Freiberuflerleben

Ich glaube, Renés Eltern haben immer noch nicht so ganz verstanden, was ich mache oder dass ich überhaupt etwas mache so in beruflicher Hinsicht.
Gerade standen sie überraschend vor der Tür, Bettwäsche und eine Heizdecke vorbeibringen. (Nachdem wir von ihnen auch säckeweise Wolldecken bekommen haben, glaube ich langsam wirklich, sie fürchten das baldige Kommen von Ragnarök und wollen uns möglichst gut vorbereiten.) Ich öffnete in schlabberiger Armeehose und einem von Renés Pullis. Wahrscheinlich sah ich aus wie jemand, von dem man sich vorstellt, dass er den ganzen Tag vor dem Fernseher herumgammelt.
Sie fragten, ob René auf der Arbeit sei, und verabschiedeten sich dann auch recht schnell wieder. Und der letzte Satz lautete: „Und was machst du heute noch?“
Meine Antwort: „Ich arbeite auch.“ Mit Fingerzeig Richtung Arbeitszimmer.
Die Reaktion war ein verwirrter Blick.

6 Gedanken zu „Freiberuflerleben

  1. Ach, manche Leute verstehen sowas einfach nicht, denen kann man lang und breit erklären daß man durchaus arbeitet, aber da geht der Rolladen runter wenn man das nicht stereotypisch in einem Büro in einer Firma tut…

  2. Frierst du nicht bei der Arbeit? Die Maushand ganz kalt, die Füße unterm Schreibtisch erfroren, während die Gehirnzellen toben und heiß laufen. Da wäre so eine Heizdecke doch ganz hilfreich. 😉
    Tja, das Los der Freiberufler. Aber du bringst mit deiner Arbeit Geld nach Hause, dass ist schon mal ein guter Beweis, dass du arbeitest.
    Mein GG ist auch ‚Freelancer‘, und er arbeitet manchmal zuhause (meistens aber im Ausland). Aber das wird von allen Familienmitgliedern anerkannt. Der darf nicht gestört werden an seinem Schreibtisch.
    Ganz anders sieht das bei mir aus, wenn ich an meinem Roman schreibe. DAS ist nur Hobby, bringt ja kein Geld ein, und das muss immer hinten anstehen. Da kann man immer stören und fragen, Mama, kannst du mal…

    • Dass man beim Schreiben nicht gestört werden darf, ist auch schwer zu vermitteln, wenn man dafür Geld bekommt, falls dich das tröstet. Nachdem René und ich zusammengezogen sind, habe ich auch erst erklären müssen, wie ärgerlich es ist, mitten im Satz aus der Geschichte gerissen zu werden.

      Und eine Heizdecke ist sicher allgemein hilfreich. Ich finde es nur lustig, dass wir jetzt eine haben, ohne je auch nur am Rande angedeutet zu haben, eine zu brauchen 😉 Eltern halt …

  3. Also, bei mir gibts ja noch die Morgenbeschäftigung an der Arbeit, aber meine Eltern raffen das auch nicht immer. Ich hab fingerlose Handschuhe, wenn es mir zu kalt ist, aber eine gute Hausautomatisierung, die immer fein heizt.

  4. Meine Eltern werden auch nie kapieren, was ich mache, und das galt auch noch als ich jeden Tag um 9 zur Arbeit ging. Aber immerhin, da wußten sie, das Kind ist von der Straße. Naja. Andere Generation halt.

  5. Gibts bei uns auch, trotz Bürozeiten. Uns halten immer alle anderen Geschäftsreisenden für einen Sauftouristen aufgrund fehlender Anzüge. Dabei sind es internationale Meetings in einem Internetkonzern…

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