Über das Freiberuflerdasein

Ich werde manchmal gefragt, wie man Lektor wird, wie gut man davon leben kann und wie das mit dem Freiberuflerdasein eigentlich funktioniert. Ich erzähle dann immer, wie es für mich funktioniert, denn es funktioniert für jeden ein wenig anders. Bisher habe ich nur eine Sache ausmachen können, die wirklich universell zu sein scheint:

Wenn man nicht gerade supererfolgreich mit einer Sache ist und die Leute einem Geld dafür hinterherwerfen, dass man sie tut, dann sollte man als Freiberufler mehr als eine Sache tun.
Ich habe eine Excel-Tabelle, in die ich immer eintragen, was ich womit verdiene, und die hat momentan sechs Reiter: Lektorat, Romane, Gutachten, Artikel, Übersetzungen, Sonstiges.
Letztes Jahr stand die bei Weitem größte Summe bei Lektorat, und Übersetzungen gab es noch nicht. Dieses Jahr steht die bei Weitem größte Summe bisher bei Romane. Ich bin mir gar nicht so ganz sicher, wie das passiert ist, abgesehen davon, dass ich vielleicht nicht ganz so viel Energie in den Versuch gesteckt habe, Lektoratsaufträge zu bekommen. Würde ich nur lektorieren, hätte ich mich da wahrscheinlich mehr bemüht. Die Frage wäre natürlich, ob diese Bemühungen von Erfolg gekrönt gewesen wären. Vielleicht hätte ich ohne das Schreiben ziemlich dumm dagestanden, die Katzen hätten hungern müssen und die letzte Stromrechnung (die ein bisschen gruselig war) hätte eine Katastrophe dargestellt. Genauso wie ich letztes Jahr ohne das Lektorieren ziemlich dumm dagestanden hätte und womöglich aus purer Verzweiflung hätte anfangen müssen, Arztromane zu schreiben, oder so.
Deshalb sollte man immer einen Ausweichplan B, C, D, E und F haben.

4 Gedanken zu „Über das Freiberuflerdasein

  1. Siehste, und schon das Gegenbeispiel: Bei manchen Freelancern nimmt dann plötzlich ein Projekt soviel Raum ein, dass auf den anderen Reitern nichts mehr steht. Aber ich stimme im Prinzip zu: Gerade wenn man anfängt oder wenn man lauter Kleinaufträge hat, dann ist es wichtig, mehr als ein Standbein zu haben.

    • Stimmt, in deinem Bereich scheint es noch mal anderes zu funktionieren. In der Buchbranche ist glaube ich, im Vergleich zu dem, was du da hast, jeder Auftrag ein Kleinauftrag.

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