Selfpublishing und Marketing

Ich habe momentan 300 Twitter-Follower. Meiner Schätzung nach setzt sich ein nicht unbeträchtlicher Anteil davon aus Leuten zusammen, die mir folgen in der Hoffnung, mir ihr selbst herausgegebenes eBook zu verkaufen. Es tut mir fast ein wenig leid, dass ich nie eines davon lesen werde, da ich weder die Zeit noch die Lust habe, mich durch einen Haufen schlechter Texte zu wühlen, bevor ich die paar Perlen finde, die sich darunter vielleicht verstecken. Das habe ich in diversen Verlagspraktika oft genug getan, und es ist meistens sehr frustrierend.
Allerdings tut es mir auch immer nur so lange leid, bis ich es wieder mit einem von den Leuten zu tun bekomme, die mir ständig Direktnachrichten mit Links zu ihren Büchern schicken. Oder die mich mit irgendeinem Spruch anschreiben, der eher schlecht als recht verbirgt, dass sie nicht an einem Gespräch interessiert sind, sondern nur daran, mir etwas zu verkaufen.

Ich weiß nicht, ob es irgendwelche Selfpublishing-Ratgeber gibt, die einem nahe legen, Marketing auf diese Art zu betreiben. Aber wenn, dann waren die ihr Geld eindeutig nicht wert. Auf mich hat eine solche Taktik nämlich eher eine abschreckende Wirkung. Es widerspricht komplett allem, weswegen ich in sozialen Netzwerken unterwegs bin. Ich möchte dort interessante und lustige Dinge lesen und mich mit anderen Leuten über eben diese Dinge unterhalten können, wenn ich will. Das hundertachtundsechzigstausendste „Mögen Sie Fantasy? Dann sollte diesen Roman auf keinen Fall verpassen!!!11“, dem man die Verzweiflung des entsprechenden Autors so richtig anmerkt, weil er dachte, Selfpublishing sei einfach, und nun stellt sich heraus, dass es in Wirklichkeit verdammt viel Arbeit ist … das gehört definitiv nicht dazu.

8 Gedanken zu „Selfpublishing und Marketing

  1. Ahaha … Danke!
    Meine erste Reaktion auf so was ist auch, mit fest vorzunehmen, die Bücher NIE zu lesen. Ich bin da wohl gemein, aber Leid tun mir die Leute gar nicht. Dabei passiert es mir sicherlich ein paar Größenordnungen seltener als die.

    • Mir tun sie immer leid, weil ich diese Verzweiflung halt ein bisschen kenne. Ob man jetzt versucht, Verlage dazu zu bringen, das eigene Werk wahrzunehmen und gut zu finden, oder eben potenzielle Leser … der Unterschied ist nicht so groß. Und ich war ja nun mal mehrere Jahre auf Verlagssuche, bevor es geklappt hat. Man denkt ständig, man hätte etwas Großartiges geschaffen und müsste nur endlich mal jemanden dazu bringen, einem Aufmerksamkeit zu schenken. Nur dass das, was man da geschaffen hat, in Wirklichkeit gar nicht so großartig ist, das merkt man erst nach einer Weile.

      • Ich kann die Verzweiflung auch nachvollziehen, so sollte es auch nicht klingen.

        Aber es ist halt eine Frage von so was wie gesundem Menschenverstand. Ich finde das mit Verlagen schon ein wenig anders – Verlage sind ja auf die Bücher angewiesen, fordern neue Autoren auf, ihnen die Bücher zuzusenden (über bestimmte Kanäle natürlich, in begrenztem Maße, etc.). Als Leserin – in meinem Fall z.B. bei Goodreads oder auf sonstigen sozialen Netzwerken, wo ich Lesen als Hobby eingetragen habe – frage ich nicht nach Buchempfehlungen, sondern es drängt sich mir jemand ungefragt auf. Und schlimmstenfalls muss ich 2 Minuten meiner Zeit verschwenden. Oder im Gegenteil freue mich, weil ich denke, gerade eine nette Nachricht von Freunden/Bekannten bekommen zu haben und dann …

  2. Um. Zweiter Versuch. Zunächst mal zum Marketing:
    Irgendwie erinnert mich die Art Marketing an die Art, wie einige Schulabgänger Bewerbungen schreiben. „Ich hab 150 Stück rausgehauen und keiner hat mich genommen!“ Ja, wer hätte das gedacht – schon zu meiner Schulzeit haben Leute Spam einfach gelöscht. Auch als ich mich selbständig gemacht habe, gab es Ratgeber, die meinten, man müsse 100 potenzielle Kunden anschreiben, bevor man einen Auftrag kriegt. Ich habe für mich festgestellt, dass man mit Networking und sehr spezifischer Ansprache eine deutlich höhere Trefferquote hat. Dafür macht jedes einzelne auch viel mehr Arbeit. Und die Frustration einer persönlichen Absage ist höher.

    Punkt zwei und quasi direkt zum Thema: Ich öffne gerade das „Katastophengebiet“ von LJ aus und ein Pop-Up blockiert ein gefühltes Drittel des Bildschirms mit der markigen Webung „Folge “Katastrophengebiet” – Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang. – Schließe dich 334 Followern an – Enter email address here.“
    Das Pop-Up war nicht so ohne weiteres weg zu bekommen. Erst mit dem Pop-Up-Blocker kann ich es jetzt vom Bildschirm entfernen.

    Ich nehme mal stark an, das war nicht deine Idee, aber manchmal zwingen einen bescheuerte Anwendungen sogar schon zum Spammen. So’n Blödsinn!!!

    • Vielen Dank für den Hinweis bezüglich Popup. Das war definitiv nicht meine Idee. Ich schaue sofort, wo ich das abstellen kann.

    • So, ich glaube, es ist jetzt abgestellt. Sag mir bitte Bescheid, wenn so etwas noch mal passiert. Ich hatte das bei mir nicht, auch in ausgeloggtem Zustand nicht, und bei meinem Freund ist es auch nicht aufgetaucht, obwohl der immer mal schaut, ob irgendwas Nerviges hier aufpoppt. Auf seinen Hinweis hin habe ich vor Kurzem auch eine Erweiterung gekauft, dass hier keine Werbung angezeigt wird, weil es wohl hin und wieder welche gab.

      • Bei mir ist es jetzt weg 🙂 Ich dachte mir, dass das WordPress-Spezial ist, und da du gerade sagtest, das ist nicht die Art Self-Marketing, die dir liegt… *g*

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