Die letzten Tage

Irgendwie habe ich seit Mittwoch das Gefühl, in einer sehr surrealen Welt zu leben. Ich fasse mal zusammen:
In Frankreich wurden 12 Leute bei einem Terroranschlag erschossen, und das ist ohne Frage scheußlich, gleichzeitig aber auch ein großer Tag für die Pressefreiheit, weil plötzlich jeder bemerkt, wie wichtig das Recht ist, kritische Karrikaturen zu zeichnen, bei denen manchen Leuten vieleicht das Lachen im Hals stecken bleibt. Dieselben Leute, die sich jetzt vehement für dieses Recht einsetzen, werden wahrscheinlich trotzdem wieder heulen, wenn es sie selbst oder ihre eigenen Überzeugungen trifft, aber zumindest wurde mal drüber geredet.
Leider wird außerdem wieder darüber diskutiert, ob eigentlich der Islam schuld ist oder nicht, als hätte der Islam ein Monopol auf Arschlöcher, die irgendeine Ideologie nehmen, sie kräftig mit Fremdenhass würzen und dazu verwenden, die dummen und unzufriedenen Massen zu irgendwelchen schrecklichen Taten aufzustacheln. Ernsthaft … kommt das nicht bekannt vor? Ich gebe mal einen Tipp: Zweiter Weltkrieg.
Was uns zu dem Schluss bringt, dass es vielleicht nicht am Islam liegt, sondern daran, dass die Menschheit generell zum einen aus Arschlöchern und zum anderen aus leichtgläubigen, leicht von einer dämlichen Ideen zu begeisternden Idioten besteht.
Alle Angehörigen anderer rückwärtsgewandter Religionen freuen sich jetzt aber natürlich, weil ihre Anhänger im Vergleich sogar noch ganz gut dastehen. Nur die Westboro Baptist Church ärgert sich vielleicht ein bisschen, dass ihr jemand das Rampenlicht stielt.
Gleichzeitig labern Mitglieder christlicher Parteien irgendwas davon, dass religiöses Recht nichts in deutschen Gerichten zu suchen habe (Echt jetzt? Wer hätte das gedacht, wo wir doch eine Trennung von Staat und Kirche haben?), und hoffen wahrscheinlich still und leise, dass niemandem auffällt, dass sie ständig versuchen, ihre christlichen Wertvorstellung irgendwie in der Gesetzgebung zu verankern.
Und zuletzt rutschen unsere eigenen leichtgläubigen Idioten mal wieder ein Stück in eine Richtung, an deren Ende sie genauso bereit wären, nach einer Waffe zu greifen und auf Menschen zu schießen, wie die Leute, vor denen sie jetzt Angst haben. Einfach weil sie glauben, im Recht zu sein.

Und ich gehe jetzt und melde mich für die erste bemannte Marsmission, oder so.

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