Depression und so

Disclaimer: Ich finde die Corona-Maßnahmen sinnvoll, und wer diesen Post verwendet, um dagegen zu wettern, kann mich mal.

Trigger Warning: Selbstmord und so

Nachdem der Disclaimer aus dem Weg ist, hier mal das eigentliche Thema dieses Posts: Depression und wie wochenlang von den meisten sozialen Kontakten abgeschottet gewesen zu sein sie wenig überraschend schlimmer gemacht hat.

Ich habe eine ganze Weile überlegt, ob ich dazu was schreiben soll, aber es soll ja anderen Betroffenen helfen, darüber öffentlich zu reden. Also versuchen wir das mal.

Ich habe schon seit einer Weile eine Depression. Mit Antriebsschwäche und sich wertlos fühlen und der ganzen Scheiße. Im Winter ist die meistens besonders schlimm, weil Sonnenlicht bei so etwas tatsächlich hilft. Was zusammenfassend heißt: Mein Winter war unlustig, und als es gerade wieder anfing, besser zu werden, kam Corona.

Depression hat eine sehr unschöne Auswirkung: Man glaubt, man ist jedem eine Last. Man glaubt auch, dass niemand einen so wirklich mag. Also, klar geben Leute sich mit einem ab, aber das tun die natürlich nur aus Höflichkeit und weil sie sich verpflichtet fühlen oder was auch immer. Was heißt, wenn man drinnen festsitzt, es keine Anlässe gibt, unter Leute zu gehen, und jeder Kontakt potenziell heißen kann, dass man jemanden mit einer gefährlichen Krankheit ansteckt, ist das Letzte, was man tut, Leuten zu erzählen, dass die Einsamkeit einen gerade langsam innerlich umbringt. Es könnte sich ja jemand verpflichtet fühlen, vorbeizukommen. Womöglich mit der S-Bahn, oder so. Während draußen eine Pandemie herrscht.
Und Leute zu bitten, mit einem zu telefonieren? Auch schwierig. Man denkt ja, dass niemand einen so wirklich mag.

Das Ende vom Lied war, dass es mir im April/Mai enorm beschissen ging. Was sicher ein Erlebnis war, das man gut in zukünftigen Romanen verarbeiten kann. Allerdings war es ein Recherche-Erlebnis, auf das ich sehr gerne verzichtet hätte. Es ist eine sehr seltsame Mischung dazwischen, überhaupt nicht mehr reflektieren zu können, was mit einem passiert, aber gleichzeitig genau zu wissen, was mit einem passiert, ohne dass man es aber groß ändern oder auch nur so wirklich glauben kann. Stattdessen führt man Gollum-mäßig immer abseitigere Gespräche mit sich selbst.

Man steht z.B. an einem Fenster, und es poppt plötzlich so ein Gedanke auf: „Hey, wenn wir uns hier kopfüber aus dem Fenster stürzen, könnte das reichen, uns umzubringen.“
Und man hält nur noch eher schwach mit dem letzten Rest Verstand dagegen: „Ist gut, Edgelord. Aber wir haben schon einen Arzttermin und dann kriegen wir Tabletten, die die Gehirnchemie wieder ins Lot zu bringen, und das ist ein deutlich weniger ekliger Weg, aus diesem Loch rauszukommen.“
– „Aber was, wenn es nicht funktioniert? Außerdem ist es noch eine Woche und wir schaffen es nicht, noch eine weitere Woche so zu existieren.“
„Schon, aber denk mal an die Leute, die die Sauerei aufwischen müssen.“
– „Stimmt, wir wollen keine Last sein, wir dürfen keine Last sein. Wir verkriechen uns wieder in unsere Höhle und starren einfach an die Wand, ja?“

Inzwischen geht es mir besser. Aber ich weiß nicht, was passiert, wenn es eine zweite Welle gibt. Es macht mich wütend, wenn in der S-Bahn Leute ihre Maske unter der Nase hängen haben, weil die Masken eine so großartige Möglichkeit sind, die Ansteckungsgefahr zu reduzieren, ohne die Bewegungsfreiheit wieder einzuschränken. Ich bin derzeit darauf angewiesen, nicht zu lange allein zu sein, damit ich stabil bleibe. Das ist nicht optimal, aber was Besseres lässt sich nur sehr langsam wieder erreichen.

Was ich derzeit außerdem enorm anstrengend finde, ist, dass ich einen Disclaimer über diesen Post schreiben musste, um zu verhindern, dass irgendwelche Verschwörungstheoretiker ihn als Bestätigung ihrer Ansichten sehen. Ich weiß nicht, ob ich im Detail alles sinnvoll finde, was wegen Corona unternommen wurde, und wenn es nur um mich ginge, würde ich eher sterben, als noch mal dahin zurückzugehen, wo ich im April/Mai war. Aber die Welt ist leider sehr unperfekt in der Hinsicht, dass sie sich nicht einzig und allein um mich dreht und man in einer Gesellschaft meistens Kompromisse finden muss zwischen den eigenen Bedürfnissen und denen anderer Leute.

Allerdings, wenn ich noch einmal jemanden argumentieren sehe, wie total unproblematisch es sei, einfach noch ein bisschen länger zu Hause zu hocken (Wie es mir jetzt schon ein paarmal untergekommen ist, wenn gegen Verschwörungstheoretiker argumentiert wird), muss ich auch schreien.

Ein Gedanke zu „Depression und so

  1. Ich kann von Depressionen auch ein Lied singen oder mehrere. Wünsche gute Besserung.
    Ich finde die Maßnahmen auch sinnvoll. Trotz meiner Depris. Aber es reicht, wenn ich darunter leide. Dann muss ich andere nicht noch mit rein ziehen.

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