Star Wars (mit Spoilern)

Der neue Star Wars Film war ganz in Ordnung … schätze ich. Der folgende Blogeintrag könnte ein paar Spoiler enthalten. Wer den Film noch nicht gesehen hat, sollte also nicht weiterlesen.

Wirklich …

Ich meine es ernst …

Letzte Chance, das Fenster zu schließen.

Also, erst mal die Dinge, die ich gut fand:

– Rey. Vor allem ihr: „Warum hältst du meine Hand? Ich weiß, wie man rennt!“ Rey war ziemlich gut.
– Die Art, wie sie die alten Charaktere eingebaut haben.
– Der Humor, der sich zur Abwechslung mal nicht rein auf Droiden oder tollpatschige Viecher mit schlechter Grammatik verlassen hat.
– Der ganze Handlungsstrang um Han Solos und Leias Sohn (wenn auch nicht der Sohn selbst).
– Die „Nazi-Propaganda-Szene“, wie René sie nennt. Die mit der Rede. Einfach nur, weil sie gut gespielt war und dieser General wirklich komplett wahnsinnig rüberkam. Es wäre nur super gewesen, wenn die nicht so aus dem Nichts gekommen wäre, sondern tatsächlich irgendeinen Zweck erfüllt hätte.

Jetzt zu den Dingen, die ich nicht gut fand.
Der ganze Film sah irgendwie aus wie eine Collage aus Stücken der alten Filme. Wir hatten das obligatorische große Raumschiff am Anfang, einen Wüstenplanet, etwas, das fast aussah wie ein Podracer, einen Schneeplanet, den Todesstern, einen Jägeranflug auf den Todesstern, während sich anderswo Leute bemühen, die Schutzschilde auszuschalten … und natürlichen die Falcon, Schmuggler-Gangsterbosse, eine Cantina-Szene … und ich habe sicher was vergessen.
Gleichzeitig wirkte die Welt sehr klein. Von jedem Planeten konnte man mit bloßem Auge sehen, wie die anderen Planeten vom Todesstern abgeschossen wurden. Von der Neuen Republik kriegt man gar nichts mit, und warum es überhaupt sowohl eine Neue Republik als auch den Wiederstand gibt, wird nicht klar. Im Vergleich wirken selbst Episoe 1 – 3 innovativ. Die haben der Welt immerhin was Neues hinzugefügt.
Auch die Charaktere bleiben irgendwie hinter ihren Möglichkeiten zurück. Anstatt vernünftig Charakterentwicklung zu zeigen, führen die Charaktere zwischen ausgedehnten Action-Szenen kurze, oft ziemlich platte Gespräche über ihr Befinden in der Art von: „Wir haben ja immer viel gestritten.“ (Nachdem sie im ganzen Film praktisch gar nicht streiten.) Oder: „Ich sehe in deinen Augen, dass du jemand bist, der weglaufen will.“ (Nachdem er sich die erste Hälfte des Films eigentlich ziemlich heldenhaft geschlagen hat.)

Und dann ist da noch Kylo Ren … In dem Kino, in dem wir waren, herrschte generell recht gute Stimmung, die Leute haben gelacht und kommentiert und sowieso … bis Kylo Ren seine Maske abgenommen hat. Dann herrschte plötzlich betretene Stille.
Ich weiß nicht, vielleicht war es ja Absicht. Vielleicht dachte sich Abrams: „Hey, nachdem die Leute Anakin in der neuen Trilogie ja so unglaublich schlecht gecastet fanden, casten wir für den Antagonisten in Episode 7 einfach mal einen Typen mit Schmollmund, Föhnfrisur und Dackelblick. Dann werden sie endlich sagen, dass Anakin so schlecht nun auch wieder nicht war! Damit ihn auch ja niemand ernst nehmen kann, machen wir ihn außerdem zu einem weinerlichen Vader-Fanboy, der hin und wieder Tobsuchtsanfälle hat.“
Sehr, sehr uncool …

6 Gedanken zu „Star Wars (mit Spoilern)

  1. Also ich glaube ja, dass der Film zeigt wie postmodernes Kino funktioniert: wir machen was, was für Kinder irgendwie spannend ist und bauen ganz viele Sachen ein, die die Eltern schon kennen. Es wirkt als hätte man die Hälfte der Szenen nur drin, damit Menschen, die mindestens mein Alter haben, Spaß daran haben zu reminiszieren.

    Also ich finde ja, Kylo Ren steht in der etablierten Star Wars Tradition, dass der „Böse“ ein innerlich zerrissener Depp ist, der eigentlich gar nicht böse sein will, sondern nur ein Opfer eines manipulativen Oberbösen ist. Das ist halt entweder total platt und tief philosophisch.

    Meine Frage zu Kylo Ren war ja eher: wie kriegt der die Haare unter den Helm, dass die nicht unten raushängen?

    • Ich finde es erstaunlich, dass das funktioniert. Also, ich weiß, dass das Gehirn irgendwelche positiven Botenstoffe ausschüttet, wenn man etwas sieht oder hört, das man schon kennt. Aber dass das tatsächlich ausreicht, um diese Begeisterungsstürme auszulösen, finde ich wirklich bemerkenswert. Mir war bei dem Anflug auf den Todesstern ernsthaft langweilig. Wenn ich X-Wings sehen will, die versuchen den Todesstern kaputt zu machen, dann schau ich die alte Trilogie.

      Was Kylo Ren angeht, fand ich Darth Vader irgendwie sinnvoller. 1. hat der zumindest in der alten Trilogie nicht die ganze Zeit rumgeheult. 2. hatte der so was wie einen Grund. So schlecht die neue Trilogie auch ist, sie zeigt, dass Anakin eine beschissene Kindheit hatte und so eine Art Verlusttrauma. Das hätte alles besser dargestellt werden können, aber es macht zumindest ansatzweise nachvollziehbar, dass mit ihm etwas kaputt ist, was am Ende dafür sorgt, dass er auf die dunkle Seite wechselt.
      Kylo Ren hatte nach allem, was man bisher gesehen hat, eine recht vernünftige Kindheit. Ich meine, seine Mutter ist ja nicht gerade arm, oder so. Und seine Eltern sind beide noch am Leben und auch sicher keine schrecklichen Eltern gewesen. Also zumindest nicht überdurchschnittlich schlecht. Der einzige sichtbare Grund für ihn, auf die dunkle Seite zu wechseln, ist sein Vader-Fanboytum. Das ist nicht viel.

      • Naja, am Ende grast man da die Nostalgie ab. Es gibt sowas wie eine Erwartung an Star Wars. Und der wird halt der Film komplett gerecht, von der hanebüchend konstruierten Story, bis zum nichtssagenden Ende. Ich war jetzt auch eher akademisch interessiert, wie sie das erzählen und das ist alles gut gemacht. Es ist Star Wars, wie es erwartet wird.

        Am Ende wird rauskommen, dass Luke irgendwas total Obi-Wan mäßig verkackt hat. Deswegen ist er ja auch verschwunden oder so. Kylo ist halt jetzt schon das Opfer des bösen Sith.

        Im übrigens hat mich die deutsche Synchro fast wahnsinnig gemacht: das ist nicht die ERSTE ORDNUNG sondern der ERSTE ORDEN!

  2. Und wieso nicht das/der Erste Gebot/Befehl? Vorschrift, Kommando (militärisch), Folge (nach dem Imperium).
    Das ist eine militärische Einheit, kein religiöser Verein mit Ringelpitz zum Anfassen.

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