Prometheus

Dieser Film bekommt auf der Bewertungsskala ein eindeutiges WTF.
Ich versuche mal, zu verdeutlichen, was ich meine. Ab hier könnte dieser Eintrag ein paar Spoiler enthalten. Wer die nicht lesen will, sollte jetzt schnell das Fenster schließen …

Letzte Chance.

In Ordnung …

Also, es gibt da diese Gefäße mit dem Schleim, die wiederum Gefäße mit wirbelndem schwarzem Zeug enthalten, das ein bisschen so aussieht wie der Effekt, mit dem sich der Außerirdische am Anfang aufgelöst hat, um, falls ich besagten Anfang richtig gedeutet habe, auf der Erde Leben entstehen zu lassen.
Wenn man einem Menschen dieses wirbelnde schwarze Zeug gibt, fängt er ebenfalls an, sich eklig aufzulösen, aber vorher ist er in der Lage, mit einem anderen Menschen eine Art Tischenfisch-Riesenfacehugger zu zeugen. Dieser Tintenfisch-Riesenfacehugger wiederum kann einem Außerirdischen etwas einpflanzen, das fast wie ein richtiger „Alien“-Alien aussieht, aber nicht ganz.
Zusätzlich gibt es die ebenfalls ein bisschen facehuggermäßigen Schlangenviecher, von denen nie erklärt wird, woher sie eigentlich kommen, die aber offensichtlich in dem Schleim aus den Gefäßen leben. Und zuletzt macht irgendwas, wahrscheinlich der Schleim, aus einem der Leute so eine Art Zombie.
So weit alles klar?
Außerdem gibt es einen explodierenden Kopf und die Tatsache, dass die Außerirdischen es offensichtlich geschafft haben, sich mit den eigenen Massenvernichtungswaffen genau zum richtigen Zeitpunkt selbst umzubringen. Wie auch immer das passieren konnte.

So weit zum Hintergrund. Die Handlung selbst hat einige Längen. Sehr viel planloses Herumgestolper, wobei Erkenntnisse ignoriert werden, die die Gruppe vorher gesammelt hat. Ich meine, wenn man sich an einem Ort befindet, an dem bereits haufenweise humanoide Lebensformen gestorben sind, die offensichtlich vor etwas geflohen sind, dann streckt man nicht der erstbesten Lebensform, der man begegnet, die Hand entgegen.
Und wenn man kleine fliegende Metallbälle verwenden kann, um einen Ort in Windeseile zu kartografieren, dann sollte man dieses Wissen doch auch irgendwie nutzen können, um sich nicht zu verlaufen.

Ein Problem ist denke ich auch, dass es zwar viele mysteriöse Vorfälle gibt, aber keinen Gegner, den die Charaktere aktiv und über mehr als ein paar Szenen hinweg bekämpfen. Die verschiedenen Alien-Viecher tauchen auf und werden dann nie wieder erwähnt, wie man es gerade braucht. Irgendwie hat man da keine Angst, dass sie wiederkommen könnte. Der Android verfolgt ganz offensichtlich zwielichtige Ziele, aber es gibt deswegen nie einen richtigen Konflikt. Einmal starrt die Hauptprotagonistin ihn böse an, als sie erkennt, was er getan hat. Da wird er sich gefürchtet haben …
Und der Konstrukteur-Außerirdische-Typ taucht ja erst am Ende auf und macht nicht so viel, bevor er auch schon wieder erledigt wird.

„Prometheus“ ist eindeutig ein Versuch, einen Film wie „Alien“ zu machen, aber dieser Versuch ist grandios gescheitert. „Alien“ hatte ein paar mysteriöse Vorfälle am Anfang und dann ein Monster, das durch das Schiff gejagt werden musste. Das ist spannend und ziemlich unheimlich. „Prometheus“ ist eine Ansammlung oft nicht beantworteter Mysterien und überkomplizierter Verwicklungen mit zwei halbherzigen Showdowns am Ende.

Ach ja … und laut René liegt der größe Fehler von allen darin, dass das Ende nicht ganz zum Anfang von „Alien“ passt, weil der Konstrukteur an der falschen Stelle stirbt. Blöd ist das wirklich. Es wäre schön gewesen zu sehen, wie da ein richtiger Bogen geschlagen wird.

12 Gedanken zu „Prometheus

  1. Für René:

    Für mich krankte er zum einen genau daran (kein Konflikt, der irgendwie von Interesse gewesen wäre. Vor allem keinen „Gegner“.
    Dadurch fand ich ihn so unspannend, dass ich mir gelegentlich eine Vorspultaste gewünscht habe. Wenn ich einen Film über grandiose, isländische Wasserfälle sehen will, dann sehe ich mir einen Film über grandiose isländische Wasserfälle an.

    Der zweite Punkt, der mich fast zur Verzweiflung getrieben hat, war die offensichtliche Blödheit nahezu aller Charaktere und die so unmäßig offensichtlichen Löcher im Plot.
    Einen Helm abzusetzen, nur weil die chemische Anzeige atembare Luft zeigt – und was ist mit unbekannten Toxinen, mit unbekannten Viren, Bakterien, unbekanntem, schwarzem Schl … ah. ja.

    Der Xeno-Biologe, der dieses lange Wesen mit dem Halsschild kraulen will … Moment. Langgestrcktes, quasi schlangenartiges Wesen mit Halsschild … kennen wir da nicht was?

    Lebenserhaltungssysteme in Anzügen, die zwar überwacht werden (wurden sie ja im Film), aber keinen Alarm auslösen, wenn gleich zwei davon an einer Stelle ausfallen?
    Medizinische Roboter, die nach Geschlechtern programmiert sind (wie jetzt – ein Problem mit dem Speicherplatz oder warum?), Sezieren des unbekannten Biomaterials (der Schädel) ohne Hochsicherheits-Quaantänemaßnahmen?! Drauf gesch … – ohne Gesichtsmasken!
    Aber gut, dann hab ich schon nicht mehr gefragt, als die Bauchdecke der Dame getackert wurde, statt sie zu verschweißen oder wenigstens mit Biokleber zu verschließen. Trotzdem hat mir gefallen, wie gut sie mit der geklammerten Bauchdecke sprinten konnte.
    Nein, es war eine beinahe schon brillante Anhäufung aus vollkommen idiotischen Charakteren. außerhalb von B- und C-Movies a la Asylum schon ewig nicht mehr so erlebt.

    Da waren mir die verschiedenen Aliens in diesem Film eigentlich schon völlig wurscht. die hätten auch mit Ed Woods Gummikrake ringen können. Das wäre auch schon egal gewesen.

    • Einen Teil der Blödheit der Leute, habe ich einfach ignoriert, weil es eben die übliche Blödheit ist. Wie das mit dem Absetzen der Helme. Das machen die Leute in SF-Filmen dauernd. Oder die Sache, dass sie in gerader Linie vor etwas wegrennen, bei dem es viel schlauer wäre, zur Seite auszuweichen …
      Aber die Blödheit in diesem Film geht wirklich über das übliche Maß hinaus. Hab ich ja auch schon teilweise angemerkt. Die Sache mit der Schlange ist außerdem nicht nur blöd, sondern auch komplett unkonsistent. Erst haben die beiden so viel Angst, dass sie ins Schiff zurück wollen, und dann wollen sie plötzlich mit einer unbekannten Lebensform knuddeln.

      • Wie auch immer man die Blödheit in diesem Film auf einer nach oben offenen Blödheitsskala auch bewerten will: Danke für diese erhellenden Kritiken! Jetzt können Torsten und ich das Geld in Karten für einen (hoffentlich) besseren Film investieren 🙂

    • Und sehr intelligent auch, dass der medizinische Roboter in der autarken Überlebenszelle der Tochter steht, für die ja so ein auf männliche Personen programmierter Roboter im Notfall äußerst nützlich ist!

    • Ich find es ja schon schlimm, wenn sich Wissenschaftler so absolut Klischee verhalten.
      Haben sie in Attack from Mars ja auch gemacht.
      Da sind diese dicken großen Aliens mit ebenso dicken Wummen, aber der Wissenschaftler meint, die sind friedlich.
      Ist sowieso so eine hirnrissige Idee, dass Außerirdische immer automatisch wohlwollend sein sollen, also aus Forschersicht.
      Schlimm finde ich, dass das Ganze von Scott ist, und er entweder seinen eigenen Film vergessen hat, oder auf Fortsetzungen hoffte. Denn Prometheus funktioniert erst dann (innerhalb des Canons, nicht innerhalb gesunden Menschenverstandes), wenn er noch ein oder zwei Filme dreht.
      A) Es war der falsche Planet
      B) Der Engineer starb nicht in seinem Stuhl.

      Die Unterschiede, bzw Logiklöcher zu den AVP-Filmen (die für mich einfach zum Canon dazugehören), kann man sich zumindest schönreden.
      Wie kann eine Xeno-Queen ca 6000 bis 8000 Jahre unterm Eis sein, wenn die Xenos erstmals 2093 auftauchen?
      Das war eine Abart, aber nicht der herkömmliche Xeno udn selbst wenn, vllt hatten die Engineers die Viecher schon X-Tausend Jahre, wodurch sie bereits irgendwie in die Hände der Yautja und dann auf die Erde gekommen sind und sich dann dort entwickelten.
      Das mal als Beispiel.

      Zumindest hatte ich mit einer jahrealten Theorie recht, nämlich dass die Xenos biologische Waffen sind – kein Ökosystem würde so eine lebensform hervorbringen und diese würde dann auch noch bestehen.
      Nur, in meiner Theorie handelte es sich um Waffen gegen einen entsprechend mächtigen Gegner und nicht um die Alien-Version des Klos, in dem man das Experiment (also die Menschen) runterspült, weils langweilig wurde oder ein Fehlschlag war.

      • Hm. zum Ökosystem unserer Lack-und-Latex-gigeraliens:
        Plastisch, schön, vor allem aber schlüssig ist das im Roman „Alien: Earth Hive“ von Anfang der 90er erklärt. Wohlgemerkt einige Jahre VOR „Starship Troopers“. Ein Bug-Planet mit (für Menschen) lebensfeindlicher Atmosphäre (korrosiv, wenn ich das Recht in Erinnerung habe), auf dem die Xenos NICHT die dominante Lebensform sind. auf dem gibts noch weit Heftigeres. In fliegenden Varianten, in Haushohen, etc.
        Da wird dann auch mal eine ganze Kompanie Androiden-Soldaten verheizt. Starship-Troopers in düster.
        Allein die Beschreibungen dieses Heimatplaneten wären eine Verfilmung wert gewesen, die Prometheus optisch in den Schatten gestellt hätte.

        Der roman sollte ursprünglich den 2. Film fortsetzen und schließt (mit den selben Protagonisten) direkt daran an, wurde dann aber mit Erscheinen des dritten Filmes ge-fifty-shades-of-acid-blooded.
        Außerdem wir darin die Erde von den Xenos überrannt (im Prinzip dann ein Terminator:Salvation-Setting mit Aliens statt Maschinen.

        Cooles Buch (zumindest das, woran ich mich nach 20 Jahren noch erinnere), das viele Lücken sauberer und logischer schließt als Prometheus.

    • Oh mann, Andrea, Tom, vielen Dank für diese amüsante Zusammenfassung! J geht Dienstag mit den Kollegen rein und wollte mich überreden, mitzugehen, aber mal ehrlich – ich fand Alien schon Mist, aber in dem hier würde ich mit meinen Logik- und Biologen-Bemerkungen das Kino in die Lynchjustiz trieben 🙂 Danke, dass ihr mir das auf humorvolle Weise erspart habt.

  2. Sehr gute Rezension, die es wirklich trifft. 🙂
    Ich habe in meiner eigenen Rezension zu deiner verlinkt. Ich hoffe, das ist ok. 🙂

    Liebe Grüße
    Kerstin

  3. Ich erkenne in diesem Film sogar noch etwas mehr von „Planet des Schreckens“ welcher meiner Ansicht nach auch dem ersten Teil der Alien filme als Vorlage diente. Das wunderschöne Intro mit Startrek Musik? läst einen fast Odyssee im Weltraum mit Alien Raumschiffen träumen.
    Leider sind oben genannte grobe Patzer dann nicht zu leugnen und so fällt es schwer den FIlm ernst zu nehmen.
    Augenschauss ja, Grusel-Schocker faktor null.

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