Von Musen und Ideen

Ganz ganz am Anfang, als ich mir überlegt habe, dass es doch eigentlich cool wäre, zu schreiben, dachte ich noch, Ideen kommen irgendwie mit einem Musenkuss. Das war für mich kein großes Problem, ich hatte immer genug Ideen und habe nie Stunden damit verbracht, ins Leere zu starren und auf sie zu warten. Aber trotzdem war diese Überzeugung da, dass man sich Ideen nicht einfach holen kann.
Keine Ahnung, wie viele Leute abgesehen von meinem früheren Selbst das noch glauben, aber ich dachte mir, ich schreibe mal einen Post über Musen und warum man nicht darauf warten sollte, dass sie einen zufällig bemerken, um eine Idee vorbeizubringen.

Gestern habe ich nämlich mal wieder mit Notizbuch und Bleistift auf dem Bett herumgelungert und mit mir selbst gebrainstormt. Was eine coole Sache ist, weil das überhaupt nicht nach Arbeit aussieht, ich es aber Arbeit nennen darf. Ein Hoch darauf, ein hungernder Autor zu sein!
Soweit ich das sagen kann, betreibt eigentlich jeder Autor irgendeine Form des Brainstormings. Die meisten haben dafür irgendjemanden, mit dem sie Ideen besprechen können. So Leute habe ich auch. Aber da nicht jeder immer greifbar ist, ist es manchmal auch einfacher, Selbstgespräche zu führen. Man sollte dabei nur nicht vergessen, mitzuschreiben, sonst hat man die Hälfte wieder vergessen, bevor man fertig ist.
Bei mir läuft das so ab:

Ich schreibe erst einmal auf, was ich haben will. Also ein Subgenre oder sonst irgendwas. Beispielsweise High Fantasy, aber ohne Elfen und Zwerge und so.

Dann überlege ich, ob mir dazu etwas einfällt, das ich cool finde. Das schreibe ich auch auf, egal ob es dämlich ist oder nicht. Durchstreichen kann ich es später immer noch. Das sieht dann beispielsweise so aus (Rein zu Anschauungszwecken habe ich etwas genommen, das ich nie wirklich schreiben würde):

Killereinhörner

Wenn ich zwei Sekunden nach dem Aufschreiben immer noch denke, dass die Sache cool ist, geht es weiter. Als Nächstes suche ich Dinge, die damit in Zusammenhang stehen, die ich verwenden kann. Was bringt man mit Einhörnern in Verbindung? Genau:

Jungfrauen

Da liegt ganz ohne Zweifel der erste Charakter verborgen. Nun brauche ich einen Konflikt. Also fange ich an Fragen zu stellen. Fragen sind immer gut. Ich schreibe:

Was macht die Einhörner zu Killereinhörnern? Und was hat die Jungfrau damit zu tun?

Und ab da funktioniert eigentlich alles von selbst. Die Jungfrau ist nämlich gar keine mehr. Sie war mal eine und hat sich währenddessen mit einem Einhorn angefreundet. Aber dann wurde sie gezwungen zu heiraten. (Das ist ein schreckliches Klischee, aber lassen wir das mal so stehen, bis uns etwas besseres einfällt. Diese ganze Sache besteht bisher größtenteils aus Klischees.) Ihr Einhornfreund hat sie deswegen verlassen. Da wurde sie ziemlich pissig. Sie sitzt in einer beschissenen Ehe fest, und ihr einziger Freund erklärt ihr, dass sie nichts mehr miteinander zu tun haben dürfen, weil sie keine Jungfrau mehr ist. Also sucht sie nach einer Möglichkeit, diese blöde Regel aufzuheben (und ihren Mann loszuwerden). Und sie findet irgendwelche fiese Magie. Und diese fiese Magie macht ihren Einhornfreund zu einem Killereinhorn, dem es egal ist, ob sie eine Jungfrau ist oder nicht, das aber dummerweise auch Menschen frisst, oder so. Ein Gutes hat das aber, nun hat sich gleich noch einen Weg, ihren Mann loszuwerden.

Hier halte ich erst mal wieder inne und schreibe:

Ist sie die Antagonistin oder die Protagonistin?

Und ab da geht es ins Detail. Die Motivation muss noch mehr ausgearbeitet werden, je nachdem, ob Prota oder Anta, wird sie entweder mehr oder weniger fies. Und dann brauche ich natürlich mehr Charaktere und eine Welt und eine Möglichkeit, die Einhörner so darzustellen, dass am Anfang nicht jeder an Märchen und Glitzer und so denkt. Ansonsten wäre der Schock später etwas groß. So verschwinden dann mit der Zeit auch die Klischees, weil man Allgemeinplätze durch genauer durchdachtes Zeug austauscht.

Aber das ist dann Plot. Die Idee ist auf jeden Fall schon mal da.

Ein Gedanke zu „Von Musen und Ideen

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