Star Wars – Gedanken

Ich wollte ja noch etwas zu Episode 1 schreiben. Denn ich muss zugeben, mir war im Kino ein bisschen langweilig. Nichts gegen Star Wars. Ich mag die alte Triloge so gern wie jeder andere auch. Aber die neue begeistert mich schon etwas weniger, und „Die dunkle Bedrohung“ ist kein Film, den man unbedingt dreimal gesehen haben muss. Davon konnten auch die wenig begeisterungswürdigen 3D-Effekte nicht ablenken. Und Jar Jar Binks wird von Mal zu Mal nerviger …
Während ich da also saß, immerhin ziemlich gemütlich an René gelehnt, dachte ich mir, ich könnte ja einfach so zum Spaß mal die Storystruktur und die Charaktere analysieren.

Dabei ist mir aufgefallen, dass es dem Film erstaunlicherweise an einem Hauptprotagonisten mangelt. Ich meine, in den alten Filmen haben wir Luke. Der ist ganz ohne Zweifel der Held der Geschichte und klappert brav alle Stationen der Heldenreise ab.
In Episode 1 ist es schon komplizierter. Man könnte Anakin als den Protagonisten bezeichnen, aber er taucht erst ziemlich spät auf. Außerdem betrifft ihn das Hauptproblem der Handlung eher wenig. Er ist zwar so nett und hilft aus, als sie alle auf Tattoine festsitzen, und er ist ohne Zweifel des Held des Pod-Rennens. Aber was macht er denn sonst? Bis zum Schluss wird er in den Konflikten größtenteils nur mitgeschleift. Selbst dass er am Ende das Droidenschiff in die Luft jagt, ist ja mehr ein Unfall als Absicht. Und er entwickelt sich nicht. Er tut selbst nichts dafür, dass er am Ende doch zum Jedi ausgebildet werden darf. Er hat keinen „Nutze die Macht, Luke“-Moment. Sein Glück ist einfach, dass Qui Gon stirbt und Obi Wan stur darauf besteht, dessen letzten Wunsch zu erfüllen.
Eigentlich ist der aktivste Charakter im Film Qui Gon, aber der ist wieder zu sehr vom Typ weiser Mentor, um einen guten Protagonisten abzugeben. Und Obi Wan trifft zu wenige eigene Entscheidungen.
Und Amidala? Ist Amidala die heimliche Hauptprotagonistin der ganzen Geschichte? Immerhin kämpft sie für das Wohl ihres Planeten, stellt sich politischen Intrigen, schließt Allianzen und verhält sich allgemein sehr heldenhaft. Allerdings, um ihre Geschichte zu erzählen, hätte man den ganzen Jedi-Handlungsstrang nicht gebraucht. Der lenkt von ihr eher ab.

Ich denke, mir ist das alles vorher nie aufgefallen, weil es eben ein „Star Wars“-Film ist. Man kennt ja das ganze Drumrum, es ist spannend den kleinen Knirps zu sehen, der mal Darth Vader werden soll, und zu beobachten, wie sich der Imperator seinen späteren Posten ergaunert. Aber ich frage mich, wie viel man wohl noch mit dem Film anfangen könnte, wenn der Kontext nicht wäre.

11 Gedanken zu „Star Wars – Gedanken

  1. Vorweg: ich bin auch kein großer Fan der Teile 1 – 3.
    Andererseits finde ich gerade das, was du da beschreibst äußerst reizvoll. Für mich macht das die ganze Geschichte glaubhafter – es gibt nun einmal im wahren Leben nur sehr weniger ‚echte‘ Helden. Ich finde es sehr erfrischend, dass eine Handlung entsteht, bei der alle, die daran verwickelt sind eben ihren Teil beitragen. So wie das mit ‚Geschichte‘ nun einmal auch ist.

    • Klar, muss es nicht immer nur einen Helden geben. Aber es ist ja ein Unterschied ob es mehrere Helden gibt oder größtenteils Leute, die man eigentlich eher als Nebenfiguren bezeichnen müsste, weil der Autor sie eben nicht für wichtig genug befunden hat, ihnen irgendeine Art von Entwicklungbogen zu geben oder einen ordentlichen Grund, sich mit dem Hauptproblem der Handlung auseinanderzusetzen.
      Genau genommen müsste man hier sagen, die Protagonisten (d.h. die einzigen Leute mit einem ordentlichen Ziel, einem Interesse am Hauptproblem der Handlung und ausreichender Aktivität) sind Amidala und Qui Gon, wobei Qui Gon aber halt gleichzeitig die Rolle des weisen Mentors für gleich zwei Nebencharaktere einnimmt, so dass es so aussieht, als müsste eigentlich einer diese beiden Nebencharaktere ein weiterer Protagonist sein, nur dass sie nicht genug tun, um das zu rechtfertigen … was zu einem wirren Durcheinander führt.

      • Aber Geschichten müssen doch nicht immer nach Schema F funktionieren, oder?
        Ich meine: der FIlm bzw. die Story an sich ist ja gar nicht schlecht – abgesehen von dauernervendem Jar Jar und von dem viiiiiiiiiiiiel zu langen Podrace. Ich finde die Entwicklung bzw. Handlungen der Chars auch ganz und gar nicht verwirrend. Sie haben alle ihre Motivation etwas zu tun, ihre Handlungen sind großteils nachvollziehbar. Da ergibt sich für mich gar keine Notwendigkeit, sie in ein Schema eingliedern zu wollen.

        • Natürlich müssen Geschichten nicht nach einem bestimmten Schema funktionieren. Aber ich finde diese Story hier halt relativ beliebig und ohne großen inneren Zusammenhalt und sehe die Gründe in dem, was ich oben geschrieben habe.

  2. Jetzt wo du’s sagst, fällt es mir auch auf. Irgendwie fehlt da die Person, and die man sich klammern kann und in die man sich hineinversetzen kann. Das geht mir bei manchen Romanen auch so – wenn der „Protagonist“ kein „Held“ sondern eben ein Miststück oder Idiot ist. Wie z.B. bei Abercrombie oder Jonathan Strange & Mr Norrell.

    • Also meiner Meinung nach dürfen Protagonisten ruhig auch Miststücke sein, solange ich sie trotzdem interessant finde *g* Aber prinzipiell ist es genau das. Wenn man in einer Geschichte niemanden findet, dessen Probleme man sich irgendwie zu Herzen nehmen kann, dann findet man dazu keinen richtigen Zugang. In Filmen kann man darüber mit viel Action und Spezialeffekten und Zeug hinwegtäuschen, deshalb fällt es da wohl ab und zu nicht so direkt auf.

  3. Aber ich frage mich, wie viel man wohl noch mit dem Film anfangen könnte, wenn der Kontext nicht wäre.
    — Dafür erinnere ich mich gerade zu wenig an den Film, aber das würde ja heißen, dass mensch mit keinem Film etwas anfangen könnte, der nicht nach Schema F abläuft. Klar ist viel Fantasy/SF (mensch kann sich darüber streiten, was Star Wars ist) danach aufgebaut. Mir fallen Bücher immer leichter und da gibt es selbst im Genre genug solche, welche Erzählschemata sprengen und eben nur mit Figuren auskommen, die normalerweise Nebenfiguren wären, weil es dem Buch um etwas ganz anderes geht. „Die Haarteppichknüpfer“ wäre ein Beispiel für so was, nur um etwas zu nennen, das ich vor kurzem gelesen habe.

    • Ich meine doch gar nicht so sehr das Schema. Der Unterschied zwischen einer Hauptfigur und einer Nebenfigur ist, wie stark man ihre inneren Konflikte beleuchtet und wie sehr sie in die Handlung eingebunden sind. Ein Charakter, der wenig Bezug zum Hauptproblem der Handlung hat, funktioniert einfach nicht gut als Hauptcharakter, einfach weil ihn die Handlung wenig betrifft. Und das ist halt meiner Meinung nach z.B. bei Anakin der Fall.

      Natürlich kann man wunderbare Geschichten über Archetypen schreiben, die eigentlich nicht als Hauptcharaktere verwendet werden. Aber dann muss auch auch um deren Probleme gehen, und nicht um die Probleme anderer Leute.

      • Aber dann muss auch auch um deren Probleme gehen, und nicht um die Probleme anderer Leute.
        — ich bin mir gerade nicht sicher, ob wir nicht aneinander vorbei reden. Was ich meine sind Geschichten, in denen es z.B. um eine Idee geht, nicht um Figuren und ihre Probleme, zumindest nicht im eigentlichen Sinne. Charaktere und ihre Konflikte dienen da nur als Pinselstriche für ein Gesamtbild und verschwinden wieder im Nirgendwo; z.B. tauchen sie jeweils nur für ein paar Kapitel auf oder gar nur für eins. Es ist sicherlich schwerer zu machen, weil der Leser (bzw. Zuschauer, aber wie gesagt, ich bin nun mal eher ein Buch-Mensch) anders gefesselt werden muss als durch eine Figur oder durch Figuren, aber es ist machbar.

        • Ach so. Da hatte ich dich wirklich nicht ganz richtig verstanden.
          Das sind Möglichkeiten, die allerdings auch nicht so gut zu einem High Budget Actionfilm passen, würde ich sagen. Wenn man eine interessante Idee vermitteln will, klar, dann kann man sehr viele Erzählstrukturen brechen. Aber wenn man eben keine große Idee im Hintergrund hat, sondern einfach nur eine spannende Geschichte erzählen will, dann braucht man Charaktere und ihre Probleme.

  4. Naja, die „Episode 1“ ist ein typisches Stück altbackener SciFi im frankherbertchen Wüstenplanetenstil: Danach sind damals massenweise SciFi-Universen aufgepoppt, die einfach Dekadenweise ohne echten Protagonisten eine Geschichte erzählen wollen. Eben Space-Opera-Chroniken.
    Episode 1 ist da ein sehr typischer Vertreter von.

    Mein Liebling dabei waren früher die „Lens“träger, quasi ne Mischung aus Green Lantern in cool und Perry Rhodan…

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