Urheberrecht – mal wieder

Heute wurde ich mehrmals aufgefordert, diese Petition zu unterschreiben. Ich habe es nicht getan, weil ich nicht ganz glücklich mit dem Text war, der über den ganzen Namen steht. Für meinen Geschmack ist er ein bisschen sehr schwammig und redet zu sehr die allgemeine Panik nach, die man im Moment viel findet, wenn es um das Thema geht. Besonders unwohl habe ich mich hiermit gefühlt:

Es gilt, den Schutz des Urheberrechts zu stärken und den heutigen Bedingungen des schnellen und massenhaften Zugangs zu den Produkten geistiger Arbeit anzupassen.

Ich wüsste gerne genauer, was das bedeuten soll. Bedeutet das, dass man sich als Unterzeichner dieser Petition prinzipiell für solche Dinge wie ACTA ausspricht? Das würde mich eher weniger begeistern. Und wenn nicht, was bedeutet es dann?

Der Rest des Textes hatte es mir auch nicht so besonders angetan. Wie gesagt, er riecht an vielen Stellen zu sehr nach Panik und Weltuntergangsstimmung. Aber als hauptberuflicher Urheber denkt man über so was halt eine Weile nach.
Und während ich noch am Analysieren und Meinungbilden war und gleichzeitig versucht habe, ein wenig urzuheben, bin ich auf diesen Artikel bei Spiegel Online gestoßen, der nicht nur alle meine Bedenken wunderbar in Worte fasst, sondern auch folgende Feststellung enthält:

Das Internet wächst und wächst, doch die Branchen, die an urheberrechtsgeschützten Werken verdienen, gehen nicht unter. Ebenso wenig, wie der Straßenverkehr zusammenbricht, obwohl täglich Zehntausende Menschen bei Rot über die Ampel gehen oder mit dem Auto zu schnell fahren.

Ich finde, das ist ein guter Gedanke.

8 Gedanken zu „Urheberrecht – mal wieder

  1. Danke, dass du da nicht unterschrieben hast und dir darüber Gedanken machst, wie und ob die Argumente gut sind. Der SPON Artikel ist toll, weil er es wirklich gut auf den Punkt bringt.

    Dieses Blog hier allein zeigt, dass Internet dir dabei helfen kann deine „Produkte“ zu verkaufen. Wenn du finanziell in der Lage wärst Bücher etc. allein vertreiben zu können, dann bin ich mir relativ sicher, dass du das hier auch hinbekommst. Und Kickstarter und ähnliches sind die Möglichkeit der Vorfinanzierung…

    Wenn jemand dein Urheberrecht an einem Werk beschädigt sollte das eben auch dein Recht sein, was beschädigt wird, nicht das eines Verlages und ich bezahle lieber hier 25€ für ein Buch in Kleinauflage als 16,99€ bei einem Verlag. Das ist doch eine Frage, ob einem das Produkt das wert ist und das hängt am Urheber nicht am Verwerter.

  2. Dieses Blog hier allein zeigt, dass Internet dir dabei helfen kann deine “Produkte” zu verkaufen. Wenn du finanziell in der Lage wärst Bücher etc. allein vertreiben zu können, dann bin ich mir relativ sicher, dass du das hier auch hinbekommst.

    Hier muss ich leider widersprechen. Ich habe im Schnitt 50 Besucher pro Tag, und da sind die Leute, die „zalgo“ googlen und auf den entsprechenden Eintrag klicken, schon mit eingerechnet. Ich sehe, wer den Link klickt, der unter „Frisch erschienen“ zu finden ist, und das ist vllt eine Person pro Woche. Insgesamt ist die Menge der Leute, die ich bisher über das Internet für meine Werke interessieren konnte, ziemlich gering. Gut, die meisten meiner Blogleser sind auch keine Heftromanleser. Ich schätze, sobald ich einen eigenen Roman draußen habe, dürfte die Resonanz etwas größer sein. Ich glaube aber nicht, dass es reichen würde, um meine Romane allein zu vertreiben.

    Rechnen wir mal otpimistisch:
    Im besten Fall würde ich auf ähnliche Auflagenzahlen wie viele Kleinverlage kommen, und die liegen zwischen 200 und 500. Im allerbesten Fall hätte ich bei einem Preis von den dir genannten 16,99 pro Band also 8495 Euro verdient. Davon wiederrum müsste der Coverzeichner bezahlt werden. Keine Ahnung, wie viel so was kostet, aber schätzen wir mal, dass er die 495 Euro kriegt. Von den verbleibenden 8000 bekommt ein Lektor, wenn ich einen will, der halbwegs was taugt, 2 Euro pro Seite. Sagen wir, der Roman hat 500 Seiten. Macht also 1000 Euro für den Lektor, bleiben noch 7000 für mich. Davon müssen auch die Druckkosten bezahlt werden. Ich habe gerade mal das Angebot einer Druckerei angeschaut, die mir sagte, dass sie für 400 Bücher im Taschenbuchformat (höher gehen die da nicht mit der Auflagenzahl) 4.185,84 Euro haben wollen. Da wir ja von 500 Büchern reden und um der Einfachheit der Rechnung willen, runden wir das auf 5000 Euro auf. Bleiben also noch 3000 Euro für mich.
    Wenn wir davon ausgehen, dass ich den Satz und die Werbung und den Versand selbst mache, habe ich also im besten Fall mit der Arbeit von ungefähr einam Jahr (Roman schreiben, alles organisieren, setzen, Werbung, Versand) 3000 Euro verdient … Und im schlechtestens Fall bleibe ich auf 300 Büchern sitzen, muss noch mal Geld dafür bezahlen, die irgendwo wieder zu entsorgen und/oder zu lagern, und habe sogar mehr Geld in die Sache reingesteckt als rauskommt. Kickstarter bewahrt einen natürlich vor so einem Reinfall, hilft einem aber auch nicht, sonderlich viel mehr zu verdienen. Immerhin bin ich nicht Amanda Palmer mit Tausenden treuer Fans.
    Dazu kommt, dass Kickstarter mir nicht die ganze zusätzliche Arbeit abnimmt, die ich habe, weil ich mich um alles selbst kümmern müsste.

    Natürlich will ich nicht alle Rechte an meinem Werk an einen Verlag abgeben. Aber das passiert ja auch nicht, wenn ich bei einem Verlag veröffentliche. Ich gebe denen nur die Rechte für eine bestimmte Art der Veröffentlichung, und das auch nur für eine begrenzte Zeitdauer. Wenn du also das Urheberrecht an einem Werk verletzt, ist das so gut wie immer das Recht des Autors.

    • Und ich sehe gerade, dass ich von der falschen Zahl ausgegangen bin. Du kannst es ja selbst noch mal mit 25 Euro durchrechnen. Wobei ich davon ausgehe, dass ich mit 25 Euro pro Exemplar nie auf einer 500ter Auflage käme. Das wäre selbst für ein Kleinverlagsbuch sehr viel Geld.

      • Achja … und in dem Fall müsste man dann ja auch noch davon ausgehen, dass wir von 25 Euro ohne Mehrwertsteuer reden. Ansonsten wären wir bei 26,75.

        Also, ich hoffe, es wird irgendwie klar, wie kompliziert das ist, das alles selbst zu machen.

        • Deine Rechnung ist überzeugend. Sie geht natürlich auch vom klassischen Geschäftsmodell aus. Ist das mit E-Books als Produkt dann vielleicht besser?

          Ich verstehe das immer so, dass man heute als Autor im Verlag schon nicht unbedingt vom Schreiben leben kann, wenn man nicht gerade Bestseller schreibt. Wenn man das nun alles selbst macht, braucht es da nicht ein moderneres Geschäftsmodell? Ich weiß auch nicht, ob das so schlimm ist, denn das einzige, was die Buchverlage ändern müssten, damit ich persönlich befriedigt bin, sind die Kosten für ein E-book (und hier rede ich eigentlich nur davon, dass ich ungern den Preis für Papier und Tinte für etwas zahlen will, das aus nichts davon besteht) und vielleicht die Möglichkeit, gleich eine digitale Kopie zu dem Buch zu bekommen, das ich kaufe.

          Trotzdem gehört Outreach halt heute dazu. Ich wüßte nix von Larry Brent, wenn ich dich nicht lesen würde.

          • Für ein EBook könnte man natürlich, wie du ja selbst sagst, nicht so viel verlangen. Außerdem erreicht man damit viele Leute nicht. Die letzte Zahl, die ich gelesen habe, war, dass der EBook-Markt in Deutschland 1% des Buchmarktes ausmacht. Wir hinken da deutlich hinter Amerika her.
            Dazu kommt, dass man mit seinem EBook nicht nur aus der Masse aller Verlagsveröffentlichungen, sondern auch aus der Masse aller Werke herausstechen muss, die andere Leute als EBook an den Mann bringen wolllen. Amazon hat ja, soweit ich weiß, schon ein Problem mit Spam bei seinen 99-cent-EBooks.

            Es ist so, dass man als mittelständischer Autor nicht reich wird. Aber man bekommt bei einem Verlag immer noch mehr als im Alleingang. Es gibt einige Leute, die davon leben können. Man muss halt meistens 2 Bücher pro Jahr schreiben. Was aber auch eher möglich ist, wenn man sich nur aufs Schreiben konzentrieren kann und das ganze Drumrum dem Verlag überlässt.

            Klar gehört Bloggen und so was heute dazu. Ich sage auch nicht, dass es nichts bringt. Es bringt aber umso mehr, je mehr man sowieso schon bekannt ist.

  3. Das Urheberrecht ist nicht „so gut wie immer“ beim Autor. Sondern IMMER. Außer du bist mind. 70 Jahre tot. Und ich hab vor weniger als 70 Jahren zuletzt persönlich mit dir gesprochen.
    Was der Verlag kriegt, ist das Nutzungsrecht. Und nur das kann man abtreten.

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