Moderne „Dystopien“ und SF

Bisher ist die Sache mit den Dystopien mehr oder weniger an mir vorbeigegangen. Ich habe mehrmals mit dem Gedanken gespielt „Tribute von Panem“ zu lesen, aber der Klappentext klang nie so umwerfend spannend, dass er einen sofortigen Kaufreflex ausgelöst hätte, also habe ich es gelassen. Allerdings werde ich den Film noch schauen … irgendwann.

Dann lag plötzlich „Flammen über Arcadion“ von Bernd Perplies in meinem Briefkasten, und das musste ich natürlich lesen.

Was ich erwartet habe: Einen großen Schwerpunkt auf der Liebesgeschichte und eine vage dystopische Zukunftvision, die aber auf keinen Fall zu sehr nach Science Fiction riecht, weil das verkauft sich ja nicht.

Was ich bekommen habe: Einen Anfang, der noch irgendwie einen Schwerpunkt auf der Liebesgeschichte vermuten ließ, dann aber relativ schnell Warhammer-40k-verdächtigen Templerrüstungen, künstlich gezüchteten Menschen, richtig fiesen Inquisitoren, Schießereien, Verfolgungsjagden, geheimnisvollen Flugkapseln, Strahlenmutanten und der Beschreibung verschiedener militärischer Fahrzeuge Platz gemacht hat.

Und ich dachte mir: „Ach, so viel Science Fiction darf man in so was also reinpacken?“

Ich wusste schon, dass Dystopien eine Möglichkeit sind, den Leuten SF zu verkaufen, ohne dass sie merken, dass es SF ist. Aber dass man das so offensichtlich machen kann und damit durchkommt, hätte ich nicht gedacht.
Aber es funktioniert tatsächlich, man kommt damit durch. Das Buch wird auf Amazon mit „Fantasy“ und mit „Dystopie“ getaggt, aber nicht mit „Science Fiction“. Auf der Buchmesse noch habe ich mit der Buchbloggerin Yvonne Staller gesprochen, die mir sagte, dass sie keine Science Fiction liest. Aber „Flammen über Arcadion“ hat von ihr fünf Sterne bekommen.
Es ist erstaunlich, wie viel die Zugabe einer Liebesgeschichte und eine neue Genrebezeichnung ausmachen.

Übrigens bin ich erst davon ausgegangen, dass Bernd das alles genau gewusst hat und nur eine Dystopie geschrieben hat, um heimlich SF schreiben zu dürfen. Man muss als Autor ja erfindungsreich sein, um an sein meistgeliebtes Genre zu kommen 😉 Aber da habe ich mich geirrt, wie es aussieht. Offentsichtlich hat er sich selbst damit überrascht. Auch nicht schlecht …

2 Gedanken zu „Moderne „Dystopien“ und SF

  1. Meine Chefredakteurin hatte mich gebeten, einige Fragen an Bernd Perplies für ein Interview zu liefern. Da ich ja zu Flammen über Arcadion (erscheint in der nächsten Phantastik-Couch) eine Rezension machen sollte.
    Eine meiner Fragen war folgende:
    Warum läuft das nicht unter Science-Fiction? Gibt es einen Unterschied zu herkömmlichen Science-Fiction-Romanen?
    Ich weiß allerdings nicht, ob Eva das Interview mit Bernd schon geführt hat.
    Na, ich werde jetzt erst mal auf FB die Posts dazu lesen.

    Und in meinen Augen sind die Hunger Games / Tribute von Panem auch Science-Fiction, genau wie Jenny Benkaus Dark Canopy und noch einige andere Dystopien. Wie man weiß, verkaufen sich die alle gut, auch an Mädchen, die ‚NIEMALS‘ SF lesen würden.

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