Vorbilder und so

Auf Robots & Dragons gibt es ein Interview mit Christian Humberg und mir zu „Sorge dich nicht, beame!“. Und darin findet sich unter anderem folgende Aussage von mir:

Ich habe zum Beispiel Star Trek mit Voyager begonnen und fand Captain Janeway immer ganz toll. Das war eine Frau, die ein Raumschiff kommandiert hat und das hat mir selber sehr viel Mut gegeben, als Frau sozusagen nach den Sternen zu greifen.

Das hatte auf Facebook ein paar Witzeleien zur Folge, denn unter Star Trek-Fans gilt Voyager zu mögen größtenteils als Zeichen schlechten Geschmacks.
Für mich war Voyager aber wirklich wichtig, ganz unabhängig von der Qualität der Serie, und ich möchte das mal kurz genauer erklären, weil die ganze Sache Bezug auf ein viel größeres, allgemeinere Thema nimmt:

Als ich in einem war, in dem man noch leicht zu beeindrucken ist, habe ich viele Disney-Filme gesehen. Und damals gab es noch keine Charaktere wie Merida. Damals waren die Disney-Prinzessinen noch richtige Prinzessinen, die zusammen mit niedlichen Tieren Lieder gesungen haben, in denen es darum ging, dass sie auf ihren Traumprinzen warten.
Ich habe auch viel Hohlbein gelesen, in dessen Büchern immer ein dummer Junge die Welt gerettet hat, und Frauen höchstens mal eine Nebenrolle spielten. (Bis auf den einen Roman, in dem er den Namen des dummen Jungen einfach durch den eines Mädchens ersetzt hat.)
Und dann bekam ich von gutmeinender Verwandtschaft noch so Sachen wie „Hanni und Nanni“ geschenkt (immerhin war ich ja ein Mädchen). Dazu muss ich, glaube ich, nichts sagen.

Auch wenn es in den unzähligen Büchern, die ich verschlungen habe, sicher auch mal starke Frauenfiguren gab, waren die doch immer in der Unterzahl und haben keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Der Eindruck, der blieb, war dagegen folgender: Als Frau muss man hübsch und nett und freundlich sein. Manchmal kann man durch Klugheit sogar ein bisschen was Sinnvolles zur Handlung beitragen, manchmal darf man ein wenig frech sein (allerdings immer weniger, je älter man wird). Aber die ganzen wirklich wichtigen Dinge machen die Männer.
So was setzt sich im Unterbewusstsein fest, auch wenn man nie bewusst darüber nachdenkt.

Captain Janeway war für mich deshalb so was wie eine Offenbarung. Die stand auf der Brücke und sagte so Zeug wie „Photonentorpedo abschussbereit machen!“, und irgendein braver Lieutenant beugte sich sogleich über seine Konsole sah zu, dass er den Befehl so schnell wie möglich in die Tat umsetzte. Captain Janeway wurde auch mal wütend. Sie versuchte nicht immer nett und freundlich zu sein. Sie wollte ihr verdammtes Schiff nach Hause bringen, und wer ihr dabei im Weg stand, der hatte ein Problem.
Und vor allem war sie eine Frau, die sich nicht weniger um ihr Aussehen hätte kümmern können. Ich wusste vorher gar nicht, dass so was möglich ist.

Deshalb bleibt sie meine Heldin, und ich habe es bisher vermieden, Voyager noch mal zu schauen, um meine Kindheitserinnerungen nicht zu ruinieren.

3 Gedanken zu „Vorbilder und so

  1. Ich habe sie auch immer gemocht und tue es noch. UND ich sehe sie Serie immernoch gern. Ich finde, dass der Doktor, zB eine sehr geniale Figur ist.

  2. Ich bin kein Trekkie, aber ich habe Star Trek immer gerne geguckt. Angefangen habe ich natürlich mit Raumschiff Enterprise – ich bin ja schon etwas älter – und auch The next Generation mit Picard mochte ich gerne. Die Abneigung mancher Trekkies gegen die Voyager-Staffeln kann ich nicht ganz verstehen. Ich habe die Voyager meistens zusammen mit meinem Sohn geguckt und Captain Janeway ist super. Du hast völlig recht, es gibt leider immer noch viel zu wenig gute Frauenfiguren und Janeway ist da die Ausnahme.

  3. Ich weiß jetzt nicht, ob man schon ein Trekkie ist, wenn man Phaser toller als Lichtschwerter findet, aber von allen Star Trek Serien mag ich Voyager am liebsten. Und seitdem ich keine Milch mehr in meinen Kaffee schütte, fühle ich mich Kathryn Janeway („Kaffee, schwarz!“) bei jeder Bestellung im Café sehr verbunden.

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