Schreibmechanismen

Gerade bin ich auf diesen Blogeintrag von Ursula Vernon gestoßen, in dem es um Schreibtechniken geht, und wieviel davon erlernbar und lehrbar ist. Sie schreibt:

It’s not like art, where you can learn various techniques about layering colors and different media and all that. Writing is all words on the page, and you can’t do the equivalent of jumping between encaustics and watercolor without torturing the hell out of a metaphor. (You leave that poor metaphor alone! It didn’t ask to be here!) Writing advice tends to either be so specific as to be generally useless (“Ursula, it looks like you filled a shotgun full of commas and fired them at the page.”) or so general as to be specifically useless. (“People like action!”)
[…]
After a point, though, I’ve always felt that writing technique is pretty much between you and your god. […] Technique is the thing that happens when you sit down and your heroine has to get from here to there and then you get bored and add ninjas. I don’t know HOW it works.

Irgendwie kann ich da nicht so ganz zustimmen.
Ich bin kein großer Freund von Schreibratgebern. Aber das liegt, wie ich inzwischen festgestellt habe, vor allem daran, dass die meisten versuchen, einem Rezepte zu geben. Beispielsweise „Wort für Wort“ von Elizabeth George liest sich mehr oder weniger so: „Du musst das machen und dann musst du das machen, und es ist unmöglich einen Roman zu schreiben, wenn du nicht die Schuhgröße jedes Charakters kennst.“

Allerdings glaube ich schon, dass es Schreibtechniken gibt, die man lernen kann. Die setzen sich nur nicht aus Anweisungen zusammen wie: „Mach das so.“
Schreibtechniken vernünftig zu vermitteln, funktioniert meiner Meinung nach so, dass man versucht, Zusammenhänge zu erklären. In der Art von: „Wenn du das machst, passiert das, weil …“
„Wenn du Charakteren unterschiedliche Sprachmuster gibst, wirken sie lebendiger, weil auch echte Menschen je nach Persönlichkeit, Bildungsstand usw. unterschiedlich sprechen.“

Deshalb funktioniert Writing Excuses so gut, denke ich. Weil dort darüber diskutiert wird, was wann wie warum was bewirkt. Das ist praktisch der Unterschied zwischen einem Kochbuch und einem Buch, das einem erklärt, welche Geschmackswirkung bestimmte Gewürze erzielen.
Wenn man nach Rezept kocht, erhält man mehr oder weniger dasselbe Ergebnis wie alle anderen Leute, die dasselbe Rezept verwenden. Wenn man aber versteht, wie Kochen im Prinzip funktioniert, kann man geniale, neue und nie dagewesene Dinge machen.

Und ich denke, ein grundlegendes Verständnis für die Mechanismen und Wechselwirkungen des Schreibens ist durchaus vermittelbar. Was sich dann natürlich von Autor zu Autor unterscheidet, ist die Art, wie man diese Mechanismen anwendet und welche Hilfestellungen man dabei braucht und ob man meint, die Schuhgröße seiner Charaktere kennen zu müssen.

7 Gedanken zu „Schreibmechanismen

  1. Freunde, nichts für ungut. Aber fixiert ihr euch nicht zu sehr auf das WIE?
    Das WAS scheint nicht unbedeutend zu sein. Da gibt es bloß keine Gebrauchsanweisungen für.
    gruss, zio

    • Das WAS ist das geringste Problem. Die meisten Autoren haben Notizbücher über Notzbücher voll mit Ideen, die sie nie umsetzen können, weil sie schlicht nicht die Zeit dafür haben.

      • Völlig wahr.
        So alt werde ich nicht, dass ich das alles schreiben kann.
        Oder ich muss mein sonstiges Leben und meine Sozialkontakte völlig einstellen. vor allem kommen ja gerade beim Schreiben selbst immer wieder neue Ideen dazu. das ist also das wirklich geringste Problem.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s