Anfänge

Ich habe eine Schreibgruppe in der Stadtbibliothek in Heilbronn. Meistens sprechen wir dort über Texte, die wir geschrieben haben. Manchmal gibt es nicht genug Texte, über die wir sprechen könnten. Dann machen wir kleine, blödsinnige Übungen. Wie zum Beispiel „Anfänge schreiben und dann von den anderen das Genre raten lassen“. Diesen Anfang habe ich heute geschrieben. Ich dachte, er sollte der Nachwelt erhalten bleiben 😉

Die Nacht, als ich noch einmal heimlich zum Kühlschrank schlich, um ein Marmeladenbrot zu essen, war die Nacht, in der sie kamen. Ich sah das Licht durch das Küchenfenster. Es war so hell, dass die Wellensittiche in ihrem Käfig aufwachten, um den neuen Morgen zu begrüßen. Ich spürte die Erschütterung, die von meinen Füßen durch meinem ganzen Körper ging und von dort in das Marmeladenbrot, so dass ein süßer, klebriger Tropfen über die Kante rutschte und auf einem meiner Hausschuhe landete.
Dann, schlagartig, wurde es still und dunkel. Ich starrte das Licht der Uhr am Herd an und war froh, dass die Wellensittiche dasselbe gesehen hatten wie ich. Sonst hätte ich vielleicht geglaubt, ein wenig verrückt zu werden.
Ich fragte mich, ob ich nach draußen gehen sollte. Nachsehen, was das gewesen war. Aber was auch immer es war, ein geheimes Regierungsprojekt, Außerirdische, Leute aus einer anderen Dimension … In Schlafanzug und Schlappen würde ich keinen guten Eindruck machen. Also aß ich zuerst das Marmeladenbrot.
So fanden sie mich am Küchentisch. Immer noch in Schlafanzug und Schlappen.

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