Von dem Genitiv und des Dativs

Ich finde Leute, die sich über Sprachverfall beschweren, immer recht amüsant. Meistens weise ich dann auf die ganzen bösen französischen und lateinischen Worte in unserer Sprache hin. Und die Lautverschiebung, das war ein schwerer Schlag für unsere Gesellschaft! Und überhaupt, warum verwenden eigentlich alle das Wort „peinlich“ falsch?

Nun ist mir aufgefallen, dass in Sachen Sprachverfall nur über bestimmte Dinge gemeckert wird. Andere scheinen vollkommen OK zu sein. Da wäre z.B. die Sache mit dem Dativ und dem Genitiv. Das wird groß angeprangert. Und dabei schert sich niemand darum, dass der Dativ auch gelitten hat. Man lese im Duden Band 9 beispielsweise unter „trotz“:

Die Präposition trotz steht heute gewöhnlich mit dem Genitiv […] Der Dativ nach trotz ist älter und mittlerweile seltener als der Genitiv.

Der Genitiv hat da eindeutig die bessere Lobby. „Trotz des Genitivs“ nimmt jeder einfach so hin. Aber wehe man wagt es „wegen dem Dativ“ zu sagen.
Vielleicht liegt es daran, dass „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ einfach einen besseren Buchtitel abgibt …

4 Gedanken zu „Von dem Genitiv und des Dativs

  1. Also hier bei uns verwendet NIEMAND den Genitiv. Es ist hier völlig normal, „wegen dem“ zu sagen. Oder „dem Typ seine Frau“. 😉 Wenn man hier den Genitiv nutzen würde, würden einen die Leute für alles halten nur nicht für jemanden von hier. *g*

    • Vor allem wenn man „wegen“ mit Genitiv verwendet, klingt man ja auch irgendwie superkorrekt. Das sagt kaum mehr irgendwer in der normalen gesprochenen Sprache.

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