Andrea Ulmers neuer Roman: Solange wir uns haben

Mein Alter-Ego Andrea Ulmer hat wieder zugeschlagen und einen neuen Roman geschrieben, der im August nächstes Jahr erscheinen wird. Inzwischen kann man ihn der Vorschau von Ullstein bewundern.

Der Titel ist „Solange wir uns haben“, und darum geht es:

Jessica Hanser, 42, dachte eigentlich, sie hätte ihr Leben als alleinerziehende, berufstätige Mutter im Griff. Aber als sie plötzlich Panikattacken bekommt, kann sie nicht mal mehr arbeiten. Ihre Teenietochter Miriam hat wenig Verständnis und findet, ihre Mutter solle sich zusammenreißen. Hilfe bekommt Jessica stattdessen von unerwarteter Seite: Ihre Nachbarin Hildegard, die mit 30 Katzen in einem Haus lebt, wird Jessica zur Freundin in schweren Zeiten. Sie zeigt ihr, dass scheue Katzen und kratzbürstige Teenager
sich gar nicht so unähnlich sind. Und dass eigentlich jeder ein bisschen verrückt ist. Doch als Miriam plötzlich wegläuft, ist Jessica panisch wie nie zuvor. Wird sie es schaffen, ihre Krankheit zu überwinden und ihre Tochter zurückzuholen?

Ein warmherziger Roman, der zeigt, dass es sich lohnt, seine eigenen Ängste zu überwinden — so schwer das manchmal auch sein mag.

Der obligatorische Buchmesse Post

Irgendwie geht dieses Jahr schneller rum, als ich mithalten kann. Jetzt war schon wieder Buchmesse. Wie konnte das passieren?

Allerdings war es schön. Ich habe „Überleben ist ein guter Anfang“ am Ullstein-Stand gefunden, was keine Selbstverständlichkeit ist, da der Roman ja schon im Februar erschienen ist.

Und den Rest der Zeit habe ich praktisch ausschließlich damit verbracht, mit Kollegen herumzuhängen, um mich über die neuesten Skandale auszutauschen. (Es gab nicht tatsächlich welche. Frechheit.) Und um die eine oder anderen Sache zu planen. (Seid gespannt.)

Als ich am Donnerstag mehr oder weniger zufällig beim Stand von Cross Cult vorbeigegangen bin, habe ich außerdem erfahren, dass Nnedi Okorafor am nächsten Tag vor Ort sein würde. (Wer wissen will, wer das nun schon wieder ist und was an der so toll sein soll, der kann sich hier meine Meinung zu ihrem Roman „Lagune“ durchlesen.) Die Gelegenheit musste ich natürlich nutzen und mir gleich ein Buch signieren lassen. Allerdings hat sie es nicht nur signiert, sondern direkt richtig hübsch verziert.

Ist es nicht schick?

Und nun geht es zurück an die Arbeit. Es müssen bis Ende des Jahres noch viel zu viele Dinge geschrieben werden.

Dinge, die vielleicht irgendwann in einem Roman landen

Manchmal habe ich so Momente, in denen ich inne halte und mich frage, wann mein Leben eigentlich so seltsam geworden ist.

Eigentlich wollte ich hier ja noch mehr von Brasilien erzählen, aber dann hat der wahnsinnige Ex-Freund einer Nachbarin dafür gesorgt, dass die Woche etwas turbulenter wurde als gedacht. Es fing damit an, dass die Polizei am Morgen klingelte und wissen wollte, ob wir etwas gesehen habe (hatten wir nicht), und die Katzen besagter Nachbarin vorerst unerwartet unversorgt zurückblieben. Und eigentlich hatte ich nur sichergehen wollen, dass jemand die beiden füttert. Wie ich mir wünschen würde dass das jemand tut, sollte René und mir mal irgendwas passieren. Und eigentlich hätte die Sache erledigt sein sollen, als ich herausgefunden habe, dass beide bei einer anderen Nachbarin untergekommen sind.

Dann ist die kleinere, scheuere über den Balkon besagter Nachbarin abgehauen und verschwunden und die meinte nur so: „Also, die finden wir wohl nicht mehr wieder.“

Nur für den Fall, dass das irgendwann mal relevant wird: Sollte je irgendjemand meine Katzen verschliert, sähe ich es wirklich gerne, wenn er ein bisschen mehr tut als einmal kurz mit der Taschenlampe ins Gebüsch zu leuchten und dann zu erklären, dass man die sicher nicht wiederfindet.

Also, Futter unten hingestellt, Falle vom Tierheim ausgeliehen, die halbe Woche mit der Falle auf der Lauer gelegen. (Was ich jetzt weiß: Der W-Lan-Empfang auf dem Balkon ist besser als in meinem Arbeitszimmer und mitten in der Nacht ist es da draußen sogar ruhig genug, dass man gut arbeiten kann.)

Und violà:

Nun kann ich der Liste meiner Lebenserfahrungen hinzufügen, dass ich schon mal erfolgreich ein kleines Tier in einer Lebendfalle gefangen habe. Und irgendwann landet das sicher in irgendeinem Roman.

Mission accomplished

Seit Dienstag Abend bin ich wieder in Deutschland, und ich muss sagen Brasilien ist ziemlich cool. Nicht nur im wörtlichen Sinne (es ist gerade Winter da), sondern auch so generell. Unter anderem wachsen dort so ziemlich alle Pflanzen, die man hierzulande in eher mikriger Form im Wohnzimmer stehen hat, einfach mal eben so am Straßenrand.

Dann bekommt man dort einfach überall frische Fruchtsäfte. Und zwar irgendwie alles an Früchten, was man sich vorstellen kann, und noch ein bisschen mehr. Die Hälfte der Zeit, wenn wir gefragt haben, was für eine Art von Frucht etwas ist, führte es dazu, dass eine unserer wunderbaren brasilianischen Begleitpersonen (die generell dafür gesorgt haben, dass wir überhaupt irgendwie zurechtkamen, weil außerhalb der großen Städte einfach niemand Englisch spricht) zugeben musste, dass sie nicht wisse, ob es dafür überhaupt ein englisches Wort gebe (oft genug gab es keines). Die meisten portugiesischen Worte, die ich gelernt habe, bezogen sich auf Früchte.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Eigenheit der Brasilianer, auf einfach alles Käse zu packen. Wirklich auf alles. Das ist keine Übertreibung.

Aber ich weiß gar nicht, warum ich eigentlich die ganze Zeit übers Essen rede. Der Großteil der Reise sah so aus.

Und so.

Und so.

Und ich habe die Orte gesehen, die ich sehen musste, um meinen nächsten Roman zu schreiben. Aber dazu später mehr.

Brasilien

Überraschung! Ich lebe noch. Ich bin nur unter Bergen aus Arbeit verschwunden. Einer davon rührt daher, dass ich dieses Jahr zweieinhalb Romane schreiben darf (die zweite Hälfte des dritten muss erst 2018 fertig werden). Und einer dieser Romane sorgt dafür, dass ich mich in weniger als einer Stunde auf dem Weg nach Brasilien befinden werde. Auf Recherchereise.

Ich würde gerne behaupten, das hätte irgendwelche großartigen künstlerischen Gründe, aber in Wirklichkeit lief die ganze Sache folgendermaßen:

Als ich Anfang des Jahres meinen Vater besucht habe, war ich gerade mit der Arbeit an einem neuen Exposé beschäftigt. Nur dass es irgendwie noch nicht funktionierte. Es fehlte noch etwas. Meine Lektorin war noch nicht ganz glücklich. Das Leid darüber habe ich meinem Vater geklagt.

Seine Antwort: „Wäre wieder eine Reise nicht eine Idee? Es würde auf jeden Fall gut zur Geschichte passen.“
Ich musste ihm zustimmen, war aber noch skeptisch: „Wohin?“
Er überlegte kurz, zuckte dann mit den Schultern und sagte: „Brasilien.“
„Aber ich weiß gar nichts über Brasilien.“
„Weißt du was? Ich wollte da schon länger mal wieder hin. Wenn du den Roman verkauft bekommst, machen wir einfach zusammen eine Reise.“

Versteht mich nicht falsch, wenn ich danach nicht einen Tag damit verbracht hätte, zuzusehen, wie sich die einzelnen Puzzleteile der Geschichte plötzlich vernünftig in meinem Kopf zusammensetzen, hätte ich trotzdem noch nach einer anderen Lösung gesucht. Aber ich beschwere mich auch nicht, dass alles so gut zusammengepasst hat.

Ich bin deshalb dann mal weg.

Ghostbusters

Ich habe endlich den neuen Ghostbusters-Film gesehen (wie immer später als die meisten), und ich mochte ihn sehr. Es ist nicht so, als wäre er überragend innovativ oder als wäre der Humor sonderlich feinsinnig. Aber wer auch immer behauptet, er habe die ersten Ghostbusters Filme wegen der originellen Story oder wegen ihres intelligenten Humors angeschaut, der muss wirklich sehr tief im „Früher war alles besser“-Land verschollen sein.
Es gibt auch sicher einige sehr handfeste Kritikpunkte, wie z.B. die Tatsache, dass Kevin ganz eindeutig zu dämlich geraten ist. Trotzdem habe ich mich sehr gut unterhalten gefühlt.

Ich gebe gerne zu, dass ich den Film wahrscheinlich wegen der Protagonistinnen so gerne mag. Ich weiß nicht mal so recht, ob das eine Identifikationssache ist. Vielleicht schon. Ich habe im Grunde kein Problem damit, mich mit männlichen Protagonisten zu identifizieren. Das tue ich relativ häufig. Nicht, weil es nicht auch weibliche Charaktere in den Filmen und Serien gäbe, die ich mag – es gibt ja meistens immerhin einen – sondern weil es sehr wenige weibliche Charaktere gibt, die irgendwo in die Mitte das Spektrums zwischen perfekt und komplett nutzlos fallen. Also irgendwo in die Mitte zwischen Mary-Jane (kann nichts weiter als kreischen) und Black Widow (wunderschön und unnahbar und tödlich). Versteht mich nicht falsch, ich mag Black Widow. Aber vor Ghostbusters habe ich noch nie Frauen in einem Action-Film gesehen, die sich mit einer Mischung aus Wahnsinn, halb-Kompetenz und viel Humor irgendwie durchwurschteln, um die Welt zu retten. Das durften bisher nur die Männer. Und ich wusste bisher nicht, wie sehr ich das vermisst habe.