Labels und Genres

Obwohl die Clockpunk-Anthologie noch nicht einmal erschienen ist, wird sie bereits heiß diskutiert. Und zwar hier.

Ich schätze, dass so viel über Definitionen gestritten wird und darüber, was für welche Genres und Subgenres als „true“ gelten sollte, zeigt nur, wie wichtig den Phantastik-Fans ihre Phantastik ist.
Allerdings sollte man nicht vergessen, dass die Funktion von Genrebezeichnungen und Labels, wenn es um den Verkauf von Büchern geht, vor allem darin liegt, dem potentiellen Leser möglichst knapp zu vermitteln, was für eine Art von Buch er da vor sich hat. Es geht eben nicht um haargenaue Definitionen oder darum, was der Begriff ursprünglich mal bedeutet hat. Es geht darum, was der Großteil der Leute mit dem Begriff heute und jetzt assoziiert.
Und ich für meinen Teil würde nicht in die Situation kommen wollen, ohne dieses Hilfsmittel durch einen Buchladen navigieren zu müssen. Nachher würde ich doch nur aus Versehen Paranormal Romance erwischen, obwohl ich Urban Fantasy wollte.

7 Gedanken zu „Labels und Genres

  1. Referenz hier ist wohl die Metalwelt, die uns zeigt: es kann nie genug Genres geben.

    Das ist doch wieder so eine verklemmte Ansicht. Am Ende bedeutet eine Vielzahl unterscheidbarer Genres eher den Reichtum einer literarischen Gattung als deren „Ende“.

  2. Hm. Ich vertrete eher die Ansicht, dass es nicht schadet, wenn irgendwann in der Zukunft unter dem Label „Steampunk“ neben der schon eingemeindeten Steam Fantasy auch Weird Science, Weird West, Clockpunk, Dieselpunk, Biopunk (das allerdings nur sehr partiell), Teslapunk und eine Reihe anderer Alternate-History-Punks zusammengefasst werden.

    Aus genau dem genannten Grund: Ich WILL als Autor, dass möglichst viele Leute mein Buch in die Hand nehmen, um dann festzustellen, dass es ihnen gefällt, auch wenn die Dampfmaschine nur eine Nebenrolle spielt.
    Schreibe ich „Teslapunk“ auf ein Buch, wird es schon schwer. Buchhändler werden das kaum empfehlen, weil sich die Vergleichbarkeit entzieht. Die wenigsten Leute kennen Tesla (traurig, aber wahr), also ist das auch keine Referenz, mit der viele etwas anfangen können. Der Ausdruck „Steampunk“ hat hier wohl die größten Chancen, eine Genrelücke zwischen Fantasy (die ja auch in Dutzende und Aberdutzende sub-Genres zersplittert ist) und SciFi (dito!) auszufüllen. Ich weiß dann einfach auch als nicht-genre-versierter Käufer ungefähr, was mich darin erwartet.

    Diese, Verzeihung, kleingeistige Zersplitterung stört mich auch in der Metal-Szene. Es ist einfach Metal. Ob sie nun screamen, growlen, jammern, schnell oder langsam, rhythmisch oder arhythmisch spielen ist Geschmackssache, verdient aber nicht Hunderte verschiedener Label. Man muss nicht jeden Furz in eine neue Schublade schieben.

    Auf unsere Antho bezogen – ich habe nichts gegen das Label Clockpunk. aber man muss es eben dauernd erklären. „So ähnlich wie Steampunk, nur mit Uhrwerken statt Dampfmaschinen“ ist da noch die für die meisten verständlichste. Ich denke inzwischen, man darf mit diesen Labels ruhig großzügig und frei umgehen. Und das verwenden, dass den meisten Lesern den besten Hinweis auf das zu Erwartende gibt.

    Bei der Diskussion musste ich allerdings ganz spontan grinsen.
    Es sind immer die SciFi-foren, die sich so ergehen. Ich erinnere mich an eine Diskussion auf diesem (oder einem der bitteren Konkurrenzforen), in der es zum einen darum gin, dass SciFi stiefmütterlich behandelt wird und eh nie was gutes verlegt wird, übergehend in einen Disput, was jetzt eigentlich „gute SciFi“ ist und mündend in der gemeinschaftlichen Feststellung, das man sowieso NUR im Eigenverlag veröffentlichen sollte, da ja die großen Verlagskonzerne ohnehin nur Kraken sind, die alle über den Tisch ziehen, dann über einen Kamm scheren und die künstlerische Freiheit zugunsten des schnöden Kommerzes beschneiden würden. Also lieber nicht veröffentlichen als unter falschem Label. Ich hab‘ mich sehr amüsiert. Und das ist in diesem Fall und Forum ähnlich.

    • Soweit ich mich erinnere, warst du von „Salzträume“ auf den ersten Blick ziemlich enttäuscht, eben weil Steampunk draufstand, die Dampfmaschine aber nur am Rande eine Rolle spielte.

      Klar, wenn man zu sehr in kleine Zersplitterungen abrutscht, ist es nicht das Wahre. Wenn man aber falsche Erwartungen weckt, kann das auch nur zu Enttäuschung führen.

      • Das stimmt.
        Inzwischen denke ich jedoch da etwas anders. Hauptsächlich, weil ich meine Sichtweise auf Steampunk (damals noch sehr… Gibson/Sterling-lastig) tatsächlich dem heute allgemein grassierenden Bild von Steampunk angenähert habe (auch wenn ich Motorrad- und Schweißerbrillen um jeden Preis immer noch etwas albern finde). Von mir aus sollen sie Lederminirock und barocke Corsagen tragen, mit Strahlenpistolen schießen und Raketenzombies bauen. Wenn das die meisten utner Steampunk verstehen, warum sollte ich mich wehren und den Hardliner spielen.
        Ich habe eingesehen, dass der Steampunk, der heute so heißt mit dem, der in den 80ern so hieß nur noch die Buchstaben und etwas Messing gemeinsam hat. Was soll’s. Solange ich mich dabei amüsieren kann.

        Ausschlaggebend ist nicht die verschwindend geringe Minderheit der Leute, die den „echten“ Steampunk in den 80ern schon kannte, sondern die große Mehrheit der potentiellen Leser, die ihn kennen, wie er heute ist.
        Das Halloween von heute hat auch fast nichts mehr mit dem Halloween von früher zu tun.

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