geschrieben ist, habe ich keine Geduld mehr mit meinem Roman, also müssen alle größeren Änderungen schon vorher passiert sein.

3 Gedanken zu „Schreibabläufe

  1. Oh cool! Sehr hilfreich. Ich habe ja da auch noch diese Projekt in der Ecke stehen, welches mich immer bös anschaut, wenn ich ins Zimmer komme: Mein erstes eigenes Buch. Wobei ich noch nicht einmal weiss, welche Literaturgattung ich vorziehen möchte – Roman, Briefroman, Tagebuch, Drama…so viele Möglichkeiten. Und keine, die perfekt zu passen scheint.

    • Im Zweifelsfall könntest du eine Roman schreiben, der sich aus Briefen, Tagebucheinträgen, erzählenden Stücken und vielleicht sogar dem einen oder anderen Auszug aus einem Theaterstück zusammensetzt.

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