Amazon und Fanfiction

In Amerika hat Amazon gerade eine neue Geschäftsidee bekanntgegeben. Sie nennt sich Kindle Worlds und erlaubt es, Fanfiction-Autoren in bestimmten Franchises Texte zu schreiben, die sie dann über Amazon verkaufen dürfen.
Ich bin mir noch nicht so ganz sicher, was ich davon halten soll. Für Fanfiction-Autoren, die sich schon immer geärgert haben, dass sie kein Geld für das bekommen, was sie schreiben, ist das sicher toll. Aber soweit ich das als Außenstehende verstehe, war Geld ja auch nie Ziel der Sache.
Ganz davon abgesehen, dass nicht der Autor den Großteil davon einstreicht, sondern zum einen Amazon und zum anderen die Firmen, denen die Rechte an den Serien ursprünglich gehören. Es gibt nämlich ein paar wirklich problematische Stellen in den Bedingungen für Autoren.

Zum einen:

Amazon Publishing will acquire all rights to your new stories, including global publication rights, for the term of copyright.

Eine Geschichte, die man über dieses Programm veröffentlicht, gehört danach also Amazon.

Aber es wird noch schöner:

You will own the copyright to the original, copyrightable elements (such as characters, scenes, and events) that you create and include in your work, and the World Licensor will retain the copyright to all the original elements of the World. When you submit your story in a World, you are granting Amazon Publishing an exclusive license to the story and all the original elements you include in that story. This means that your story and all the new elements must stay within the applicable World. We will allow Kindle Worlds authors to build on each other’s ideas and elements. We will also give the World Licensor a license to use your new elements and incorporate them into other works without further compensation to you.

Also theoretisch behält man das Copyright an allen eigenen Ideen, die man in seine Geschichte einbringt. Doch das nützt einem herzlich wenig, da man Amazon gleichzeitig das zeitlich unbegrenzte Recht gibt, eben diese Ideen und die Geschichte zu verwenden, wie sie wollen.
Das heißt, sie können sie umschreiben, wie sie wollen, und als gedrucktes Buch herausbringen. Ohne dass der entsprechende Autor auch nur einen Cent dafür sieht. Sie können, wie im letzten Satz festgehalten, den Machern der Serien auch erlauben, irgendwelche neuen Charaktere, die man sich ausgedacht hat, oder sonstige Elemente, in der Fernsehserie zu verwenden. Wiederum ohne dass der ursprüngliche Autor irgendeinen Cent dafür sieht oder irgendein Mitspracherecht hätte.
Das einzige Geld, das man als Autor bekommt, sind die 35% bzw. 20% von den Verkäufen der Geschichte über Amazon. Wobei man den Preis für seine Geschichte nicht selbst festlegen kann. Das tut Amazon für einen. Die meisten Leute werden von diesen Einnahmen vielleicht mal ein Eis essen gehen können, mehr aber auch nicht.

Erstmal gibt es Kindle Worlds nur in Amerika, aber wenn das funktioniert (also für Amazon), wird es ganz sicher auch nach Deutschland kommen. Ich sehe Drama voraus.

7 Gedanken zu „Amazon und Fanfiction

  1. Öhm. Sorry, aber jeder der schreibt sollte auch lesen können. Und jeder der lesen kann sollten einen Vertrag durchlesen. Und daher: wer sich auf den Vertrag einlässt, lebt mit den Konsequenzen. *schulterzuck* Ich finde da nix Tragisches dran.
    Es ist imho eine gute Möglichkeit für junge Autoren überhaupt erstmal beachtet zu werden. Mit wem sie dann für spätere Werke Verträge abschließen liegt dann ja bei ihnen.

    • Es ist auch eine gute Möglichkeit für junge Autoren, sich als jemand zu präsentieren, der auf komplett unverschämte Vertragsbedingungen eingeht.
      In Amerika gibt es wirklich einige Kurzegeschichtenmagazine, die ein ordentliches Honorar bezahlen und einem nicht für immer alle Rechte wegnehmen. Wenn man eine Autorenkarriere starten will, sollte man es besser mit einer Originalgeschichte dort versuchen. Hier in Deutschland gibt es auch einige Kurzgeschichtenwettbewerbe, Zeitschriften, u.ä. Viele bezahlen zwar kein oder ein nur sehr geringes Honorar, aber immerhin nehmen sie einem auch nicht die eigene Geschichte weg.
      Oder man kann sogar bei Amazon Originaltexte zu deutlich besseren Konditionen selbst als eBook herausgeben.
      Oder man schreibt erst mal Heftromane.
      Oder man schickt so lange Manuskripte an Agenturen, bis man einen Vertrag bekommt, was auch funktioniert, ohne dass man je zuvor irgendwas veröffentlicht hat.
      Also, wenn es einem um Beachtung geht, gibt es wirklich einige bessere Alternativen.

      Außerdem wird definitiv nicht jeder diese Bedingungen gründlich lesen oder verstehen, bevor er seine Fanfiction-Geschichte bei Amazon hochläd. Klar, kann man sagen, dass derjenige dann selbst schuld ist. Finde ich aber etwas unfair, wenn man bedenkt, wie jung viele Fanfictionschreiber sind. Da warne ich lieber vorher mal.

      • Natürlich gibts viele verschiedene Möglichkeiten was zu verkaufen. Aber das IST nunmal eine davon.

        Und ich bin immernoch der Meinung, dass jeder selbst für das verantwortlich ist, was er tut – und unterschreibt.
        Was die Jugend angeht: Minderjährige haben keine rechtsgültige Unterschrift. Daher würde da auch kein Vertrag zustande kommen. Es müsste auf jeden Fall ein Erwachsener mitunterschreiben. Womit wir wieder beim Thema lesen und verstehen wären.

        Ein BISSCHEN Eigenverantwortung muss eben einfach jeder selbst mitbringen und wenn die Bedingungen besch…eiden sind dann unterschreibt man eben nicht sondern tut eines von den vielen anderen Dingen, die du oben aufgelistet hast.
        Wo ist das Problem?

        • Ich gehe davon aus, dass diese Sache funktionieren wird wie das Selbstherausgeben eigener EBooks bei Amazon. Das bedeutet, dass man da nie irgendwas unterschreiben muss und nie nach seinem Alter gefragt wird. Man klickt einfach wie bei irgendwelchen AGB „Ich stimme diesen Vertragsbedingungen zu“. Das Einzige, was man dann noch angeben muss, ist eine Adresse und eine Kontonummer. Dann kann man Texte hochladen …

  2. Ach was, man muss gar nicht warten bis es hier rüberschwappt! 😀 Man kann Popcorn schon getrost jetzt rausholen.:/

    Im übrigen, das war ja schon lange überfällig, dass sich die Industrie dran auch was verdient, und wenn sie dann noch irgendwelche Plotbunnies oder Protas mitnehmen können, umso besser. Jeder der sowas unterschreibt ist wirklich selbstschuld.

  3. Mich nervt ein wenig dieses „selbst schuld“-Totschlagargument. Egal, ob man das Kleingedruckte im RTL-II-Vetrag nicht las, oder einfach dem Versicherungs-Typ gegenüber glaubte – immer heißt es „selbst schuld, hätteste den Spaß mal ordentlich gelesen“. Sicher hat man damit recht, aber es zeigt eine gewisse Arroganz des Bildungsbürgertums. Solche Verträge sind ja nicht umsonst elend lang und elend ekelhaft verklausuliert. Das Verstehen der Konsequenzen erfordert vollste Konzentration, die schnell von dem Hochgefühl der Verlockung überlagert wird.
    Der Dummfang mag nur die Dummen fangen, aber das sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Vertragsangebot per se hochgradig unethisch ist. Und das darf man auch dem größten Konzern vorwerfen, denn Ausbeutung ist nach wie vor kein Kavaliersdelikt.

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