Was Autoren verdienen und verdienen sollten

Ich hatte vor Kurzem ein Gespräch mit einem sehr netten Bekannten, in dem dieser mich fragte, warum ich eigentlich nicht darauf hinarbeite, als Autorin nach Arbeitszeit bezahlt zu werden.
Nachdem ich damit fertig war, hystherisch zu lachen, habe ich versucht, zu erklären, wie der Buchmarkt in dieser Hinsicht funktioniert. Aber ich weiß nicht, wie gut ich es hinbekommen habe. Ich versuche es hier noch mal, da dieses Thema ja vielleicht andere Leute auch interessiert.

Zuerst einmal folgendes: Wie lange man braucht, ein Buch zu schreiben, variiert. Es hängt davon ab, wie lang das Buch ist, wie schnell man schreibt, wie gut es läuft, wie anspruchsvoll der Stoff ist und wie perfektionistisch man selbst. Die meisten Leute brauchen mindestens ein halbes Jahr (wenn man nebenher nichts anderes tut). Ich habe abzüglich der Unterbrechungen wahrscheinlich ein Jahr in „Aeternum“ gesteckt.
Gehen wir mal davon aus, man würde als Autor 2000 Euro im Monat verdienen wollen (wovon dann noch Krankenkasse und Steuern usw. abgezogen werden). Dann bekäme man pro Stunde immerhin etwas mehr, als René momentan im Callcenter bekommt. Allerdings würde man gleichzeitig ziemlich viele unbezahlte Überstunden machen, da die wenigsten Autoren nur 8 Stunden am Tag, 5 Tage die Woche arbeiten. Aber insgesamt klingt das nach Bedingungen, unter denen viele Leute ihr Geld verdienen, oder?

Nach der Rechnung hätte ich, um meine Arbeitszeit wieder reinzuholen, 24000 Euro Vorschuss für „Aeternum“ bekommen müssen. Um es gleich zu sagen: Davon kann ich nur träumen. Und dabei kann man dem Verlag nicht mal vorwerfen, gemein gewesen zu sein, mich übers Ohr gehauen zu haben und all die Gewinne, die „Aeternum“ einbringt, in der eigenen Tasche verschwinden zu lassen. Die Sache ist einfach die, dass man eine umwerfende Menge an Büchern verkaufen müsste, damit sich ein Roman, für den man 24000 Euro Vorschuss bekommt, am Ende für den Verlag rechnet*. Oder aber man müsste den Roman so teuer machen, dass kein Mensch bei klarem Verstand ihn mehr kauft, was einen auch nicht weiterbringt. Wenn man 24000 Euro Vorschuss bekommt, bedeutet das, dass der Verlag einen Bestseller von einem erwartet.

Jetzt gehen wir mal davon aus, ich hätte nur ein halbes Jahr für Aeternum gebraucht. Dann sähe es schon besser aus (abgesehen davon, dass die Menge der unbezahlten Überstunden, die wir hier ignorieren, garantiert größer wird). Allerdings bewegen sich Vorschüsse für Debütromane generell eher unter 10000 Euro. Es schwankt zwischen ziemlich weit darunter und recht nah dran. Dank meiner Agentin, die gut verhandelt hat, bin ich näher dran als manch anderer. (Dafür bekommt meine Agentur davon auch 15%.) Aber damit wir bei 2000 Euro im Monat rauskommen, bräuchte es ja nicht nur 10000, sondern 12000. Wenn man 12000 Euro für einen Roman bekommt, verspricht sich der Verlag davon auch schon ziemlich viel, vor allem bei einem Debütroman.

Nun meinte besagter Bekannter, wenn Leser wüssten, wie lang man für Romane braucht, wären sie bereit, mehr für ein Buch zu bezahlen. Ich glaube nicht und ich glaube, dass die meisten Leser wissen, wie lange es dauert, ein Buch zu schreiben. Jeder hat schon mal ungeduldig auf ein neues Werk seines Lieblingsautors gewartet, oder?
Allerdings könnt ihr die Gelegenheit gerne nutzen, um mir zu sagen, dass ich mich irre.

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*Ich kann keine Buchkalkulation, ich weiß nicht, wie viel. Aber ich weiß, dass es selbst mit den Vorschüssen, die tatsächlich bezahlt werden, immer passieren kann, dass ein Buch das Geld, das man für seine Herstellung ausgegeben hat, nicht reinholt.

6 Gedanken zu „Was Autoren verdienen und verdienen sollten

  1. Ich kann nur bestätigen, dass der durchschnittliche Leser bzw. die Leserin keine Ahnung von den Zahlen und vom Aufwand hat. Der Berufsstand des „Schriftstellers“ hat keinen sonderlich guten Ruf, sondern oszilliert zwischen „kann ich auch, hab nur keine Lust“ und „Einsiedler, der sein Herzensblut in einer Hütte ohne Strom in der Normandie literarisch vergießt“ und deswegen bleiben die Fakten, vor allem der deutschen Verlagslandschaft, leider ungeachtet.

  2. Aber toller und wichtiger Artikel!!

    Ehrlich gesagt sehe ich das leider so wie du:

    Der Durchschnittsleser will gar nicht unbedingt wissen, wie lange ein Autor für ein Buch braucht und es ist ihm auch ziemlich egal. Was ihm nicht egal ist, ist der Preis.
    Der Durchschnittsleser gibt meiner Erfahrung nach bzw. nach dem, was man mir so erzählt hat – und ich berufe mich auf verschiedene Quellen – lieber 10,- EUR für ein Taschenbuch aus als 15,- EUR für ein Paperback, einfach weil’s billiger ist. Und der Vielleser, der des Englischen bewandert ist, kauft sich auch lieber für 6,- EUR die US-Ausgabe als für 10,- EUR die deutsche Übersetzung.

    Das ist leider so.

    • Ja, eben. Es wird ja schon die ganze Zeit über Buchpreise gejammert. Und ich kann auch gut verstehen, dass man nicht so viel für ein Buch ausgeben will, wenn man viel liest. Jede Woche ein Buch, das sind ja so oder so schon ein paar 100 Euro im Jahr.

  3. Es stimmt schon – eine Vorstellung vom Zeitaufwand eines Autors bekommt man erst, wenn man sich eher mit der Materie beschäftigt. Dann ist aber auch schnell Ende mit der Vorstellung vom Traumberuf Autor. Der andere Punkt ist halt, dass ich zumindest schon hin- und her überlege, welche Bücher ich mir überhaupt leisten kann. Theoretisch würde ich gerne mehr zahlen, praktisch bin ich schon so am Jonglieren, welche Bücher neu hinzu kommen. Vermutlich geht es da nicht nur mir so. Bin ja nicht der einzige Mammutleser.

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