René schreibt – mit Kommentaren

Gerade kam René rein, setzte sich mir gegenüber hin und guckte seeehr erwartungsvoll.
Ich: „Was ist jetzt los?“
René: „Ich hab dir eine Mail geschickt.“
Ich: „Du hast …? Oh ja.“

Es war ein Stückchen Text, das wohl die Fortsetzung oder zumindest ein neuer Teil hiervon sein sollte. Es begann so:

Ich hasse den Sommer! Es ist heiß, man will eigentlich nur irgendwo liegen und sterben und trotzdem bin ich gezwungen, immer wieder die angenehm klimatisierte Wache zu verlassen, weil bei irgendwem ein paar Igel unter der Eingangstreppe ficken und er denkt, da drunter verendet gerade Cthullu persönlich.

Danach konnte ich erst mal nicht weiterlesen, weil ich lachen musste.
René: „Das hab ich letztens im Fernsehen gesehen. Anscheinend schnaufen die männlichen Igel beim Sex ziemlich laut, und da hat echt wer die Polizei gerufen.“
Ich: „Allgemeinwissen, von dem man nie gedacht hätte, dass man es mal gebrauchen könnte …“
Ich setzte also noch mal an.

Ich hasse den Sommer! Es ist heiß, man will eigentlich nur irgendwo liegen und sterben und trotzdem bin ich gezwungen, immer wieder die angenehm klimatisierte Wache zu verlassen, weil bei irgendwem ein paar Igel unter der Eingangstreppe ficken und er denkt, da drunter verendet gerade Cthullu persönlich. Und sind wir Mal ehrlich, die knappe Bekleidung der Frauen zu dieser Jahreszeit wiegt das alles nicht auf.
Ich laufe also hinter der Schleuse zum Ausgang erstmal gegen die Wand aus angenehm kühler Luft, nicke ein paar Kollegen freundlich zu und dackel zum Getränkeautomaten. Nachdem die feuchtkalte Colaflasche in meiner liegt, drücke ich sie mir in den Nacken, stöhne erleichtert, während ich mir mit der anderen Hand das schweißnasse Hemd vom Rücken ziehe, was mich aus irgendeinem Grund an Klettverschluss denken lässt.
Zurück in meinem Büro falle ich in meinen ergonomisch geformten Wirbelsäulenquäler – ich muss endlich daran denken, entweder ein neues Folterinstrument zu beantragen oder mir ein Sitzkissen zu kaufen – sehe ich auf den Bildschirm und stelle mir die Preisfrage des Tages: Hat die Menschheit den Verstand verloren? Was für Drogen musste jemand nehmen, um ein sieben Monate altes Baby an einem Bahnübergang mit Kabelbindern an ein Andreaskreuz zu montieren? Ernsthaft? Hoffentlich findet unsere Pathologin heraus, dass das Kind da wenigstens schon tot war … In der Hitze von der Sonne gegrillt zu werden ist einfach nur krank. Ich sehe also gerade die Vermisstenmeldungen durch, als von nebenan dröhnendes Gelächter zu mir rüberdringt. Als es nach fast zwei Minuten immer noch nicht vorbei ist – eigentlich hätte ich mittlerweile mit dem Erstickungstod des Lachenden gerechnet, gehe ich nachsehen.
Dragerl sitzt nach Luft japsend, aber immer noch lachend an seinem Schreibtisch, während vor ihm ein Typ sitzt und nicht so recht zu wissen scheint, ob er nun beleidigt oder sauer sein soll. Man sollte es ihm verzeihen, seinem Erscheinungsbild nach hätte sein gesamter Intellekt in 15er Größe geschrieben auf ein A4-Blatt gepasst. „Was ist denn los, Dragerl?“
Der untersetzte Kollege mit dem voranschreitenden Kopfknie sieht mich an, setzt an etwas zu sagen, sieht sein Gegenüber an und lacht wieder brüllend los. Habe ich schon erwähnt, dass die Menschheit den Verstand verliert? Das denke ich, ist ein guter Beweis.
„Tobias hat mir diesen Typen hier vorbeigebracht, TÜV ist abgelaufen und er hat irgendwann angefangen, Tobias zu beleidigen, also hat er ihn einkassiert.“
„Ja, und?“
„Ich habe gerade angefangen, seine Personalien aufzunehmen.“
Langsam werde ich ungeduldig, also verdrehe ich die Augen. „Und weiter?“
„Er heißt Dewid, mit ew. Da habe ich ihn gefragt, ob er eine Schwester namens Schantalle hat.“
„OK, das ist bedingt lustig“, gebe ich zu. Mittlerweile wundert mich gar nichts mehr, was die Namensgebung der Leute angeht. Und dafür muss man nicht einmal in den Osten, Spinner haben wir auch hier.
„Das ist noch nicht alles.“ Dragerl kichert und prustet während seiner Erzählung. „Er hat ja gesagt, und seine andere Schwester heißt Schakkeline!“ Das war’s dann mit verständlichen Worten. Dragerl brüllt wieder lachend los, legt den Kopf auf den Tisch und hämmert mit der Faust darauf. Dewid mit ew sieht mich verzweifelt an und ich kann nicht anders, als ein wenig Mitleid mit ihm zu haben.

Dazu muss man wissen, dass ich René letztens die Leseprobe von „Die Schakkeline ist voll hochbegabt, ey“ vorgelesen habe. Da kommt ein Dewid vor. Mit ew. (Und ansonsten ist das Buch recht interessant.)
Ich: „Der Dewid hat dich tief beeindruckt, oder?“
René: „Ich dachte halt, du brauchst mal was zum Lachen.“

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