Von Künstlern und Reichtum

In der SZ gibt es einen etwas seltsamen Kommentar zum Urheberrecht. Dort heißt es mehr oder weniger, die wichtigste Funktion des Urheberrechts sei, einige wenige Künstler superreich zu machen, damit der arme Rest den Traum vom plötzlichen Reichtum träumen kann.

Der Punkt ist, dass sie eine symbolische Möglichkeit repräsentieren, aus dem großen Hamsterrad der Existenz schlagartig auszubrechen. Und zwar nicht durch Funktionieren und Bravsein und Buckeln, nicht durch Erbsenzählen und geschäftliche Brutalität oder gnadenlose Selbstdisziplin, sondern durch eine Idee, eine Inspiration, eine Laune des Schicksals. Einfach so.

Das ist wirklich ein erstaunlich großer Haufen Blödsinn.

Was mich an diesem Artikel stört, ist nicht einmal so sehr die seltsame Einstellung zum Urheberrecht. Es ist zum einen diese Versteifung aufs Geld und zum anderen die Illusion, irgendwer könnte über Nacht reich werden.

1. Geld: Ich wage zu behaupten, so gut niemand wird des Geldes wegen Künstler. Egal welche Art von Künstler. Das würde bedeuten, auf die vage Hoffnung hin, irgendwann vielleicht mal reich zu werden, Jahre seines Lebens damit zu verbringen, ein Instrument zu lernen, zeichnen zu lernen oder herauszufinden, wie man Worte zu Sätzen und Sätze zu Geschichten zusammenfügt, die nicht nur Sinn ergeben, sondern auch schön zu lesen sind.
Natürlich kann ich nur für mich sprechen, wenn ich sagen, dass ich sehr genau weiß, was ich mir davon erhoffe, Autor zu sein, und Reichtum gehört nicht dazu. Ich will einfach nur schreiben können, ohne dass eine Arbeit, die ich nicht mag, mir Tag für Tag 8 Stunden meines Lebens stiehlt, und ohne dass ich mir Sorgen machen muss, woher meine nächste Mahlzeit und das Geld für die Miete kommt. Dafür brauche ich natürlich das Urheberrecht. Das sorgt dafür, dass ich darüber bestimmen kann, was mit meinen Texten passiert, dass ich sie zu Geld machen oder verschenken kann, wie ich gerade will.
Natürlich hätte ich nichts dagegen, reich zu werden. Umso weniger Sorgen um Essen und Miete. Aber ich gehe nicht davon aus, dass das je passieren wird.

2. Reichtum über Nacht: Eigentlich habe ich dazu beim Thema Geld schon alles gesagt. Es sieht vielleicht so aus, als wären manche Leute über Nacht reich geworden, aber das liegt nur daran, dass man die ganze Arbeit nicht sieht, die sie darin investiert haben, an den Punkt zu kommen, an dem sie über Nacht reich werden konnten. Man kann nicht einfach aus dem Stand große Kunst fabrizieren. Nicht einmal mittelmäßige oder einigermaßen annehmbare Kunst.

Da ist außerdem noch ein letzter Punkt, der mich stört: Diese Sache mit dem „Hamsterrad der Existenz“. Da wird impliziert, man könne nur ein interessantes Leben führen, wenn man Geld hat. Wenn der Autor dieses Artikels das glaubt, tut er mir leid. Als Journalist verdient man immerhin bekanntlich nicht viel.

8 Gedanken zu „Von Künstlern und Reichtum

  1. „Dafür brauche ich natürlich das Urheberrecht.“

    Das sehe ich nicht so. Es gibt ettliche Beispiele, wie Kulturschaffende (App-Entwickler, Anwendungs- und Spieleprogrammierer aber auch Journalisten) rein über Donating ein konstantes Einkommen erlangen; Crowd Funding ist selbstverständlich auch ein Modell für Autoren. Eigentlich sogar das perfekte Modell. Was hätte Rowling wohl einnehmen können, wenn sie den letzten Potter-Teil per Crowd Funding vermarktet hätte.

    SG,
    Oliver

    • Ja, aber auch solche alternativen Finanzierungsmöglichkeiten funktionieren nur mit Urheberrecht. Ohne könnte nämlich jeder, der gerade lustig ist, das Zeug dieser Leute nehmen und es unter seinem eigenen Namen verkaufen. Ohne Urheberrecht hätte Warner Brothers Rowling kein Geld dafür zahlen müssen, dass sie die Harry Potter Filme machen dürfen. Die hätten einfach damit reich werden können, ohne ihr etwas davon abzugeben.
      Deshalb habe ich geschrieben: „Das sorgt dafür, dass ich darüber bestimmen kann, was mit meinen Texten passiert, dass ich sie zu Geld machen oder verschenken kann, wie ich gerade will.“

    • Nachtrag:
      Ich kenne auch viele Webcomics, deren Macher über Spenden und Merchandise-Verkäufe und so Geld verdienen. Aber auch da ist die Sache: Wenn es kein Urheberrecht gäbe, könnte einfach jeder zu diesen Webcomics Merchandise machen, der will. Jeder könnte diese Webcomics nehmen und drucken und mit dem Verkauf Geld verdienen. Und das untergräbt einfach alles.

      • Und, wenn man sich Crowdfunding mal genau anschaut, dann werden die gut finanziert, wo die „Künstler“ (oder wer auch immer) schon bekannt, berühmt, reich, oder alles dreis sind. Das finde ich für „Brot und Miete“ ein eher schlechtes Konzept.

  2. Achso, du meinst „irgendein Urheberrecht“ und nicht den Quast den wir heute haben. Die kommerziellen Verwertungsrechte sollten meiner Meinung nach immer beim Urheber bleiben, wobei man aber auch wieder mehr auf den Originalitätscharakter schauen sollte.

    Ein automatisches Untergraben sehe ich aber nicht, das Konzept meiner Firma zum Beispiel wird , obwohl von ihr erfunden, vieltausendmal kopiert.
    Oft sogar quasi die Website 1 zu 1. Aber wir werden immer erfolgreicher, auch ohne Schutzrechte.

    • Ein automatisches Untergraben sehe ich aber nicht, das Konzept meiner Firma zum Beispiel wird , obwohl von ihr erfunden, vieltausendmal kopiert.

      Ja, das Konzept von Harry Potter wurde auch vieltausendmal kopiert. Ebenso das von Twilight z.B. … sogar bis zum Erbrechen. Oder das von Herr der Ringe. Das ist auch nach derzeitigem Urheberrecht erlaubt.

  3. Ich meinte schon etwas näher dran vom Grad der Kopie her, also im Vergleich wie die Dame, die den HdR weitergeschrieben hat.

    Klar, so ein Recht ist großartig, wenn man eine finanzielle Lebensplanung auf seiner Arbeit gründen möchte, das ist absolut verständlich. Aber es ist keine bedingende Vorraussetzung um von einer Tätigkeit leben zu können; dass es ohne nicht gehen würde, ist aus ökonomischer Sicht falsch. Das ist alles was ich damit sagen möchte. Das heist nicht, dass ich es dir nicht gönne.;) Schlieslich unterstütze ich das System ja auch, indem ich deine Bücher kaufe.

    • dass es ohne nicht gehen würde, ist aus ökonomischer Sicht falsch.

      Das finde ich halt nicht. Meiner Meinung nach geht es nicht komplett ohne irgendeine Art von Recht, das sagt, dass das, was ich geschrieben habe, diese Anordnung von Worten, mir gehört. Das ist alles, was ich sagen will. Über alles drumrum kann man reden. Aber wie soll ich denn als kleiner Autor irgendetwas verkaufen, das mir einfach ein großer Konzern wegnehmen und mit mehr Aufwand, da mehr Geld, veröffentlichen und unter die Leute bringen kann?

      Die Sache bei deiner Firma ist, dass euch niemand die Mitarbeiter und die Art, wie ihr euer Konzept umsetzt, wegnehmen kann. Genauso wird die Frau, die HdR weitergeschrieben hat, niemals genau so schreiben können wie Tolkien. Wenn ich aber einen Roman auf Spendenbasis ins Internet stelle, dann braucht es genau vier Tasten, nämlich strg+c und strg+v, damit exakt mein Text in den Besitz von sonstwem gerät. Und wenn ich dann nicht irgendeine Art von Recht an diesem Text habe, dann kann derjenige ein teures Hardcover mit großer Marketingaction oder sonstwas daraus machen, was ich mir nie leisten könnte, und dann hätte ich verloren.
      Ich denke halt nicht, dass Geschäfte mit irgendeiner Art von Kunst so funktionieren könnten. Also zumindest nicht für die Künstler.

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